Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Wahrnehmung der Uckermark hat sich in der achtjährigen Amtszeit von Landrat Dietmar Schulze verändert

Abschied
Weit entfernt vom Schlaraffenland

Dieses Nostalgie-Poster hat ihn immer begleitet: Ex-Landrat Dietmar Schulze hat Zeit seines Berufslebens ein Herz für die Landwirtschaft gehabt, konnte manches Mal helfen und eingreifen. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Dieses Nostalgie-Poster hat ihn immer begleitet: Ex-Landrat Dietmar Schulze hat Zeit seines Berufslebens ein Herz für die Landwirtschaft gehabt, konnte manches Mal helfen und eingreifen. Jetzt geht er in den Ruhestand. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 25.05.2018, 06:00 Uhr
Prenzlau (MOZ) Landwirt wollte er werden. Doch dann machte er unverhofft eine steile Politik- und Verwaltungskarriere. Jetzt geht Ex-Landrat Dietmar Schulze (SPD) in den Ruhestand. Er hinterlässt eine Uckermark, die sich stark verändert hat.

„Wer Bier trinkt, hilft der Landwirtschaft“ – das bekannte Nostalgie-Poster mit einem Bauern samt Sense ist eines der wenigen persönlichen Stücke, die Dietmar Schulze immer in seinen wechselnden Büros aufgehängt hat. Er schmunzelt, wenn aufmerksame Besucher darauf reagierten. Landleben, Äcker, Wiesen und Vieh haben ihn nie losgelassen. Jetzt hängt er den Rahmen ab und nimmt ihn mit heim. Am 31. Mai endet seine achtjährige Amtszeit als Landrat der Uckermark. Dann sind es nur noch vier Monate, bevor der 65-Jährige sein langes Arbeitsleben abschließt.

Studierter Landwirt, Arbeit auf der LPG, Amtsleiter in der Kreisverwaltung, Staatssekretär und schließlich Landrat – das sind die Stationen seiner steilen Berufskarriere gewesen. Der junge Absolvent, der direkt in die Praxis des uckermärkischen Bauernlebens geworfen wurde, konnte damals nicht ahnen, dass er einst selbst Agrarstrukturen verändern sollte. Rapsduft und Stallgeruch ist er bis heute treu geblieben. Egal ob als Staatssekretär oder Landrat – bei Außenterminen musste Schulze mitten hinein zwischen Rinder oder Hühner. Die Praktiker wussten, dass sie ihm wenig vormachen konnten.

Daheim hat er keine Tiere, keinen Acker. Also wird der Ruhestand schlagartig kommen. Er sorgt sich nicht darum, denkt über eine ehrenamtliche Beschäftigung nach. Doch das Umtriebige wird ihm fehlen, der pralle Terminkalender, das Herumreisen, das Gebrauchtwerden, Gespräche, Treffen mit Menschen aller Art. „Da muss ich durch“, sagt er nüchtern. „Aber ich blicke auf ein erfülltes Berufsleben zurück.“

Er konnte immer zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle mitgestalten und auch helfen: Bei den gravierenden Veränderungen der DDR-Landwirtschaft nach der Wende. Bei allen Problemen mit wechselnden Eigentumsverhältnissen. Bei Reformen, Flurneuordnung, Fördermitteln. Vor allem als Staatssekretär spürte er den Einfluss derjenigen, die an den Schalthebeln sitzen.

Den Landratsposten hatte er sich eigentlich ganz anders vorgestellt. „Das war eine echte Herausforderung“, sagt er mit Respekt vor dem Amt. Schulze wollte aber kein Verwaltungsleiter sein. Er fuhr umher, dirigierte per Telefon, kümmerte sich um Strukturen, um Geld. Er nutzte seine Verbindungen zu Politikern, Ministern und Beamten. Mit Erfolg. Er trat nicht als Bettler auf, sondern machte Vorschläge, wie das Landleben zu meistern sei. Noch bis vor wenigen Jahren hörte man in Potsdam den Spruch „Wenn Du mal den Untergang des Abendlandes erleben möchtest, dann fahr in die Uckermark“. Davon ist heute keine Rede mehr. „Was waren das damals für Szenarien?“, meint der Ex-Landrat kopfschüttelnd. „Vom Schlaraffenland sind wir immer noch weit entfernt. Aber die Wahrnehmung ist ganz anders geworden. Heute geht es um neue Baugebiete, mehr Kita-Plätze, größere Schulen. Von dieser Entwicklung schreibe ich mir auch etwas zu.“

In seiner Zeit und auch mit seinem Zutun veränderte sich viel im Landkreis. Der Schuldenberg hat sich aufgelöst. Das Breitbandnetz wird ausgebaut. Der Windplan ist in Kraft getreten. Angermünde wird Mittelzentrum. Die Krankenhäuser sind stabil. Teure Altlasten wie die Hölle in Zichow verschwinden. Die Eisenbahn Angermünde-Stettin bekommt nun doch das zweite Gleis. Es gibt wieder Zuzug junger Familien. Die Rettungsdienstgesellschaft ist beim Kreis gelandet. Ein Rettungshubschrauber steht in Angermünde. Die Unterbringung von Asylbewerbern lief reibungsloser als anderswo.

Manchen Kompromiss hat Dietmar Schulze mit Ausdauer und politischer Taktik erreicht. Sein Geheimrezept: „Man muss im Kopf immer noch eine Schleife drehen, bevor man entscheidet. Man muss die Kehrseite betrachten. Das habe ich damals von Papa Stolpe gelernt.“ Und er konnte auf die Hilfe seiner Hausmacht von SPD, Linken und FDP im Kreistag bauen, musste nicht um Mehrheiten kämpfen. Darauf hat er stets geachtet, denn „allein ist man erschossen.“

Eigentlich wollte der Politprofi noch acht Jahre weitermachen. Doch die Uckermärker entschieden anders. Nun kann er ohne Terminstress auf seiner Terrasse in Criewen ein Bier trinken. Zum Wohle der Landwirtschaft.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Hasso Isenhagen 06.06.2018 - 07:54:04

so ist das mit Landrat Schulze

wären die Wahlen eher gekommen, dann hätte er auch eher gehen müssen. Die Uckermärker haben bald gemerkt, dass er zwar jeden neuen Trecker in der Landwirtschaft persönlich getauft hat aber aonst nicht viel bewirkt hat.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG