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Das Mulitikulturelle Centrum führt seine Zuschauer mit einem rollenden Filmfest an wildromantische Orte

Kinoerlebnisse
Leinwand auf Reisen

So gemütlich ist Kultur auf dem Lande: In Windeseile lässt sich eine mobile Leinwand vor historischen Mauern errichten. Bierzeltgarnituren ersetzen Kino-Sessel. Fahrräder, Kinderwagen und Hunde können mitgebracht werden. Film ab unter freiem Himmel.
So gemütlich ist Kultur auf dem Lande: In Windeseile lässt sich eine mobile Leinwand vor historischen Mauern errichten. Bierzeltgarnituren ersetzen Kino-Sessel. Fahrräder, Kinderwagen und Hunde können mitgebracht werden. Film ab unter freiem Himmel. © Foto: Kathrin Frese
Oliver Schwers / 30.05.2018, 06:30 Uhr
Templin (MOZ) Wie? Bei schönem Wetter will keiner ins Kino? Dann kommt das Kino eben nach Hause. Mit seiner mobilen Freiluft-Leinwand hat das Multikulturelle Centrum Templin eine ungewöhnliche Attraktion geschaffen. Jetzt startet die dritte Saison.

Das ist der Luxus einer dünn besiedelten Landschaft: Inmitten einer mittelalterlichen Burgruine steht unter freiem Himmel eine 56 Quadratmeter große Leinwand, auf der bei einsetzender Dämmerung ein ausgesuchter Spitzenfilm läuft. Auf den Mauern flackern Kerzen, Zuschauer trinken Wein, ein Hund gähnt zu Füßen. Die besten Filme an den schönsten Orten erleben – damit wirbt das Multikulturelle Centrum Templin (MKC). Im Sommer setzen sich die Vorführer hinter das Steuer ihres Lastwagens und erkunden den weiten Landkreis. Auf der Ladefläche fährt eine nagelneue hochmoderne Digitaltechnik mit. Wenn der Wagen an einem schönen Ort stoppt, bringen die Kino-Macher ihre Leinwand ins Grüne. In wenigen Minuten entsteht ein Aufführungsort im Grünen, in einer großen Tenne, auf einem Gutshof, vor einer Kirche.

Was vor drei Jahren aus der Not geboren wurde, hat sich als Kassenschlager entpuppt. Damals schloss der Templiner Kulturtempel wegen Umbauarbeiten. Und so fuhren die Kulturleute eben einfach übers Land zu ihren Zuschauern. Sie fanden romantische Flecken, verträumte Parks, die selbst mancher Uckermärker nicht kennt. Ergebnis: 2000 Besucher an 20 Vorstellungen. Also startete das mobile Kino auch in die zweite Runde. Fazit: 1500 Gäste selbst bei totalem Regensommer.

Aus den Erfahrungen haben die Macher gelernt. Meist gibt es nun eine Schlechtwettervariante mit Dach. Aber im ärgsten Fall harrt das Publikum sogar mit Regencape oder aufgeschnittener Mülltüte aus – Schirme stören.

Seinen hohen und mehrfach ausgezeichneten Programm-Anspruch gibt das MKC auch auf Gastspielreise nicht auf: Gezeigt werden besondere Streifen, keiner doppelt. Auch Dokumentarfilme. Die Mischung beschert dem mobilen Kino ein mitreisendes Stammpublikum, das nicht nur neugierig auf Schauspieler und Dramaturgie, sondern auch auf die Uckermark-Entdeckungsreise ist.

Denn das Drumherum – Einlass, Verköstigung, Begrüßung und gar Führungen – bieten engagierte ortsansässige Vereine oder Hofeigentümer. Sie profitieren von der neuen Landkultur, die keinen Cent zusätzlich kostet, und können gleichzeitig ihre touristischen Angebote vorstellen. In der Pension „Zur Linde“ in Criewen lassen die Gastwirte ein Schwein im Backofen garen. Auf Gut Kerkow erleben die Zuschauer eine mobile Obstpresse. In der Wasserburg Gerswalde erscheint die uckermärkische Regisseurin Lola Randl persönlich zur Aufführung ihres eigenen Streifens. Nach Röddelin kommt gar ein besonderer Gast: Erich Honecker im Tschaika. „Allein würden wir das alles gar nicht schaffen“, sagt Kathrin Frese, Chefin des MKC.

Ein Problem hat der Open-Air-Kinosaal aber: die Stühle. Manchmal reichen Bierzeltgarnituren aus, ein andermal müssen Decken helfen. Und es gab schon Situationen, da holten die Dorfbewohner alle verfügbaren Plastikstühle nach draußen. Besucher bringen sogar eigene Sitzgelegenheiten mit. Übrigens: Mückenspray ist immer an Bord.

Kathrin Frese ist mit ihrem rollenden Überland-Kinofest zufrieden: „Tolle Filme, tolle Spielorte, tolle Technik, tolle Partner. Und dass Outdoor mehr Publikum anzieht als Indoor, das funktioniert nur in der Uckermark.“

Saisoneröffnung mobiles Kino Uckermark, 2. Juni, 21.30 Uhr, Seebühne am Multikulturellen Centrum Templin: „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“, vorher Konzert.

Programmauszug

■ 8. Juni, 21.30 Uhr, Pension „Zur Linde“ Criewen: „Eine bretonische Liebe“

■ 9. Juni, 21.30 Uhr, Gut Gollin: „Vorwärts immer“

■ 15. Juni, 22 Uhr, Gut Temmen; „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“

■ 22. Juni, 22 Uhr, Gut Kerkow; „Die Sch’tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen“

■ 29. Juni, 22 Uhr Wasserburg Gerswalde: „Das schweigende Klassenzimmer“

■ 30. Juni, 22 Uhr, Ziegeleipark Mildenberg: „Mord im Orient-Express“

■ 6. Juli, 22 Uhr, Gut Gollin: „Körper und Seele“

■ 7. Juli, 22 Uhr, Dorfplatz Röddelin: „Fack Ju Göhte 3“

■ 13. Juli, 22 Uhr, Gut Kerkow: „Lion – Der lange Weg nach Hause“

■ 14. Juli, 22 Uhr, Wasserburg Gerswalde: „Der Buchladen der Florence Green“ (Änderungen vorbehalten)

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