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Bei der VR-Bank gibt es kaum noch Schließfächer / Vorstand Martin Polle: Uckermärker sind fleißige Sparer

Sparer
Wertanlagen im Tresor

Goldanlagen der VR-Bank Uckermark-Randow
Goldanlagen der VR-Bank Uckermark-Randow © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 08.06.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 08.06.2018, 15:27
Prenzlau (MOZ) Schlechte Zeiten für Banker: Die Zinsen sind im Keller. Dennoch schüttet die VR-Bank Uckermark in den nächsten Tagen drei Prozent Dividende an ihre 11 000 Mitglieder aus. Das Unternehmen hat einen Gewinn von rund 478 000 Euro gemacht.

Obwohl die Bevölkerung der Uckermark immer noch leicht abnimmt, wächst die Bank. Bis September übernimmt sie von der Berliner Volksbank deren derzeitige Filiale in Joachimsthal im Landkreis Barnim. Offenbar mit Erfolg, gibt es doch sogar einen offenen Brief aus der Gemeinde Groß Schönebeck, ebenfalls eine Filiale dort zu errichten. „Wir sind die Spezialisten im ländlichen Raum“, begründet Vorstandsvorsitzender Martin Polle die Übernahme. Zuvor habe es eine Analyse gegeben. Eine personelle Besetzung der Filiale bleibe bestehen. Nach einigen Umstrukturierungen im Gartzer Raum, wobei aus besetzten Filialen nur noch Selbstbedienungseinrichtungen wurden, beteuert Polle, keine weiteren Einschnitte mehr vornehmen zu wollen. Ein „strategisches Optimum“ sei erreicht.

Dennoch muss auch die VR-Bank wie alle anderen Kreditinstitute in Zeiten des anhaltenden Zinstiefs sparen. Zum Beispiel bei den Ausgaben und Kosten. Der Personalstand sinkt jedes Jahr um fünf bis sechs Mitarbeiter. Allerdings ohne Kündigungen. Frei werdende Stellen bleiben künftig unbesetzt.

Zwar konnte die Bank ihre Überschüsse halten, doch zeigt die Entwicklung den generellen Trend in Deutschland: Die Kundeneinlagen steigen in stärkerem Maße als Kredite angefordert werden. Das große Vertrauen der Sparer beschert der Genossenschaftsbank ein Kundenwertvolumen (Einlagen und Kredite) von fast einer Milliarde Euro. Perspektivisch muss das Kunststück gelingen, die überschüssigen Mittel auf dem Markt gewinnbringend anzulegen.

Andererseits sucht man nach neuen Quellen. Und so betreut das Unternehmen nicht nur Existenzgründer, sondern betätigt sich als Immobilienmakler, Berater für die Unternehmensnachfolge und sogar als Testamentsvollstrecker im Kundenauftrag. Demnächst soll es sogar eine Unternehmensbörse geben, bei der angestammte Firmen den Eigentümer wechseln. Das soll dem allgemeinen Trend fehlender Geschäftsführer und Inhaber entgegenwirken.

Auch in dauerhaften Niedrigzinszeiten greift der Uckermärker auf Werte zurück, die schon seine Vorfahren nutzten: auf Gold. Die VR-Bank hat eigene Barren prägen lassen, verkauft das glänzende Edelmetall in winzigen Stücken wie auch in 10 000-Euro-Größen. Langfristig sei Gold immer eine bewährte Geldanlage gewesen.

Insgesamt ist der Vorstand zufrieden mit seiner Jahresbilanz. Vor allem die Konjunktur auf dem Bau belebt das Privatkundengeschäft. Firmenkunden brauchen ebenso günstiges Geld.

Die Höhe des Eigenkapitals wächst, was wiederum eine sichere Rücklage bildet. Damit werden die von der EU vorgegebenen Forderungen erfolgt. „Die Uckermärker sind fleißige Sparer“, so Polle. Und manche lassen ihre Werte auch einfach im Tresor liegen in der Hoffnung auf bessere Anlegerzeiten. Es gibt kaum noch freie Schließfächer.

Die Generalversammlung der VR-Bank Uckermark-Randow findet am 13. Juni um 18 Uhr in der Uckerseehalle in Prenzlau statt.

Zahlen und Fakten zur Bilanz 2017

■ In sechs Kompetenzzentren, verteilt über den gesamten Landkreis sowie in Pasewalk und Strasburg, betreut die VR-Bank Firmen- und Privatkunden. Weiterhin stehen fünf Filialen auf dem Lande zur Verfügung.

■ Der Kundenstamm ist im vergangenen Jahr aufgrund der demografischen Entwicklung leicht zurückgegangen. Fast 40 000 Menschen regeln ihre Geldgeschäfte über die VR-Bank. Die Zahl der Mitglieder ist auf 11 042 gestiegen.

■ Die Höhe der Kundeneinlagen liegt bei 528 Millionen Euro, das entspricht einer Steigerung zum Vorjahr um 6,3 Prozent. Das Kreditvolumen stieg auf 231 Millionen Euro, was einer Erhöhung um 3,7 Prozent entspricht.

■ Der Jahresüberschuss beträgt 478 000 Euro. Davon werden 142 199 Euro als Dividende von drei Prozent an die Mitglieder ausgeschüttet.

■ Das Eigenkapital der Bank hat sich seit dem Jahre 2011 verdoppelt von damals 33,1 Millionen Euro auf derzeit 61,6 Millionen Euro.

■ 606 000 Euro erhielten Gemeinden der Region aus Gewerbesteuern. Aufträge an Dienstleister hat die Bank im vergangenen Jahr im Umfang von fast zwei Millionen Euro vergeben. 3,6 Millionen flossen als Gehaltszahlungen an Mitarbeiter.

■ 71 000 Euro verwendete das Unternehmen zur Förderung und Unterstützung sozialer Projekte in der Region. Die VR-Stiftung übergab 20 000 Euro an die Dorfkirche Schönfeld zur Dachsanierung.

■ Gegründet wurde die VR-Bank vor mehr als 162 Jahren als sogenannter Vorschussverein in Prenzlau.

■ Es gibt sogar ein eigenes Reisebüro. Dabei können Kunden begleitet von Mitarbeitern des Bankhauses gemeinsam in den Urlaub fahren.

■ Seit zehn Jahren existiert die Aktion VR-mobil, wobei jeweils ein Auto vergeben wird. 2018 ging es an die Volkssolidarität.

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