Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Für den Neustart ihres Unternehmens erhielten Robert Bunn und Martin Jüdes des Existenzgründerpreis

Wirtschaft
Von 0 auf 100 in 11 Monaten

Oliver Schwers / 14.06.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 14.06.2018, 19:36
Schwedt (MOZ) Robert Bunn und Martin Jüdes haben einen Senkrechtstart hingelegt. In nur einem Jahr bauten sie einen neuen Anlagenbetrieb mit 27 Mitarbeitern in Schwedt auf. Jede Woche kaufen sie weitere Maschinen und Fahrzeuge. Dafür bekamen beide jetzt den Existenzgründerpreis.

Die Formel lautet: Mit vier Händen von 0 auf 100 in elf Monaten. Gemeint sind die Hände von Robert Bunn und Martin Jüdes, den beiden Geschäftsführern der Firma AMU (Anlagenbau, Maschinenbau, Umwelttechnik). Sie haben vor fast einem Jahr aus Frust über die entlassene Belegschaft eines Pinnower Betriebes, in dem beide angestellt waren, den Entschluss gefasst, ein eigenes neues Unternehmen in der gleichen Branche nun selbst in die Hand zu nehmen. Zehn der ebenso frustrierten Kollegen sind mittlerweile bei ihnen beschäftigt. Jeden Monat kommen weitere Einstellungen hinzu. 27 Leute sind es insgesamt. Der Betrieb sucht vor allem Schlosser und Schweißer. Weil der Markt aber längst leer gefegt ist, arbeiten jetzt zusätzlich 25 Leiharbeiter auf dem Hof. Im Zwei-Schicht-System.

Das Wachstum von 0 auf 100 ist rasant, aber geplant. Robert Bunn und Martin Jüdes kennen sich aus im Anlagenbau. Ihre Leute arbeiten für die Petrochemie, für die Papierindustrie, für Rohrleitungsbauer und Hersteller großer Anlagen. Die Auftraggeber gerade am Schwedter Standort haben ihnen von Anfang an vertraut. Das war die wichtigste Basis einer solchen Neugründung aus dem Nichts. Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Aufträge über Aufträge. 20 Schweißmaschinen mussten wieder angeschafft und 9 Fahrzeuge gekauft werden. Und vieles fehlt noch, zum Beispiel eine Krananlage sowie mehrere Großmaschinen zur modernen Metallbearbeitung.

Der Existenzgründerpreis Uckermark-Barnim traf die jungen Unternehmer mitten im Stress überraschend. Beide nahmen in ihren modernen schwarzen Firmen-T-Shirts die Auszeichnung am Rande der Schwedter Messe Inkontakt entgegen. „Wir haben uns total gefreut“, sagt Martin Jüdes. „Und wir haben das Ganze natürlich auch für unsere Leute gemacht, um das Team zu stärken.“ Bei denen herrscht immer noch Unmut über ausstehende Zahlungen ihres ehemaligen Arbeitgebers.

Die Hallen auf dem Hartmann-Gelände in Schwedt, wo AMU sich eingemietet hat, stehen voller Material. Überall wird geschweißt an riesigen Stahlelementen, Rohrleitungen und Tanks. Wie viel Geld das Unternehmen bereits in Technik investierte, können die Chefs auf Anhieb gar nicht genau sagen. Sie haben das meiste allein gestemmt. Auch mit Anfängerfehlern: 40 000 Euro von der ILB gingen futsch, weil der Vertrag zu früh unterzeichnet war. Fördermittel gab es nicht. Allein die notwendigen Zertifizierungen kosteten rund 20 000 Euro. Für sechs Urkunden über dem Schreibtisch.

Von der engagierten Hilfe der IHK in den Anfangstagen berichten die Unternehmer mit Begeisterung. Dafür ärgern sie sich immer noch über den Auftritt der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Die sei plötzlich aufgetaucht und habe eine Eintragung als Handwerksbetrieb verlangt, obwohl es sich um einen industriellen Anlagenbauer handele. Die Geschäftsführer fühlen sich erpresst. „Von der Sache her ist es uns egal, aber die Art und Weise geht gar nicht“, sagt Robert Bunn. „Wir haben ganz andere Sachen im Kopf, müssen uns um Projekte und Leute kümmern.“ Die Handwerkskammer bestätigt, dass zwei Mitarbeiter zu einem Betriebsbesuch erschienen wären. Dabei habe es sich bestätigt, dass es sich um handwerkliche Leistungen handele. Eine Rücksprache mit der IHK sei erfolgt. Eine Nachfrage zur Begleitung der Existenzgründung habe es nicht gegeben.

Die größere Verantwortung der neuen Chefs wird mit mehr Lebenszeit bezahlt. Zwölf Stunden Arbeit täglich sind keine Seltenheit. „Es ist schon ein Einschnitt“, sagen Martin Jüdes und Robert Bunn. Und das Schwierigste an einem Neustart: „Die Ungewissheit“, sagt Robert Bunn. „Man sorgt sich schnell, wenn die Aufträge mal sinken. Da müssen wir wohl noch abgebrühter werden.“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG