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Uckermark-Passagen werden zwangsversteigert / Stadt strebt Abriss und Aufforstung an

Zwangsversteigerung
Drei-Euro-Objekt unterm Hammer

Michael Dietrich / 14.11.2018, 21:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Die seit Jahren leerstehenden Uckermark-Passagen sollen zwangsversteigert und abgerissen werden. Die Stadt hat die Zwangsversteigerung beantragt, weil ihr der Eigentümer mehr als 50 000 Euro schuldet. Ein Bebauungsplan soll sicherstellen, dass dort nur noch Wald entstehen darf.

Es ist einer der gefährlichsten Abenteuerspielplätze der Stadt. Anwohner melden immer wieder Bewegung in dem abgesperrten Objekt, zig Mal hatte es gebrannt. Jetzt will die Stadt dem Treiben offenbar nicht mehr zusehen. Für die nächste Stadtverordnetenversammlung am 6. Dezember ist ein Beschluss geplant, in dem die Stadt klar das Ziel benennt, den Gebäudekomplex abzureißen und das Gelände anschließend aufzuforsten.  Die Aufstellung eines Bebauungsplanes soll diese Zielstellung rechtlich absichern.

Den demolierten Uckermark-Passagen steht nämlich erneut ein Eigentümerwechsel bevor. Am 5. Dezember hat das Amtsgericht Neuruppin die Zwangsversteigerung der drei Grundstücke samt Bebauung angesetzt. Der Verkehrswert der Immobilie wird mit drei Euro angegeben, das ist auch die Höhe des Mindestgebots. Bevor das vermeintliche Immobilienschnäppchen von mehr als 12 000 Quadratmeter Grundstücksfläche und aufstehenden Gebäuden für drei Euro von Immobilienspekulanten erworben wird, will die Stadt klarstellen, dass dort nichts zu holen ist. Wird per Bebauungsplan festgelegt, dass die Fläche nur noch für  Wald genutzt werden kann, werden alle andere denkbaren Nutzungen verboten. Die Stadt hofft dadurch Spekulanten abzuschrecken.

Die Zwangsversteigerung soll die Zwangsvollstreckung gegen Torsten Wucherpfennig ermöglichen.  Der Eigentümer soll der Stadt Kosten für die Sicherung des Objektes sowie Steuern schulden. Bestätigen will das die Stadt nicht und verweist auf das Steuergeheimnis. Seit Jahren ist der Eigentümer für die Behörden nicht mehr erreichbar, Post kann ihm nur noch per öffentlicher  Bekanntmachung im Aushang des Rathauses zugestellt werden.  Zuletzt soll der Schwedter eine Adresse in England angegeben haben, aber auch von dort kam die Post als unzustellbar zurück.

Dass die Stadt im Zuge der Zwangsversteigerung ihre Forderungen eintreiben kann, gilt als eher unwahrscheinlich. Eher bietet die Versteigerung die Chance, dass die Stadt selbst Eigentümer der Abrissimmobilie wird und damit in die Lage versetzt wird, zu handeln.

„Es ist unser Ziel, die latente Gefahr, die von dem Objekt ausgeht, zu beseitigen, dort geordnete Verhältnisse zu schaffen und dem Trauerspiel ein Ende zu setzen“, sagt Stadtplaner Frank Hein. Wenn das gelingen soll, muss die Stadt das Objekt kaufen und mehr als eine Million Euro für den Abriss auftreiben.

Hintergrund

Die Uckermark-Passagen wurden 1993 als erstes großes Einkaufzentrum nach der Wende in Schwedt eröffnet.

Die zwei Gebäudekomplexe wurden Ende der 1970er-Jahre ursprünglich als „Club der Chemiearbeiter“, kurz CdC genannt, sowie als Schülerspeisungseinrichtung „Nowopolozk“, von den Einwohnern Nowo abgekürzt, gebaut. Diese boten der Bevölkerung Freizeitangebote wie Kegelbahn, Gaststätte, Disko, Jugendklub, Schülerspeisung, Kino- und Veranstaltungssaal.

Mit dem großflächigen Abriss von Plattenbauwohnungen im Stadtteil ab dem Jahr 2000 setzte der Leerstand von Geschäften ein. 2008 war bereits ein Drittel des Zentrums ungenutzt, seit 2011 steht der Komplex leer. Seither gab es mehrere Brandstiftungen. Das Objekt ist notdürftig mit einem Bauzaun gesichert.

Der ehemalige Schwedter Torsten Wucherpfennig erwarb die Immobilien bei Versteigerungen für wenige Tausend Euro. Wegen unbeglichener Forderungen gegen ihn beantragte die Stadt jetzt die erneute Zwangsversteigerung.

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Zwangsversteigerung Frank Hein Aufforstung Torsten Wucherpfennig Abriss

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