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Landrätin folgt nach langen Verhandlungen dem Wunsch der Mitarbeiter und kehrt zu alter Diensteinteilung zurück

Einigung
24-Stunden-Schicht beim Rettungsdienst

Überall im Einsatz: Rettungsdienst der Uckermark. Die Mitarbeiter haben ihr altes Schicht-Modell zurück.
Überall im Einsatz: Rettungsdienst der Uckermark. Die Mitarbeiter haben ihr altes Schicht-Modell zurück. © Foto: Oliver Voigt
Oliver Schwers / 13.12.2018, 21:00 Uhr
Prenzlau (MOZ) Überraschende Wendung: Nach monatelangen zähen Verhandlungen, nach heftigen Diskussionen und sogar öffentlichen Protesten hat Landrätin Karina Dörk die Rückkehr zum 24-Stunden-Dienst für alle Standorte des Rettungsdienstes bekannt gegeben. Die neue Schichten-Regelung tritt ab 1. Januar in Kraft.

Die Entscheidung dazu fiel vor wenigen Tagen und wurde in einem Schreiben des Betriebsrates der Rettungsdienstgesellschaft ausgehängt. „Wir folgen damit den Wünschen der Mitarbeiter“, so Karina Dörk. Die hatten sich immer wieder für den 24-Stunden-Dienst stark gemacht. Das System stammt noch vom Deutschen Roten Kreuz der Uckermark, das bis zur Gründung der Uckermärkischen Rettungsdienstgesellschaft für die einzelnen Wachen zuständig war. Mit dem Übergang der Angestellten in den nun kreiseigenen Betrieb ließ die Kreisverwaltung den Tarif des öffentlichen Dienstes einführen. Der brachte zwar mehr Gehalt in der Lohntüte am Ende des Monats, doch dafür waren die Angestellten nun weniger zu Hause. Die eingeführte und bis jetzt gültige Zwölf-Stunden-Schicht führte zu erheblichen Protesten, auf deren Höhepunkt die Mitarbeiter mit Schildern und Transparenten vor das Kreishaus in Prenzlau zogen. Auch Politiker wie den CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen baten sie um Hilfe.

Hintergrund: Die Mitarbeiter, wie zum Beispiel Rettungssanitäter, haben unterschiedliche Einsatz- und Ruhezeiten. Sie werden von der Einsatzzentrale zu Patienten, Unfällen oder Menschen in Notsituationen geschickt. Jeder Tag in einer Rettungswache gestaltet sich dabei anders. Mit zwei 24-Stunden-Diensten ist die Wochenarbeitszeit eines Mitarbeiters damit im Grunde erreicht. Damit verbleiben ihm anschließend mehr Freizeit und Erholung.

Beim Zwölf-Stunden-Dienst dagegen, so die Argumentation des Betriebsrates, würden die Kollegen ihre Familien kaum noch zu Gesicht bekommen, weil dann die Ruhezeiten nicht mehr in gleicher Höhe angerechnet werden. Die Abwesenheit vom privaten Umfeld steigt. Durch Schichtwechsel sei auch der Erholungsfaktor in Frage gestellt. „Die Leute kommen einfach nicht mehr zur Ruhe“, bestätigt auch die Landrätin. Sie hatte das vor sich hin gärende Problem bereits im Wahlkampf thematisiert.

Gewerkschaften hielten dagegen, dass mehr Personal eingestellt werden müsse und warnten vor Übermüdung am Ende einer 24-Stunden-Schicht. Doch das sehen die meisten Angestellten bis jetzt anders. Nach einer Mitarbeiterbefragung entschied sich eine überdeutliche Mehrheit des Personals für die alte Regelung.

Daraufhin setzte der Landkreis seine Verhandlung mit den Gewerkschaften fort. Nach langen, schwierigen, aber konstruktiven Verhandlungen sei es nun gelungen, den 24-Stunden-Dienst flächendeckend einzuführen, heißt es in der Information des Betriebsrates.

Damit würden aber auch Einbußen am Gehalt einhergehen, so Karina Dörk. Außerdem gelte eine Grundregel: Die reinen Einsatzzeiten der Mitarbeiter dürften eine Auslastung von 40 Prozent nicht überschreiten. Damit will man einer möglichen Überlastung in dem nicht ungefährlichen Job vorbeugen.

In den vergangenen Jahren hatte der Landkreis die Mitarbeiterzahl in seiner Rettungsdienstgesellschaft ohnehin aufgestockt, was auch am steigenden Einsatzaufkommen liegt. Jetzt werde man am Standort Prenzlau zusätzliche Räumlichkeiten in Form eines Containers schaffen, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen, so Karina Dörk. Auch zusätzliche Rettungswagen sind notwendig geworden.

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