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Gespräch mit Landrätin Karina Dörk über wirtschaftliche und politische Entwicklungen 2019 und über Visionen

Ausblick
Uckermark als Startup-Fänger

Karina Dörk
Karina Dörk © Foto: Oliver Voigt
Oliver Schwers / 02.01.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 02.01.2019, 09:18
Prenzlau (MOZ) Lange Zeit galt die Uckermark als bildungsfern und Niedriglohnland. Die neue Landrätin Karina Dörk will dieses Image nicht länger hinnehmen. Sie baut Visionen auf, setzt auf Zuwanderung, moderne Infrastruktur und Start-ups.sprach mit ihr über Aussichten auf das Jahr 2019 im Landkreis.

Frau Dörk, Großstädte strahlen weit ins Land hinein. Nicht so Berlin. Wann gehört die Uckermark zum Speckgürtel der Hauptstadt?

Ob das unser Ziel sein sollte, weiß ich nicht. Die wirtschaftliche Entwicklung aber hängt mit der Nachfrage zusammen. Viele Firmen müssen sich in den kommenden Jahren umstellen. Ich gehe davon aus, dass die Berliner die Uckermark als Wohnstandort nutzen. Und an verschiedenen Stellen werden wir auch den einen oder anderen Gewerbebetrieb herbekommen, der keinen Platz hat in Berlin. Und dann dürfte sich auch das Lohngefüge ändern.

Warum schafft es der Barnim, mehr Jobs aufzubauen? Warum ist die Kluft zwischen den beiden Landkreisen immer größer?

Der Barnim profitiert vom Speckgürtel, nimmt Unternehmen auf, denen es an Platz mangelt. Außerdem gründen sich dort Firmen, die ihre Leistungen in Berlin erbringen. Wir werden die Barnimer Zahlen aber nicht erreichen. Und auch große Ansiedlungen schaffen wir nicht. Ich glaube aber, dass sich die gesamte Entwicklung von Berlin aus ein Stück bis in die Uckermark bewegt. Der Landkreis ist eher für Startups interessanter, die ein bestimmtes Umfeld brauchen. Das bringt Auftrieb.

Die benötigen aber schnelles Internet …

Genau deshalb gehört der Breitbandausbau zu den wichtigsten Schwerpunkten in der kommenden Zeit. Außerdem werden wir die Digitalisierung in den Schulen vorantreiben und ausloten, was möglich ist und was nicht. Es wird einen Digitalisierungsbeauftragten geben, der ein Musterkonzept mit den Schulen und für die Schulen erstellt. Dazu gibt es einen Auftrag aus dem Kreistag.

Welche Vision haben Sie von einer Uckermark der Zukunft?

Dass wir ein nachgefragter interessanter Wohn- und Wirtschaftsstandort sind. Dass die Menschen, die hier leben, zufrieden mit ihrem Umfeld sind. Dass sich die etwas problematische Sozialstruktur verändert und junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt eine bessere Perspektive finden. Wir sind nicht bildungsfern, sondern ein Bildungsstandort.

Bisher haben Sie als Landrätin die Mehrheiten im Kreistag gewinnen können. Doch die Zusammensetzung des Parlaments ändert sich mit den Kommunalwahlen im Frühjahr. Grund zur Sorge?

Ich hoffe auf einen Kreistag, mit dem man Sachthemen vernünftig bearbeiten kann. DieSacharbeit sollte unabhängig von den demokratischen Parteien im Vordergrund stehen. Es kommt immer auf den Einzelnen an. Angst vor einer neuen Zusammensetzung des Kreistags habe ich nicht. Natürlich braucht man am Ende Mehrheiten. Aber ich gehe davon aus, dass man sie bekommt, wenn man erklärt, was man will. Und man muss die Anliegen der Parteien ernst nehmen.

Wie bekannt ist denn die Uckermark-Landrätin in Potsdam?

Da besteht wohl noch Nachholebedarf. In Potsdam muss ich mir noch ein paar Türen öffnen. Vielleicht hilft es, dass ich nie konfrontativ, sondern eher sachlich arbeite.

Haben Sie sich ihren Job an der Verwaltungsspitze eigentlich so vorgestellt wie er jetzt ist?

Naja, ich wusste schon, was auf mich zukommt. Allerdings nicht mit der Intensität, die mich jetzt erreicht. Es hängt auch etwas davon ab, wie ich mich selbst organisiere. Zum Beispiel möchte ich wenigstens einen Tag in der Sieben-Tage-Woche frei haben. Meine Freunde und die Familie sind bereits schmerzerprobt. Und mein Vater ruft neuerdings schon im Büro an, wenn er mich mal erreichen will.

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