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Naturschützer verärgert
Naturtherme entfernt illegal Nistplätze der Mehlschwalbe

Martin Risken / 01.02.2019, 07:21 Uhr - Aktualisiert 01.02.2019, 09:28
Templin (MOZ) Hat die Naturtherme Templin rechtlich geschützte Mehlschwalben-Nistplätze von ihrem Gebäude entfernt und durch Spiker ersetzt? Schwere Vorwürfe hat die Nabu-Schwalbenbeauftragte Yvonne Schuldes gegen die Einrichtung erhoben. Naturthermen-Chef Ernst Volkhardt räumt auf Nachfrage Fehler im Umgang mit den Nestern ein.

Mindestens sieben Nistplätze der Mehlschwalben seien an der Rückwand der Therme entfernt und durch Vergrämungsmaßnahmen, also spitzkantige Spiker, ersetzt worden. Ein klarer Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSCHG): „Die Niststätten der Mehlschwalben sind nach Paragraf 44 BNatSchG in Deutschland besonders geschützt, ihr Bestand ging in den vergangenen 30 Jahren um die Hälfte zurück“, so die Sachverständige für Gebäudebrüter und Schwalbenbeauftragte des Naturschutzbundes (Nabu), Regionalverband Oranienburg, Yvonne Schuldes. Die Nester an der Rückwand der Therme störten keine Besucher und keine Ästhetik. Die Vergrämung durch Spikes helfe auch nicht wirklich, um die Mehlschwalben fernzuhalten. Diese bauten dann darunter, was durch Elstern und Krähen aber keinen Erfolg habe. „Die Schwalben müssen sich reproduzieren, sonst stirbt diese Art aus, darum benötigen sie dringend Platz zum Brüten“, mahnt die Expertin.

Besonders ärgerlich findet sie das Verhalten der Therme auch deshalb, weil das im Norden Brandenburgs sehr beliebte Bad sich einen grünen Anstrich gebe. Zurzeit präsentiert die Therme eine Ausstellung zum Bienenschutz. „Leben mit der Natur. Das ist scheinheilig – so darf nicht mit unserer Umwelt gespielt werden. Schwalben sind auch Natur!“, so Schuldes.

Der Geschäftsführer der Naturtherme, Ernst Volkhardt, räumt auf Nachfrage ein, dass die Nester im Rahmen von Renovierungsarbeiten in der Winterzeit entfernt worden seien. „Hierfür waren neben dem stark angegriffenen Holz auch die Standorte der Nester ein Grund, da beispielsweise durch den Kot in den Becken durchaus auch eine Beeinträchtigung der Gäste und deren Gesundheit bestand“, widerspricht der Thermen-Chef der Darstellung des Nabu zum Teil. Dann aber gesteht er auch Versäumnisse ein: „Die notwendigen Maßnahmen zum Ausgleich haben wir fälschlicherweise bisher nicht umgesetzt, holen dies aber umgehend nach“, kündigte Volkhardt am Mittwoch noch aus seinem Urlaub an. Hierzu sei die Geschäftsführung der Therme bereits mit einem Mitarbeiter des Landkreises Uckermark im Gespräch. „Wir werden zeitnah ein Treffen durchführen, um die Maßnahmen vor Ort abzustimmen“, will sich Volkhardt umgehend kümmern.Er ergänzt: „Der Naturschutz ist uns ein wichtiges Anliegen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir auch, ihn aktiv zu unterstützen, wie die Partnerschaft mit dem Naturpark Uckermärkische Seen, die Apfelsortenschau rund um die Therme oder die derzeitige Bienenausstellung im Foyer zeigt“, will er keine Abstriche am Naturgedanken machen.

Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde Uckermark haben sich mit der Geschäftsführung darauf verständigt, dass den Schwalben wieder Brutmöglichkeiten angeboten werden. Noch im Februar, also rechtzeitig vor Rückkehr der Schwalben aus ihren Winterquartieren, werden an abgestimmten Stellen Brutmöglichkeiten angebracht.

„Über die künftige Verfahrensweise in ähnlichen Fällen wurde in einem gemeinsamen Gespräch Einvernehmen erzielt“, so Kreissprecherin Ramona Fischer am Donnerstag.

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