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Ehrenbürgerin
Templin vor dem Merkel-Besuch - Dank und Lob, aber auch Kritik

Am 08. Februar soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Ehrenbürgerwürde der Stadt Templin erhalten.
Am 08. Februar soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Ehrenbürgerwürde der Stadt Templin erhalten. © Foto: dpa/Patrick Pleul
dpa / 05.02.2019, 11:26 Uhr
Templin (dpa) Hans-Ulrich Beeskow kann seine Freude nicht verbergen. „Diese Entscheidung ist endlich gefallen. Templin setzt damit ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung“, sagt der 79-Jährige mit strahlendem Lächeln. Der frühere Pädagoge leitete zu DDR-Zeiten den Spezialclub „Junge Mathematiker“ im Kreis Templin und kennt Angela Merkel noch aus dieser Zeit. „So ein begabtes Mädchen“ sei ihm nie wieder begegnet, sagt Beeskow. An diesem Freitag (8. Februar) soll die Kanzlerin die Ehrenbürgerwürde der uckermärkischen Stadt entgegennehmen.

Dass die in Templin aufgewachsene Kanzlerin nun die Auszeichnung der 16 300-Einwohner-Stadt erhält, hält Beeskow für längst überfällig. So wie sie als Schülerin gewesen sei - „zielgerichtet, konsequent und logisch in ihrer Arbeitsweise“ - habe sie auch 13 Jahre als Bundeskanzlerin Politik gemacht, lobt sie der ehemalige Lehrer. Bereits vor fast vier Jahren hatte die Templiner Unternehmervereinigung die berühmteste Tochter der Stadt für die Ehrenbürgerwürde vorgeschlagen.

„Bis dafür eine Mehrheit bei den Stadtverordneten gefunden war, und wir aus dem Kanzleramt das Signal bekamen, dass Frau Merkel die Ehrung annimmt, hat es etwas gedauert“, erklärt Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) fast entschuldigend.

Die Stadt hat ihren Neujahrsempfang etwas verspätet auf den 8. Februar gelegt. Dann nimmt die Kanzlerin die Ehrung persönlich entgegen. „So etwas vergeben wir hier nicht am laufenden Band. Nach 1945 ist Frau Merkel erst die dritte, die Ehrenbürgerin von Templin wird“, betont das Stadtoberhaupt. Mit dieser Auszeichnung würden jeweils die Verdienste über Jahre als Gesamtleistung gewürdigt. „So steht es in der Satzung.“

Im Sommer 2018 hatten 20 der 29 Templiner Stadtverordneten der Ehrung für Merkel zugestimmt. „Nicht alle meiner Fraktionskollegen waren dafür. Und auch in den sozialen Medien ging die Diskussion hoch her“, sagt SPD-Mann Christian Hartphiel, der bekennt, nicht gerade ein Fan von Merkels Politik zu sein. Doch er selbst hatte zugestimmt - aus Respekt für ihre Haltung während des Flüchtlingsansturms, wie er sagt.

„Die Bundeskanzlerin hat dieses Land durch schwierige Zeiten gebracht. Hätte es die Flüchtlingskrise nicht gegeben, wäre sie wohl immer noch die beliebteste Politikerin der Deutschen“, sagt Hartphiel, der sich selbst für Zuwanderer engagiert und dafür in Templin eigenen Angaben nach massiv angefeindet worden war.

Dass es in der Stadt nicht nur Befürworter der Merkel-Ehrung gibt, ist dem Bürgermeister bewusst. Sie habe für Templin konkret ja nichts getan, lautet die Kritik, der sich auch Harald Löschke anschließt, der Angela Merkel noch aus Schulzeiten kennt. „Ich bewundere sie für ihr Durchhaltevermögen in dieser von Männern dominierten Politik. Mit Templin hat das aber nichts zu tun“, sagt der Polizist im Ruhestand.

„Das stimmt so nicht“, sagt Bürgermeister Tabbert und spricht von einem positiven Image der Stadt, für das die Bundeskanzlerin gesorgt habe. „Wir haben pro Jahr etwa 750 000 Gäste, unter denen gibt es einige, die schauen wollen, wo die bekannte CDU-Politikerin groß geworden ist“, sagt das Stadtoberhaupt.

Das kann auch Tourismus-Chef Ernst Volkhardt bestätigen, der die Ehrenbürgerwürde für eine gute Sache hält. „Die Stadt ist bekannter geworden, weil im Zusammenhang mit Merkels Herkunft auch mehr über den Ort berichtet wurde“, sagt Volkhardt.

In Templin ist Merkel häufiger, wenn auch nicht offiziell. Erst vor wenigen Tagen wurde sie gesehen, beim Einkaufen in einem Supermarkt. Ein anderes Mal in einem Café. Das sei nichts Ungewöhnliches, sagt der Bürgermeister. Schließlich habe Merkel in der Nähe ihr Wochenenddomizil, gebe sich im Umgang mit den Templinern „weder weltfremd noch abgehoben“.

Im Gegenteil: Sie sei zielstrebig, hartnäckig und manchmal etwas unterkühlt, typisch Uckermärkerin eben, meint Tabbert. „Ihre Mutter lebt noch in Templin. Die ist inzwischen 90 Jahre alt und gibt immer noch Englisch-Kurse an der Volkshochschule“, erzählt er mit hörbarem Stolz.

Der frühere Mathe-Lehrer Beeskow findet es wichtig, dass „Persönlichkeiten, die von hier stammen und etwas tun für Deutschland, Europa und damit auch für Templin“, öffentlich gewürdigt werden. Merkel wird sich laut Tabbert in das Ehrenbuch der Stadt eintragen, gleich hinter dem Bundespräsidenten, der im vergangenen Jahr zu Gast war.

Sie bekommt außerdem einen Lindenbaum-Setzling geschenkt. Der Bürgermeister will ihr damit die Verpflichtung auferlegen, zur 750-Jahrfeier Templins im kommenden Jahr eine Linde im Bürgergarten zu pflanzen. SPD-Mann Hartphiel hofft, dass sich die Ehrenbürgerin inzwischen mehr ihrer Heimatstadt zuwendet.

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