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Angela Merkel ist nun Ehrenbürgerin ihrer brandenburgischen Heimatstadt Templin

Merkel ist Ehrenbürgerin
Ein Stück Normalität

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auf dem Neujahrsempfang der Stadt Templin von Wilhelm Gerhardt mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auf dem Neujahrsempfang der Stadt Templin von Wilhelm Gerhardt mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet. © Foto: dpa/ZB/Bernd Settnik
Mathias Puddig / 08.02.2019, 18:28 Uhr - Aktualisiert 08.02.2019, 20:06
Templin (MOZ) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Freitag mit der Ehrenbürgerwürde ihrer brandenburgischen Heimatstadt Templin geehrt worden. Beim Neujahrsempfang erhielt die 64-Jährige die Urkunde.

Die Kanzlerin ist gerührt. Allein in dieser Woche hat Angela Merkel zwar Tokio besucht. Sie war in Bratislava und am Freitagmittag bei der Eröffnung der neuen BND-Zentrale in Berlin. Doch als sie am Abend in Templin spricht, ist ihre Stimme zumindest zu Beginn ihrer Dankesrede alles andere als fest.

Die Kanzlerin ist erst die dritte Person in der jahrhundertlangen Geschichte Templins, die Ehrenbürger wird. Und sie weiß es zu schätzen: „Templin ist die Stadt meiner Kindheit und Jugend“, sagt sie. „Vieles, was ich heute sein kann, ist in Templin entstanden.“  Merkel wird auch persönlich. „Meine Mutter und meine Geschwister sind da“, erzählt sie, ebenso ihre Freundinnen Cornelia, Brigitte und Ute. Merkel gibt zu: „Da bin ich auch auf eine ganz bestimmte Weise ein wenig aufgeregt.“

Templin hat zwar für die Ehrung der Kanzlerin lange gebraucht – immerhin ist Merkel schon seit mehr als 13 Jahren Kanzlerin. Das Städtchen ist trotzdem die erste Kommune, die Angela Merkel zur Ehrenbürgerin macht. Sie kommt damit Merkels Geburtsstadt Hamburg und auch ihrem Wahlkreis in Vorpommern zuvor.

Angela Merkel ist das recht: Sie ist in der Uckermark-Stadt aufgewachsen. Noch heute hat sie nur wenige Kilometer weiter ihren Zweitwohnsitz. In Templin selbst kann man am Haus Fichtengrund, wo sie groß wurde, vorbeischlendern. Auch ihre Schule steht noch. „Kasi“ soll sie von ihren Freunden genannt worden sein, nach ihrem Mädchennamen Kasner. Das traut sich heute niemand mehr. Selbst Laudator Bodo Ihrke (SPD), der mit Merkel zur Schule ging, wagt es erst am Ende seiner Rede, sie  „liebe Angela“ zu nennen.

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Kanzlerin Merkel als Ehrenbürgerin

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Und doch wird auf dem Empfang immer wieder berichtet, dass die Kanzlerin in der Uckermark ein wenig Normalität pflegt. Pfarrerin Beatrix Spreng aus dem benachbarten Joachimsthal erzählt, dass Merkel noch immer „einfach so“ bei Edeka einkaufen geht. Die Leute schauen, angesprochen wird sie eher selten „Die respektieren ihre Privatsphäre“, sagt Spreng.

Die meisten zumindest. Denn auch in ihrer Heimat wird die Kanzlerin nicht von allen willkommen geheißen. In der Nacht zu Donnerstag wurde die Fassade des Multikulturellen Centrums, wo der Empfang stattfand, beschmiert. „Nicht unser Ehrenbürger“, stand an dem Gebäude. Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Auch während der Veranstaltung fand  in der Nähe eine Demonstration statt. „Merkel muss weg“-Brüller mit Deutschlandfahnen gibt es auch in Templin. Viele sind es aber nicht.

Dafür sind viele in der 16 000-Einwohner-Stadt schlicht zu stolz auf ihre Ehrenbürgerin. Schon in den vergangenen Tagen gab Merkels früherer Mathelehrer  Hans-Ulrich Beeskow Interviews. „So ein begabtes Mädchen“ sei ihm nie wieder begegnet, erinnerte er sich.

Merkels Mutter wohnt immer noch in Templin. „Die ist inzwischen 90 Jahre alt und gibt immer noch Englisch-Kurse an der Volkshochschule“, erzählte Templins Bürgermeister Detlef Tabbert. Der stammt übrigens von der Linkspartei – und musste sich lange für Merkels Ehrenbürgerschaft stark machen. Die Idee selbst ist schon mehr als zwei Jahre alt. Tabbert findet, das hat sich gelohnt. Merkel habe „viele Krisen in Deutschland, Europa und der Welt im Interesse des Landes gemeistert“, sagte er im Sommer dem „Tagesspiegel“. „Das lag wohl auch ein wenig an ihrer, sagen wir mal, preußisch-norddeutschen Gelassenheit, die ein Merkmal ihrer uckermärkischen Heimatstadt ist.“

Eine Heimat, in der sie auch ihr Laudator gern wieder empfängt. Wenn sie denn in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr Kanzlerin ist, „dann verabreden wir uns mal im Bürgergarten und sitzen auf der Parkbank“, schlägt Ex-Landrat Ihrke vor. „Und tauschen uns über unsere Nachfolger aus.“

In die Zukunft denkt allerdings auch die Jugendband, die auf dem Empfang den  Phil-Collins-Song „Another Day in Paradise“ spielt. Zwischen 14 und 19 sind die vier, keiner von ihnen kann sich an eine Zeit vor Merkel erinnern. Die  Jugendlichen finden es gut, dass in Deutschland eine Frau die Regierung führt.  Merkel habe einen guten Job gemacht, sagt etwa Keyboarderin Selene Spreng. Aber: „Die Zukunft gehört nun mal den Jungen.“ Nur eines falle ihr schwer, scherzt die 17-Jährige: sich vorzustellen, dass ein Mann Bundeskanzlerin sein könne.

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