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Mit acht Mandaten lässt die Alternative für Deutschland die Linken im Uckermark-Parlament hinter sich, wird drittstärkste Kraft und will jetzt politisch Vollgas geben.

Wahlergebnis
AfD erobert Kreistag Uckermark

So einen Aufwand gab es noch nie: Bei der Auszählung der Briefwahl-Stimmzettel zur Kreistagswahl reichte der Prenzlauer Plenarsaal nicht mehr aus. Durch die steigende Briefwahlflut mussten Nebenräume und Bühne genutzt werden.
So einen Aufwand gab es noch nie: Bei der Auszählung der Briefwahl-Stimmzettel zur Kreistagswahl reichte der Prenzlauer Plenarsaal nicht mehr aus. Durch die steigende Briefwahlflut mussten Nebenräume und Bühne genutzt werden. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 28.05.2019, 06:30 Uhr
Prenzlau (MOZ) Es ist ein historisches Wahlergebnis: Die AfD hat die Uckermark erobert. Bei den Europawahlen führt sie gleichauf mit der CDU. Im Kreistag, wo sie bisher lediglich ein Mandat besaß, hat sie sprunghaft zugelegt und kommt auf 15,4 Prozent. Damit ziehen nun acht Leute in den Prenzlauer Plenarsaal ein. Verlierer sind die etablierten Parteien. Die CDU büßt drei Sitze ein und geht mit 21,7 Prozent als stärkste Kraft aus den Kreistagswahlen hervor. Damit erreicht die Union ihr Wahlziel nur zum Teil, denn die Fraktion schmilzt und damit auch die Rückendeckung für Landrätin Karina Dörk (CDU).

Noch schmerzlicher ist der Wahlabend für die SPD ausgegangen. Von ihren 27,2 Prozent bei der vergangenen Kommunalwahl 2014 ist sie inzwischen weit entfernt. Die Partei verliert die Führung im Kreis und rutscht auf 21,2 Prozent ab. Damit bleiben ihr lediglich zehn Mandate, ein Verlust von vier Sitzen.

Die Linke hat seit dem Wahlabend das Lachen ganz verlernt. Von ursprünglich 18,1 Prozent stürzt sie auf 13,2 Prozent ab und rutscht hinter die AfD als nur noch viertstärkste Fraktion im Kreistag. Damit erleidet die frühere Kooperation aus SPD und Linken eine deutliche Wahlschlappe. Die FDP, auch Mitglied der inoffiziellen Mehrheitskooperation, kann ihr Wahlergebnis indessen leicht ausbauen und behält ihre drei Sitze. Die Bauern verlieren etwas, bleiben aber ebenfalls mit drei Mandaten drin.

Jubelstimmung bei den Grünen. Sie erleben einen Aufschwung von 3,7 Prozent auf 7,7 Prozent. Das bringt ihnen am Ende vier Sitze, doppelt so viele wie bisher. Insgesamt wird der Kreistag deutlich bunter, es gibt acht Fraktionen, darunter etliche kleinere. Zum Beispiel die Freien Wähler. Im Kreis sitzen künftig drei Vertreter (bisher war es nur ein Mandat). Die NPD bleibt ebenfalls vertreten, aber mit nur einem Sitz als einzige Partei ohne Fraktionsstärke.

Neue Köpfe in Fraktionen

Auch die personelle Zusammensetzung ändert sich deutlich. Allerdings haben es etliche langjährige Abgeordnete geschafft, enorme Stimmenanteile auf sich zu vereinen. Allen voran der Schwedter Mike Bischoff (SPD), der sage und schreibe 7336 Stimmen holt. Das ist Rekord. Ihm folgt mit 3850 Stimmen sein Parteikollege Frank Bretsch aus Angermünde. 3729 Punkte holt Jens Koeppen aus Berkholz-Meyenburg und kommt auf Platz drei in der Wählergunst.

Landrätin Karina Dörk hat sich am Wahlabend bis tief in die Nacht die Auszählungsergebnisse angeschaut. "Die Unzufriedenheit mit den großen Parteien ist deutlich geworden. Es ist ein Protest gegenüber grundsätzlichen Dingen, die im Land und im Bund entschieden werden. Wir müssen uns künftig viel intensiver mit den Problemen vor Ort auseinandersetzen."

Die neue Zusammensetzung macht die Entscheidungsfindung nicht einfacher. Doch die Landrätin hat auch bislang ohne eigene Mehrheit regiert. "Wir werden weiter um der Sache willen diskutieren. Es wird keine Hinterzimmer-Absprachen geben. Ich habe nicht vor, eine Kooperation zu schmieden."

Zufrieden mit dem Wahlergebnis zeigt sich der CDU-Kreisvorsitzende Jens Koeppen. "Unsere gewählten CDU-Abgeordneten werden hoch motiviert an die politische Arbeit gehen. Die auf über 54 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung zeigt, dass das Interesse an Politik und politischen Entscheidungsprozessen wieder zunimmt."

Die AfD bewertet ihre Ergebnisse als Riesenerfolg. "Wir sind angekommen bei der Bevölkerung der Uckermark", so Kreisvorsitzender Felix Teichner. "Wir haben einen klaren Auftrag, sind personell qualitativ gut aufgestellt und geben jetzt Vollgas. Wir werden Gespräche führen mit allen, die bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten. Wenn wir unsere Ergebnisse halten, ist das ein gutes Zeichen für die Landtagswahl."

Verhalten reagiert die SPD. "Als zweitstärkste Kraft können wir den Landkreis Uckermark weiter gestalten und die Projekte umsetzen, für die wir im Wahlkampf geworben haben", so der Unterbezirksvorsitzende Stefan Zierke. "Es ist uns wichtig, den Menschen in unserer Region mit einem klaren sozialdemokratischen Profil zu helfen."

Erstmal tief Luft holen müssen die Linken. "Wir haben vier neue Leute in der Fraktion, das ist eine Herausforderung", so Kreisgeschäftsführer Heiko Poppe. "Einfache Mehrheiten wird es im Kreistag nicht mehr geben, vielleicht bilden sich jetzt Zusammenschlüsse."

Bündnis 90/Grünen gehören zu den Wahlgewinnern im Kreis, haben sie doch das Ziel einer eigenen Fraktion erreicht. "Wir konnten unser Wahlergebnis und die Mandate verdoppeln. Das ist ein sensationeller Erfolg für uns. Unser 10-Punkte-Programm für die Uckermark hat die Wähler überzeugt und das in allen Wahlkreisen", so Kreissprecher Robert Schindler. "Dieses ist Ansporn für uns, in den kommenden fünf Jahren grüne Themen im Landkreis aktiv umzusetzen." Eine Zusammenarbeit mit der AfD oder NPD schließt er aus.

Gewählte Abgeordnete für den Kreistag

SPD: Frank Bretsch, Wolfgang Krakow, Olaf Theiß, Stefan Zierke, Hanka Mittelstädt, Mike Bischoff, Susan Jahr, Kestin Bischoff, Wolfgang Seyfried, Christian Hartphiel.

CDU: Wolfgang Banditt, Magdalena Michalczyk, Volkhard Maaß, Andreas Meyer, Josef Menke, Siegfried Schön, Jens Koeppen, Hans-Otto Gerlach, Walter Kotzian, Thomas Neumann, Annett Polle.

Die Linke: Evelin Wenzel, Heiko Poppe, Axel Krumrey, Anne-Frieda Reinke, Heike Heise-Heiland, Andreas Büttner, Tamara Gericke.

BLR: Michael Branding, Knut Büttner-Janner, Achim Rensch.

FDP: Gerd Regler, Jürgen Drägert, Michael Klette.

Grüne/B 90: Robert Schindler, Florian Profitlich, Elisabeth Becker, Stefan Rikken.

NPD: David Weide.

BVB/Freie Wähler: Rainer Ebeling, Christine Wernicke, Harald Engler.

AfD: Torsten Hagenow, Mirko Koschel, Hannes Gnauck, Monty Gutzmann, Hans-Peter Wilde, Jens Kuschke, Christian Bork, Dietmar Meier.

(Alle Ergebnisse sind vorläufig.)

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