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So teuer wie heute waren Felder und Wiesen der Uckermark noch nie. Guter Boden ist eine der lukrativsten Anlageformen geworden.

Begehrter Boden
Ackerpreise der Uckermark schießen in den Himmel

Sind die Bodenpreise eine große Blase, die irgendwann platzt? Das vermag bei anhaltenden Niedrigzinsen niemand zu sagen. Und so steigen die Werte von Äckern, Wiesen und Wäldern immer weiter. Die Uckermark liegt deutlich über dem Brandenburger Durchschnitt.
Sind die Bodenpreise eine große Blase, die irgendwann platzt? Das vermag bei anhaltenden Niedrigzinsen niemand zu sagen. Und so steigen die Werte von Äckern, Wiesen und Wäldern immer weiter. Die Uckermark liegt deutlich über dem Brandenburger Durchschnitt. © Foto: Wilfried Bergholz
Oliver Schwers / 17.06.2019, 21:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Wer sein Geld vor 20 Jahren in Äcker und Wiesen der Uckermark angelegt hat, ist heute steinreich. Zumindest kann er zufrieden auf eine satte Rendite blicken, die ihm keine Bank als Zins gegeben hätte. Und der Sturm auf landwirtschaftliche Flächen geht ungebremst weiter. Zwar wird längst nicht mehr soviel verkauft wie noch vor einigen Jahren, aber der Erlös bringt jedes Jahr neue Rekordwerte. Im Durchschnitt ist der Hektar Acker innerhalb eines Jahres wieder um rund 1000 Euro teurer geworden.

Angebot an Flächen sinkt

Möglicherweise heizt das deutlich sinkende Angebot die Preise weiter an. Zum Vergleich: Wechselten 2014 noch rund 5000 Hektar den Eigentümer, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 2000 Hektar. Darüber informiert der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in seinem Jahresbericht. Doch der Boden in der Uckermark ist gut und begehrt. Während im Brandenburger Durchschnitt 12 000 Euro für einen Hektar gezahlt werden, müssen Bauern und Anleger in der Kornkammer des Landes knapp 20 000 Euro hinlegen. Es gibt zwar Unterschiede, die richten sich aber nach der Bodenqualität. Doch in Einzelfällen explodieren die Preise regelrecht. So sind im Altkreis Prenzlau für einen Verkauf einer Fläche von über 100 Hektar 35 000 Euro pro Hektar zu Buche geschlagen.

Damit ist die von vielen Bauern erhoffte Beruhigung auf dem Markt nicht eingetreten. Stattdessen bekommen sie immer mehr Konkurrenz von Investoren, die als Teilhaber in Unternehmen einsteigen oder Interesse am Grund und Boden zeigen.

Während aufgrund des geringen Angebots bei Grünlandflächen kaum Veränderungen zu verzeichnen sind, steigt dafür der Wert der Wälder. Der Mittelwert beträgt derzeit 8100 Euro pro Hektar, jedoch abhängig von den Baumbeständen.

Sorge haben ansässige Landwirte aber nicht nur, weil sie nach schlechten Erntejahren kaum Kapital zum Flächenkauf frei haben. Gleichzeitig ziehen auch die Pachten an. Bei Neuverträgen verlangen die Eigentümer mehr Geld vom Bauern. Auch hier bringt natürlich guter Boden mehr ein als sandiger. Die Unterschiede sind beträchtlich: Sie reichen von 245 Euro bei schlechteren Ackerzahlen bis zu 375 Euro pro Hektar bei besserer Qualität. Höchstwerte bringen Bereiche in den Altkreisen Angermünde und Prenzlau mit über 800 Euro.

Verschlechterung der Böden

Landwirte mit geringem Anteil eigener Flächen sind deshalb in Sorge, wie sie ihren Betrieb dauerhaft wirtschaftlich gestalten. Sie müssen auch bei extremer Trockenheit oder bei Ausfällen durch Regen ihre Verpächter bezahlen oder Kaufkredite bedienen.

Außerdem warnen Experten aufgrund der Flächenkonkurrenz vor einer grundlegenden Verschlechterung der uckermärkischen Böden, weil Unternehmen durch die immer neuen Rekordpreise gezwungen sind, immer mehr herauszuholen.

Verkaufserlöse aus Verträgen 2018

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte analysiert jedes Jahr alle Kauf- und Pachtverträge in der Uckermark und berechnet daraus die Bodenrichtwerte. Er erfasst auch die Durchschnittswerte bei Neuverpachtungen, gestaffelt nach Altkreisen.

Im vergangenen Jahr wurden 380 Kaufverträge über land- und forstwirtschaftliche Flächen abgeschlossen, etwa halb so viele wie noch 2014. Der Gesamtwert lag bei 31 Millionen Euro. Übereignet wurden 2017 Hektar, deutlich weniger als in den Vorjahren.

Im Altkreis Angermünde einschließlich Schwedt ist der Mittelwert bei Ackerland innerhalb eines Jahres von 15 600 Euro pro Hektar auf 17 100 gestiegen. Bei Grünland sank der Preis von 9000 auf knapp 8000 Euro. Allerdings gab es nur vier Kauffälle. In der gesamten Uckermark liegt der Mittelwert für Acker und Grünland bei 19 900 Euro je Hektar.

Die Preise für Wald liegen im Altkreis Templin bei 9100 Euro, im Raum Prenzlau bei 7300 Euro und im Altkreis Angermünde (mit Schwedt) bei 8800 Euro. Insgesamt ergibt das eine durchschnittliche Steigerung von 800 Euro pro Hektar Wald innerhalb eines Jahres. Ausschlaggebend ist der Baumbestand.

Vergleicht man die Ackerpreise mit den Baulandpreisen auf dem Dorf, zeigt sich an einigen Stellen eine Annäherung. Im vergangenen Jahr wurden unbebaute Grundstücke auf dem Dorf bereits ab einem Preis von drei Euro pro Quadratmeter veräußert. Demgegenüber stehen Kaufpreise von Äckern mit guter Qualität mit bis zu 3,50 Euro.⇥os

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