Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Uckermärkische Musik- und Kunstschule platzt aus den Nähten und müsste mehr Lehrer anstellen. Doch dazu reicht das Geld nicht.

Musikschulen
Musikschullehrer auf Schleudersitzen

Lebt für die Musik und Beruf: Dorothea Janowski, Leiterin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule.
Lebt für die Musik und Beruf: Dorothea Janowski, Leiterin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 14.08.2019, 07:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Von Klavier, Geige, Cello über Akkordeon, Gitarre, Keyboard bis Schlagzeug oder Saxophon, von Chor, Popband bis Tanz, reicht der Fächerkanon der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule "Friedrich Wilhelm von Redern". Allein 22 Instrumente werden hier unterrichtet, darunter auch seltene wie Gambe, Tuba oder Orgel. Hinzu kommen ein Dutzend Ensembleangebote, musikalische Früherziehung im Kindergarten und Singklassen in der Grundschule.

Über 400 Schüler lernen inzwischen an der Angermünder Musikschule, die vor genau 15 Jahren in Trägerschaft des Vereins Musikfreunde Angermünde an den Start ging. Inzwischen haben sich die Schülerzahlen und die unterrichteten Wochenstunden verdreifacht, Tendenz immer noch steigend. Die Musikschule floriert.

Herausragende Konzerte

Doch das bereitet ihrer Leiterin Dorothea Janowski und dem Vorsitzenden des Trägervereins, Wolfgang Birthler, nicht nur Freude, sondern auch zunehmend Sorgen. Denn um die steigenden Schülerzahlen und die Qualität zu sichern, müsste die Musikschule mehr Lehrer einstellen, doch dafür fehlt das Geld. Die  18 Lehrer arbeiten auf Honorarbasis. Lediglich die Leitung ist eine feste Stelle. "Die Bezahlung ist mäßig, obwohl wir exzellente Lehrkräfte haben, die bereit sind, sich weit über ihre normale Arbeitszeit zu engagieren, zum Beispiel in Projekten, in der Ensemblearbeit oder unseren vielen Konzerten. Wir würden ihnen gern mehr bezahlen und Festanstellungen anbieten", sagt Dorothea Janowski, die Gelegenheit hatte, die Arbeit der Musikschule im Bildungs- und Kulturausschuss der Stadt vorzustellen. Dort machte sie auch auf die Probleme der unbefriedigenden Musikschulfinanzierung aufmerksam, die viele Musikschulen im Land betreffen. Als staatlich anerkannte Musikschule bekommt die Angermünder Einrichtung zwar eine Förderung vom Land entsprechend der Schüleranzahl und Wochenstunden. Doch die deckt nur 18 Prozent der Gesamtkosten. Knapp die Hälfte werden über Unterrichtsgebühren eingenommen. Immerhin beteiligen sich Landkreis und Stadt seit 2017 mit einer institutionellen Förderung und erhöhten die Zuschüsse auf 15 000 Euro pro Jahr vom Kreis und 35 000 Euro von der Stadt. Das reicht noch nicht für Festanstellungen und höhere Honorare.

Immerhin bekommt die Musikschule rund 10 000 Euro private Spenden für Projekte. "Wir haben sehr treue Fans", freut sich Dorothea Janowski. Die Uckermärkische Musik- und Kunstschule hat sich inzwischen in der Region einen Namen für herausragende Konzerte und Bildungsprojekte gemacht, ob es das große Adventskonzert in der Marienkirche ist, Konzerte in Dorfkirchen oder gemeinsame Projekte mit Partnermusikschulen in Polen und Frankreich. "Wir wissen die tollen Leistungen der Musikschule und das Engagement der Lehrer sehr zu schätzen. Ohne sie wäre unsere Stadt eine andere. Deshalb sollten wir als Stadt auch Farbe bekennen", betont Bürgermeister Frederik Bewer.

Junge Lehrer wandern ab

Trotz der Erfolge sei es immer schwerer, gute Lehrer zu halten. "Sie pendeln oft zwischen mehreren Musikschulen, um über die Runden zu kommen oder wandern an staatliche Regelschulen ab. Dabei haben wir viele junge Kollegen, die sogar nach Angermünde ziehen würden, wenn sie hier eine berufliche Perspektive hätten", so Dorothea Janowski. "Wenn sich nichts ändert, werden Musikschullehrer zu einer aussterbenden Gattung."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG