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Kinder und Jugendliche in der Uckermark stehen vor gravierenden Problemen. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Analyse.

Schock-Zahlen
Uckermark-Kinder: Mangel an Bildung

Wie kommt die Uckermark aus dem Teufelskreis heraus? Rund ein Viertel aller Kinder hat Probleme, die sich vom Kindergarten über die Schule bis hin zur Berufsausbildung durchziehen.
Wie kommt die Uckermark aus dem Teufelskreis heraus? Rund ein Viertel aller Kinder hat Probleme, die sich vom Kindergarten über die Schule bis hin zur Berufsausbildung durchziehen. © Foto: Caroline Seidel
Oliver Schwers / 04.09.2019, 06:15 Uhr
Prenzlau (MOZ) Bildung, Bildung, Bildung – plötzlich kocht das Thema überall in der Uckermark hoch. Der Landkreis hat eine Bildungsoffensive gestartet, lässt sogar ein neues Bildungsamt aufstellen. Es gibt mehr Geld und Förderung. Hintergrund sind Probleme, die schon seit Jahren gären, nun aber immer offener zutage treten. Die nackten Zahlen schockieren. Erstmals geht der Landkreis in einem 180 Seiten starken kommunalen Bildungsbericht damit offen um.

Die Uckermark wartet mit traurigen Rekorden auf. Das geht schon in der Kita los. Bei Schul-eingangsuntersuchungen zeigen 26,5 Prozent aller Kinder Sprach- und Sprechstörungen, obwohl 97 Prozent aller Mädchen und Jungen im Alter zwischen 3 und 6 Jahren eine Kita besuchen. Vor allem in Familien mit niedrigem Sozialstatus ist der Anteil an Entwicklungsdefiziten, Sprachstörungen und Rückstellungsempfehlungen hoch.

Das Personal in Kitas ist überaltert. 41 Prozent der Betreuerinnen sind über 50. Fehlende Kräfte werden durch Seiteneinsteiger ergänzt. Ihr Anteil liegt bei 16 Prozent. Der Personalschlüssel in Kitas zieht eine hohe Arbeitsbelastung nach sich.

Elf Prozent ohne Abschluss

Bildungsprobleme setzen sich gerade in der Schule fort. Der Wechsel von Schülern aufs Gymnasium liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Dafür ist der Wechsel von Kindern auf eine Förderschule überdurchschnittlich. Elf Prozent aller Schulabgänger haben keinen Abschluss. Und auch hier droht ein gigantisches Personalproblem, weil in den nächsten fünf bis zehn Jahren mehr als die Hälfte der Lehrer in den Ruhestand gehen.

Weiter geht es in der Ausbildung. Hier klagen Unternehmen und Handwerker schon lange über mangelnde Leistungen, fehlende Kenntnisse und vor allem über eine schlechte Motivation. Das liegt nicht nur daran, dass deutlich weniger Jugendliche als noch vor 20 Jahren auf den Lehrstellenmarkt drängen. Auch die Berufsschulangebote stehen in der Kritik. Viele Jugendliche müssen zu den Schulstandorten weite Wege auf sich nehmen oder den Landkreis gleich ganz verlassen. Ausbildungsverträge werden aufgelöst, weil junge Leute mit dem ständigen Herumreisen zwischen Wohnort, Ausbildungsort und Schulort oder überbetrieblicher Ausbildung nicht klarkommen, keinen Führerschein haben oder die öffentlichen Verkehrsmittel keine Verbindung anbieten. Generell wird das Angebot an Praktikumsplätzen als schwierig eingestuft. Auch die Zahl der Lehrstellen reicht weiterhin nicht aus. In der gesamten Uckermark werden nur noch 34 Berufe ausgebildet.

Die schonungslose Offenlegung der Bildungsdefizite hat zwar lange gebraucht, doch Sozialdezernent Henryk Wichmann reagiert. Eine Modellregion gemeinsam mit dem Barnim ist bereits gestartet. Mittel aus dem Bundespaket Bildung und Teilhabe sollen die Kita-Qualität unterstützen. Vor allem setzt Wichmann auf eine bessere Koordinierung mehrerer Behörden, die allesamt mit Bildung zu tun haben. "Weder das Alter, die Herkunft, das Geschlecht, eine Behinderung, der soziale Status oder weite Raum der Uckermark dürfen zu geringeren Bildungschancen führen", so Landrätin Karina Dörk.

Schwierige Voraussetzungen

Sozialprobleme der Uckermark haben auch Ursachen in der Struktur des Kreises, in der demografischen Entwicklung und fehlenden Ausgleichsmechanismen. Allein die Bevölkerungsdichte von 39 Einwohnern pro Kilometer auf einer Fläche von 3077 Quadratkilometern erschwert die Erreichbarkeit von Bildungsorten. Obwohl die Geburtenzahlen steigen, rechnet man aufgrund der Abwanderung junger Leute mit einem langfristigen Rückgang der Bevölkerungszahl. Über die Hälfte der Einwohner ist älter als 50 Jahre. Der Anteil von Frauen zwischen 18 und 40 liegt unter dem der Männer gleichen Alters. Die Arbeitslosenquote ist eine der höchsten in Deutschland.⇥os

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