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Vier Tage lang war der Fahrstuhl in der Lindenallee 56 defekt. Für ältere Mieter mit eingeschränkter Mobilität kann das zum Problem werden.

Havarie
Hochhaus vier Tage ohne Fahrstuhl

Keine Reaktion: Mieter Werner Krause (91) aus der sechsten Etage im Hochhaus Lindenallee versuchte vier Tage vergeblich, den Fahrstuhl zu rufen. Er ist auf den Rollator angewiesen und kann keine Treppen mehr steigen.
Keine Reaktion: Mieter Werner Krause (91) aus der sechsten Etage im Hochhaus Lindenallee versuchte vier Tage vergeblich, den Fahrstuhl zu rufen. Er ist auf den Rollator angewiesen und kann keine Treppen mehr steigen. © Foto: Michael Dietrich/MOZ
Michael Dietrich / 10.10.2019, 07:45 Uhr
Schwedt (MOZ) Schwester Olana von der Arbeiterwohlfahrt war ganz außer Atem, als sie am Freitag zu Werner Krause in die Wohnung in der Lindenallee kam, um ihm die Stützstrümpfe anzuziehen. Sie musste  die Treppen bis in die sechste Etage steigen, weil der Fahrstuhl außer Betrieb war. "Das kann schon mal passieren", reagiert der 91-jährige Mieter noch völlig ruhig, "unser Fahrstuhl ist seit 1976 in Betrieb, also auch nicht mehr der Jüngste. Aber bisher sind die Monteure von Otis schnell vor Ort, um ihn wieder in Gang zu setzen."

Er stellt sich darauf ein, muss den Gang zum Zeitung holen verschieben. Mit seinem Oberschenkelhalsbruch ist er auf den Rollator angewiesen, die Treppe ist für ihn ein unüberwindbares Hindernis. Mittags ruft er den Havariedienst an, am Nachmittag erneut. Er erfährt, dass der Fahrstuhl momentan nicht repariert werden kann, weil ein Bauteil fehle, das erst herangeschafft werden müsse. "Sie müssen damit rechnen, dass ihr Fahrstuhl erst wieder am Dienstag funktioniert", bekommt er zur Auskunft und ist schockiert. Wohnbauten-Geschäftsführer Roald Helm bestätigt den Vorfall: "Es tut uns für die Mieter leid, besonders für Ältere ist so eine Havarie natürlich ein herber Einschnitt im Alltag. Die Wartungsfirma hat Freitagmorgen einen Schaden an der Hauptsteuerung des Fahrstuhls festgestellt. Sie musste ausgetauscht werden. Ein Ersatzteil, das mehrere Tausend Euro kostet, war nicht vor Ort verfügbar und musste erst besorgt werden", so Helm.

Am Montagmorgen traf die neue Platine ein, fünf Stunden dauerte der Einbau, gegen Mittag soll der Fahrstuhl wieder gefahren sein.

Doch während sich der Vermieter darüber freute, dass "die Firma Otis so schnell gehandelt und das Ersatzteil trotz Wochenende bis Montag besorgt hatte, herrschte bei vielen Mietern über die lange Zeit Unverständnis. Roald Helm berichtete von dem erbosten Anruf eines Mieters beim Havariedienst. Zu DDR-Zeiten hätte sich der Verantwortliche ins Auto gesetzt und wäre ins Kombinat nach Dresden gefahren, um das Teil zu besorgen, belehrte der Mieter.

Werner Krause ärgerte sich darüber, dass nach seiner Ansicht die Mieter nicht ausreichend informiert wurden. Erst am vierten Tag, am Tag der Reparatur, hing gegen Mittag auch auf seiner Etage eine Mieterinformation, dass die Aufzugsanlage an diesem Tag von 13 bis 18 Uhr repariert werde.

"Ich weiß nicht, ob wirklich vier Tage Zeit erforderlich waren, was ich anzweifle. Ich frage mich aber, was die Verantwortlichen taten, um den Mietern die Lage erträglicher zu machen", sagte Werner Krause, nachdem ihm ein Diensthabender am Sonnabend  versprach, zurückzurufen, ob er Probleme habe, eine Einkaufshilfe zu finden, es aber dann doch nicht tat.

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