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Viele ältere Menschen der Uckermark scheuen den Weg zum Sozialamt, obwohl sie wegen ihrer niedrigen Rente möglicherweise Grundsicherung bekommen würden.

Rentenlücke
Von Hartz IV in die Altersarmut

Zu wenig Rente: Viele ältere Menschen müssen den Cent zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben.
Zu wenig Rente: Viele ältere Menschen müssen den Cent zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Oliver Schwers / 10.11.2019, 07:00 Uhr
Prenzlau (MOZ) Quer durch Deutschland zieht sich die Diskussion um die Grundrente. Gewerkschafter warnen vor Altersarmut aufgrund niedriger Löhne oder Hartz IV. Die Zahl der Menschen, die Grundsicherung beziehen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich erhöht. Doch ein Blick in die Statistik des Sozialamts der Uckermark stellt die Sache in ein ganz anderes Licht: Die meisten Menschen, die öffentliche Stütze in Form einer Grundsicherung benötigen, sind gar nicht die Altersrentner, sondern Frauen und Männer mit Erwerbsminderung beziehungsweise Berufsunfähigkeit. Ihre Zahl beläuft sich derzeit auf 1202 und bleibt seit etwa drei Jahren konstant. Tatsächliche Altersrentner (über 65 Jahre), die Grundsicherung beziehen, sind aktuell 481 registriert.

Kein Grund zur Entwarnung

Grund zu Entwarnung? "Nein", sagt Henryk Wichmann, Sozialdezernent der Uckermark. "Wir sehen, wie viele Menschen lange Zeit Hartz IV bekommen, arbeitslos waren. Und wir sehen, wie vielen Menschen wichtige Jahre in ihrer Erwerbsbiografie fehlen und verdammt wenig Rentenansprüche haben. Da werden später größere Ansprüche auf uns zukommen." Auch die Betroffenen mit Erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit stehen im Alter unter Umständen vor dieser Situation. Doch eine genaue Prognose wagt derzeit niemand.

Sollten die Sozialleistungen für die Grundsicherung tatsächlich in Größenordnungen steigen, wäre die Uckermark nach Ansicht von Henryk Wichmann doppelt belastet. "Wenig Steuerkraft, hohe Ausgaben", rechnet er vor. "Das nimmt uns Handlungsspielraum an anderer Stelle." Zwar zahle der Bund im Wesentlichen diese Form der Stütze, jedoch ist der Ausgleich für die Kreisverwaltung nicht kostenneutral.

Doch es gibt eine hohe Dunkelziffer: Viele ältere Menschen, die ein Leben lang für ganz wenig Geld gearbeitet haben, scheuen den Weg zum Sozialamt, auch wenn sie einen Anspruch auf öffentliche Stütze hätten. Es geht um mögliche Ersparnisse, die angerechnet werden könnten, um das Häuschen, um das Offenlegen des gesamten Eigentums. Andere schämen sich auch wegen ihrer Mini-Rente.

Es trifft vor allem Alleinstehende. Bei Ehepaaren hat meist einer von beiden mehr verdient. Erstaunlicherweise gibt es im Landkreis deutlich mehr Männer mit Erwerbsminderung als Frauen, und das verteilt über alle Altersgruppen.

"Deswegen ist die Grundrente besonders wichtig", so Wichmann. Der Dezernent stützt sich auf eine frühe Ursachenbekämpfung. "Wir können derzeit nur wenig machen. Deshalb müssen wir die gute Arbeitsmarktsituation nutzen, um jetzt Arbeitslose zu vermitteln. Das betrifft vor allem diejenigen mit Vermittlungshemmnissen." Deshalb würde auch das Personal im Fallmanagement des Jobcenters nicht heruntergefahren, obwohl die Arbeitslosenzahlen sinken. Dadurch hätten die Vermittler mehr Zeit für intensivere Betreuung.

Uckermark-Anteil am höchsten

Im Brandenburger Landesvergleich ist der Anteil von Menschen mit Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung in der Uckermark wie auch im Kreis Ostprignitz-Ruppin am höchsten. Das geht aus dem Regionalen Sozialbericht des Statistischen Landesamtes hervor. Mögliche Ursachen sind im Lohngefälle zu suchen.

Dezernent Wichmann sieht auch hier seine neue Bildungsoffensive bestätigt. Die setzt nicht erst im Alter, sondern schon bei gefährdeten Kindern und Jugendlichen an. Ein hoher Prozentsatz weist seit Jahren Sprachprobleme auf, zeigt schlechte Leistungen, hat keinen Schulabschluss und damit Schwierigkeiten beim Einstieg ins Berufsleben. Und wer dadurch dauerhaft wenig verdient, bekommt kaum Rente. Ein Teufelskreis.

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