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Düngetag des Düngevereins VFuD
Bauern proben in Prenzlau den Aufstand gegen die Politik

Stinkende Notwendigkeit: Der Güllewagen auf dem Acker versorgt das noch wachsende Getreide mit wichtigen Nährstoffen. Ohne organischen Dünger würde die Ernte deutlich magerer ausfallen. In Prenzlau demonstrieren die Landwirte gegen die Politik, vor der sie sich missverstanden fühlen.
Stinkende Notwendigkeit: Der Güllewagen auf dem Acker versorgt das noch wachsende Getreide mit wichtigen Nährstoffen. Ohne organischen Dünger würde die Ernte deutlich magerer ausfallen. In Prenzlau demonstrieren die Landwirte gegen die Politik, vor der sie sich missverstanden fühlen. © Foto: Jens Büttner/dpa
Susan Hasse / 31.01.2020, 07:00 Uhr - Aktualisiert 31.01.2020, 07:58
Prenzlau (MOZ) Die neuen Vorgaben zur Düngeverordnung sorgen bei den Landwirten weiterhin für großen Unmut. Die Vorschriften vonseiten der Europäischen Union seien in der Praxis kaum umsetzbar und würden die Landwirte, so der Kern der Kritik, enge Fesseln anlegen.

Und so wurde auf dem 24. Düngetag des Düngevereins VFuD, der am Donnerstag im Plenarsaal der Kreisverwaltung Prenzlau stattgefunden hat, Klartext geredet. Viele Landwirte und landwirtschaftliche Experten ließen ihren Unmut freien Lauf. Die neuen Düngevorgaben seien viel zu pauschal und müssten auf die jeweiligen Bodenverhältnisse und klimatischen Bedingungen angepasst werden. So wurde das Düngen künftig deutlich schwieriger und aufwendiger. Die von der EU angemahnte zu hohe Nitratbelastung im Grundwasser ist beispielsweise gar kein Thema in Brandenburg, so Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes. Er plädiert für eine Binnendifferenzierung.

Brandenburg steht gut da

Insgesamt 2,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Brandenburg seien gefährdete Bereiche. Im Umkehrschluss sind demnach also fast 98 Prozent nicht nitratbelastet. Die Landwirte sollten in ihren Dörfern proaktiv kommunizieren, dass das Wasser bestens sei, trotz landwirtschaftlicher Nutzung, so Wendorff. Dass die Branche pauschal an den Pranger gestellt werde, müsse aufhören. Dass Brandenburg in Sachen Nitratbelastung gut dastehe, bestätigt auch Petra Bodenstein vom Brandenburgischen Landwirtschaftsministerium. Da es kaum intensive Tierhaltung in Brandenburg gebe und auch der Anteil der Öko-Betriebe vergleichsweise hoch sei, gelange wenig Nitrat in den Boden.

In der öffentlichen Debatte werde immer wieder der Konflikt zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft in den Fokus gerückt und dabei der Öko-Landbau als Allheilmittel dargestellt. Dass dies aber keinesfalls so ist, betont Bernd Dohmen, Professor an der Hochschule Anhalt. Er rechnete in seinem Vortrag vor, dass eine weitere Zunahme der ökologischen Landwirtschaft die Ernährungsprobleme der Welt verschärfen würde. Beim Öko-Landbau lägen die Erntemenge im Durchschnitt bei weniger als die Hälfte. Würde sich Deutschland und Europa von der konventionellen Landwirtschaft verabschieden, würde sich also die Erträge halbieren. Dann wäre die EU nicht mehr Nahrungsmittelexporteur, sondern müsste Getreide vom Weltmarkt importieren.  Wenn das reiche Europa die Ernten aus Russland und den USA aufkaufe,  würde die Lebensmittelversorgung in anderen Ländern massiv verschärft werden, ist der Agrarwissenschaftler Dohmen überzeugt. "Der Öko-Landbau ist eine Nische und sollte es auch bleiben."

Dohmen setzt dagegen in der Landwirtschaft auf Innovationen: Durch mehr Präzision beim Düngen könnten die Erträge gesteigert werden. Eine Steigerung der Flächenproduktivität sei seiner Ansicht nach unumgänglich, um die wachsende Weltbevölkerung künftig ernähren zu können.

Zu viel Öko-Landbau hat Folgen

Eine große Rolle spiele dabei die Düngung. Die sei notwendig, um langfristig die Ernte zu sichern. "Düngung ist Pflanzenernährung und die ernähren uns Menschen", bringt es Bernd Dohmen auf den Punkt. Das Düngen zu verdammen sei ein Irrweg. Die Debatte wieder auf fachlicher Ebene zu führen, fordert Bauernchef Wendorff. "Die gute fachliche Praxis durch Ordnungsrecht zu ersetzen", sei falsch.

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