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Corona-Krise
Pflegekräfte im Awo-Seniorenheim in Angermünde erleichtern Senioren die Pandemie

Daniela Windolff / 26.03.2020, 20:11 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 08:00
Angermünde (MOZ) Beim Waschen helfen, Essen bringen, Verbände wechseln, Insulin spritzen, Dokumentationen schreiben ... Das ist alltägliche Arbeit für die Mitarbeiter der häuslichen Krankenpflege der Volkssolidarität.

Alle Fäden laufen bei Schwester Birgit in der Sozialstation zusammen. Die Pflegedienstleiterin Birgit Haan koordiniert und plant alle Touren, sorgt dafür, dass die Mitarbeiter mit allen notwendigen Materialien zur Versorgung der Pflegebedürftigen ausgestattet sind und Vertretungen im Krankheitsfall abgesichert werden. Nebenbei erarbeitet sie derzeit jedoch auch Notfallpläne.  Für den Fall, der hoffentlich nicht eintritt, dass Klienten sich mit Corona infizieren, dass viele Mitarbeiter ihres Teams in Quarantäne müssen oder selbst erkranken.

Angehörige helfen den Pflegern

"Wie viele Kollegen sind das Minimum, um die allernotwendigste Betreuung unserer Klienten sicherstellen zu können? Welche Arbeiten können vorübergehend reduziert werden? Reicht zum Beispiel auch mal waschen statt duschen oder muss die Wohnung wirklich dann wöchentlich gereinigt werden?", erklärt Birgit Haan. Hauptaugenmerk habe in so einem Notfall die lebensnotwendige Versorgung,  wie Medikamente und Insulin verabreichen, Verbände wechseln, Essensversorgung, Grundhygiene. Der Spaziergang muss dann wohl ausfallen. "Wir haben auch mit Angehörigen gesprochen, wie sie uns unterstützen und welche Arbeiten sie übernehmen könnten, und stoßen auf viel Verständnis."

Noch größeres Augenmerk als ohnehin schon in der häuslichen Krankenpflege wird in dieser Zeit auf Infektionsschutz gelegt. Doch die Reserven an Desinfektionsmitteln gehen langsam zur Neige, Mundschutz steht nicht ausreichend zur Verfügung, auch wenn der noch nicht bei jedem Besuch erforderlich ist. "Viele unserer Klienten sind sehr verunsichert. Wir versuchen zu beruhigen und zu erklären, warum sie gerade besser zu Hause bleiben oder die Enkel nicht kommen sollten und vermitteln Vertrauen, dass wir auf jeden Fall weiter für sie da sind",  betont Birgit Haan, sorgt sich aber auch, dass die Verein-samung alter Menschen jetzt zunimmt.

Strenges Besuchsverbot, keinerlei Gemeinschaftsveranstaltungen, kein Friseurbesuch, keine Physiotheapie, das macht auch viele Bewohner in den Seniorenheimen einsamer. Im evangelischen "Haus Abendfrieden" versucht das Pflegeteam um Gabi Schulz dafür um so individueller auf die alten Menschen einzugehen, Telefongespräche mit Angehörigen zu vermitteln und Spaziergänge zu unternehmen. Die Außentür sei zwar verschlossen, doch die Bewohner können jederzeit durch den Garten das Haus verlassen, versichert Gabi Schulz. "Da mein Bürofenster ebenerdig ist, klopfen Besucher oft einfach an mein Fenster, um etwas abzugeben oder Grüße zu bestellen." Auf gemeinsame Mahlzeiten wird nicht verzichtet, dafür wurden die Tische auf Abstand auseinandergerückt. Und die Andachten finden jetzt individuell in ganz kleinen Gruppen statt, wo vorgelesen oder gesungen wird.

Lachen zu verschenken

Im Awo-Seniorenheim am Stadtwall in der Jägerstraße versuchen die Pflegekräfte ebenfalls ihre Bewohner bei Laune zu halten. Der kleine Plausch auf dem Flur oder beim Pflegen, der Scherz im Vorübergehen, ein tröstendes Wort gegen die Traurigkeit, wenn Besuch ausbleibt, sind ebenso Balsam für die Seele wie kleine Spaziergänge, die auch Angehörige nach Anmeldung unternehmen dürfen, oder der Besuch der Tageshelden.

Nach dem Vorbild der Krankenhäuser gibt es seit Kurzem bei der Awo auch speziell geschulte Pflegekräfte, die als lustiger Clown Lachen verschenken. "Wir können die Situation nicht verhindern, aber wir können alles versuchen, damit die Stimmung gut ist und hoffentlich alle gesund bleiben, Bewohner und Mitarbeiter", sagt Heimleiterin Diana Gnorski zuversichtlich.

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