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Protestbrief
Kino Templin verlangt Sofortöffnung

Leere Stühle im großen Saal: Das Stadtparlament darf hier tagen, Kinobesucher müssen aber weiter warten. Dabei könnte das MKC 62 Besucher auf 400 Quadratmetern unter Corona-Bedingungen einlassen.
Leere Stühle im großen Saal: Das Stadtparlament darf hier tagen, Kinobesucher müssen aber weiter warten. Dabei könnte das MKC 62 Besucher auf 400 Quadratmetern unter Corona-Bedingungen einlassen. © Foto: Katrin Schneider
Oliver Schwers / 15.05.2020, 19:27 Uhr
Templin (MOZ) Die Kino-Macher haben alles versucht: Sie haben ein Hygienekonzept erarbeitet, einen Antrag beim Landkreis auf Sofortöffnung gestellt. Sie garantieren Mindestabstände, kontaktlosen Ticketverkauf. Nach wochenlanger Schließung ihres Hauses würden sie alles tun, um wieder Filme zeigen zu können. Doch es gibt nicht einmal einen belastbaren Termin für einen Neustart. "Dabei können wir die Corona-Bedingungen viel besser einhalten als jedes Fitnessstudio oder jedes Restaurant", ärgert sich Kathrin Bohm-Berg, Chefin des Multikulturellen Centrums Templin (MKC).

Seit 16. März steht der top-sanierte und auf neuesten Stand gebrachte Saal leer. Demnächst will hier die Stadtverordnetenversammlung unter Corona-Bedingungen tagen. Kino aber ist untersagt. Nicht einmal das mobile Kino Uckermark, das über Land tourt und an ungewöhnlichsten Orten Filme aufführt, kann starten, wenn nicht bald eine Entscheidung getroffen wird. Ende Mai soll die transportable Leinwand auf Reisen gehen. Zu den Abenden kommen durchschnittlich 100 Besucher. Und Platz ist in den unendlichen Weiten der Uckermark vorhanden. Deshalb will das MKC noch keinen Termin absagen. Die Zeit drängt. Alles hängt in der Luft.

Kathrin Bohm-Berg hat für ihre Kulturmacher Kurzarbeit beantragen müssen. Für ihre Einrichtung rechnet sie jetzt schon mit einem Umsatzausfall von 50 Prozent. Wenn bis September nichts geschieht, macht sich der Einnahmeverlust drastisch bemerkbar.

In einem Brief an Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle bittet sie um Gehör für tragfähige Corona-Konzepte in Kinos. "Die Kinowirtschaft ist von der Filmwirtschaft abhängig, für keinen Filmverleih ist ein Filmstart allein in einem oder zwei Bundesländern darstellbar. Nur bei einer bundesweit einheitlichen Regelung wird in der Kino- und Filmbranche ein Betrieb wenn auch in gebremster Form wieder sinnvoll und annähernd wirtschaftlich möglich sein."

Jetzt geistert allerorts die Idee der Auto-Kinos umher. Doch sei dadurch der Technik-Markt für dieses Segment leergefegt worden, schildert Kathrin Bohm-Berg. Viel lieber wäre ihr, den 400 Quadratmeter großen Saal zu öffnen, in dem unter strengsten Regeln 62 Leute weit voneinander entfernt sitzen können.

Spitzenpreis gewonnen

Doch ganz frustriert ist die Chefin noch nicht. Denn inmitten der Corona-Schließzeit hat das MKC nun zum wiederholten Male einen Spitzenkinopreis in dieser Woche von Medienboard Berlin-Brandenburg gewonnen. Da-­ran hängen immerhin 30 000 Eu-­ro. "Wir sind ganz happy. Man merkt auch gerade jetzt, was Kino kann. Es ist ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Hier erleben Menschen in viel feierlicherer Form als daheim die Aufführung eines Films. Das kann auch das Streaming nicht erreichen." Aber Kino ist nicht alles im Templiner Kulturtempel. "Die Welt steht Kopf und das MKC steigt aufs Dach" lautet die Anti-Corona-Idee im Veranstaltungsbereich.

Die Musiker spielen auf dem Vordach, eine begrenzte Anzahl von Zuschauern sitzt – über das gesamte Außengelände verteilt –, um so den Mindestabstand mühelos einzuhalten. "Wir brauchen jetzt kleinere Formate", ist Kathrin Bohm-Berg überzeugt.

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