Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tierpark ohne Vertrag
Angermünder Tierpark lebt von der Hand in den Mund

In Warteposition: Der Nasenbär döst im Angermünder Tierpark träge vor sich hin. Weniger gelassen warten Tierparkbetreiber und Stadtverordnete auf einen zukunftsweisenden Investitionsplan und Vertrag für den Tierpark.
In Warteposition: Der Nasenbär döst im Angermünder Tierpark träge vor sich hin. Weniger gelassen warten Tierparkbetreiber und Stadtverordnete auf einen zukunftsweisenden Investitionsplan und Vertrag für den Tierpark. © Foto: Oliver Voigt
Daniela Windolff / 23.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 23.05.2020, 14:02
Angermünde (MOZ) Marode Ställe, veraltete Gehege, hohe Energiekosten – die Bestandsanalyse im Angermünder Tierpark offenbart einen besorgniserregenden Investitionsstau. Schon vor zwei Jahren wandte sich Tierparkbetreiber Dennis Sonnenberg mit einem Hilferuf an die Stadt als Eigentümer. Damals drohte das Finanzierungskonzept durch  die Einführung des Mindestlohns, strengere Tierschutzvorschriften und Wegfall geförderter Arbeitskräfte zusammenzubrechen.

Mehr Geld von der Stadt

Der jährliche Zuschuss der Stadt von 180 000 Euro im Jahr deckte nicht einmal mehr die laufenden Kosten für Personal, Futter und Energie. Für Instandhaltung oder gar Modernisierung der Anlagen im Park blieb kein Cent übrig. Geschweige denn für die Umsetzung von Ideen zur Entwicklung des Tierparks, der bereits 2014 aus kommunaler Trägerschaft an den privaten Betreiber Dennis Sonnenberg mit einer Vertragslaufzeit bis 2018 übertragen wurde. Auf einen neuen Vertrag, der den aktuellen Entwicklungen Rechnung trägt und Planungssicherheit für die nächsten vier Jahre bietet, auf einen Investitionsplan, der die schrittweise Umsetzung seiner Vorschläge eines Tierparkentwicklungskonzeptes ermöglicht, wartet Dennis Sonnenberg seit 2018. Und nicht nur er, auch die Angermünder Stadtverordnetenversammlung, denn die hatte auf Antrag der Fraktion der Linken im November 2018 mit großer Mehrheit einen Beschluss zur Zukunftssicherung des Tierparks gefasst. Darin geht es einerseits um die Erhöhung des jährlichen Zuschusses auf 213 000 Euro und einen monatlich anteiligen Zahlungsmodus, der die Liquidität des Betreibers sichert. Seit 2019 bekommt der Tierpark nun den höheren Zuschuss.

Doch der SVV-Beschluss beinhaltet auch einen Investitionsplan für den Tierpark sowie eine inhaltlich neu ausgestaltete vertragliche Regelung mit den Betreiber. "Darauf warten wir bis heute. Seit 2018 ist nichts passiert", kritisiert Heiko Poppe, Fraktionsvorsitzender der Linken. "Im Budget des Tierparks sind 2500 Euro im Jahr für Instandhaltung eingeplant. Damit kann man keinen Tierpark entwickeln", so Poppe. "Wir haben im vergangenen Jahr mit dem Haushalt beschlossen, einen Traktor für den Tierpark anzuschaffen. Der ist noch nicht da. Wir haben im vergangenen Jahr auch beschlossen, dass ein Wirtschaftsprüfer prüft, ob der Zuschuss ausreichend ist. Das ist bis jetzt nicht passiert", mahnt Heiko Poppe und macht nun Druck.

Unterstützt wird er darin vom SVV-Vorsitzenden Wolfgang Krakow, besonders nachdem dieser Ende April erfahren hatte, dass eine von der Stadt an die Kommunale Gebäudemanagement-Gesellschaft in Auftrag gegebene Bestandsanalyse des Tierparks bereits seit November beim Bürgermeister vorliegt. Ohne Kenntnis der Abgeordneten.

Beratung am 3. Juni

Inzwischen wurde das 46 Seiten starke Papier an die Fraktionsvorsitzenden ausgehändigt. "Die Untersuchung lag fünf Monate lang in der Schublade. Das ist nicht hinnehmbar und lässt die Vermutung zu, dass der Tierpark für die Stadtverwaltung offenbar wenig Bedeutung hat", kritisiert Heiko Poppe, der sich seit Jahren für den Erhalt und die Entwicklung des Tierparks stark macht. "Das Aussitzen der Beschlüsse durch die Verwaltung behindert die Entwicklung des Tierparks bis heute." Am 3. Juni, noch vor der SVV, wollen sich die Fraktionsvorsitzenden mit der Bestandsanalyse zum Tierpark beschäftigen. Es geht um ein Grundsatzbekenntnis zum Tierpark.

Aus dem SVV-Beschluss110/2018 zum Tierpark

Die Verwaltung wird beauftragt: Das bestehende Konzept aus dem Jahr 2014 und die seit Juni 2018 vorliegenden Vorschläge des Betreibers für die Entwicklung des Tierparks werden zu einem verbindlichen Investitionsplan weiter entwickelt und damit ein Vorlauf über die Vertragslaufzeit hinaus geschaffen. Die vorliegenden Verträge mit dem Betreiber werden inhaltlich neu verhandelt mit dem Ziel, bekannte Unzulänglichkeiten ... zu beseitigen und eine ... gemeinsame Basis für die zukünftige Arbeit zu schaffen. Die Ergebnisse ... werden der SVV spätestens zur ersten Sitzungsfolge 2019 ... zur Beschlussfassung vorgelegt. ⇥ dw

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG