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Sitzung
Erster Uckermark-Kreistag am Telefon spart bares Geld

Michael Dietrich / 17.07.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 17.07.2020, 14:30
Prenzlau (MOZ) Außer ein paar Szenen zum Schmunzeln lief der erste Telefonkreistag der Uckermark wie am Schnürchen. Vor der ungewohnten Kulisse leerer Stühle im Plenarsaal folgten nur wenige Zuhörer der Telefonkonferenz, die über die Lautsprecher im Saal eingespielt wurde. Erst gab es Pausenmusik, dann eine Computerstimme, die sagte: "Der Sitzungsleiter ist noch nicht angemeldet". Schließlich aber wählten sich 34 der 50 Kreistagsmitglieder erfolgreich in die Schalte ein. Die Premiere der Strippensitzung verlief ohne Panne oder Störung, diszipliniert und schnell. Nach 29 Minuten war der Beschluss gefasst, die Sitzung vorbei.

Zufrieden geht Kreistagschef Wolfgang Banditt nach einer Stunde aus seinem Büro: "Hat hervorragend geklappt! Die Sache kann ich mir auch künftig vorstellen, wenn es nur wenige Punkte gibt, die dringend zu beschließen sind." Der 63-Jährige winkt ab, als er gefragt wird, ob er gut mit der Technik klar gekommen sei. "Seit Corona musste ich schon mehrere Telefonkonferenzen leiten, Kuratorium, in der Kirche und im Betrieb, das ist fast schon Routine", sagt Wolfgang Banditt.

Die Uckermark hat mit ihrem ersten Telefonkreistag nicht nur den Mitgliedern des Kreistages Zeit und Geld gespart, sondern auch dem Kreishaushalt. Abgeordnete wie Mike Bischoff (SPD) oder Hans-Otto Gerlach (CDU) konnten daheim in Schwedt beziehungsweise Berkholz-Meyenburg bleiben und trotzdem mit darüber abstimmen, dass die Taxifahrer endlich höhere Beförderungstarife bekommen. Eine halbe Stunde am Telefon sparten Weg, Zeit und Geld für die Fahrt nach Prenzlau. Gleichzeitig sparte der Kreis die Anmietung der Uckerseehalle der Stadt Prenzlau, die mit 1800 Euro zu Buche geschlagen hätte. So wie im Juni hätte der Kreistag zur Einhaltung der Corona-Abstandsregeln nicht im eigenen Plenarsaal tagen können, sondern in die deutlich größeren Sporthalle umziehen und dafür zahlen müssen.

Ein bisschen fühlte man sich bei der Sitzung an die frühere Werbung der Post an den Telefonzellen erinnert. "Fasse  Dich kurz", prangte in Zeiten vor der Erfindung von Handys an den öffentlichen Münzfernsprechern. Ähnlich klang die Bitte Banditts an die Teilnehmer, sich bei Redebeiträgen besonders kurz zu fassen, da die Telefonkonferenz   mit fortschreitender Dauer teurer werde. Da die Sitzung nicht mal eine Stunde dauerte, spielten die fünf Euro, die jede weitere Minute gekostet hätte, jedoch gar keine Rolle.

Schaltkonferenz nur in Notfällen

Diese telefonische Form des Kreistages scheint verlockend, da sie kurz und bündig Beschlüsse ermöglicht und dafür der Aufwand verhältnismäßig gering ist. Das kann man sich auch vorstellen, wenn es in der Uckermark stark stürmt oder schneit, beziehungsweise, wenn wegen eines dringlichen Beschlusses ein Sonderkreistag mit nur diesem Tagesordnungspunkt ansteht. Telefon-, Video-Sitzungen oder Beschlüsse im Umlaufverfahren sind aber nicht immer möglich. Das Land hat dafür eine Verordnung zur Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit kommunaler Organe in der außergewöhnlichen Notlage der Corona-Pandemie beschlossen. Die Verordnung regelt, dass Sitzungen bis zum 30. September 2020 auch im Freien, in Video- oder Audio-Schaltungen möglich sind.

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