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Annette Clauß organisiert seit 16 Jahren Vereinsarbeit im Theater Stolperdraht / Seit gestern ist die 47-Jährige neue Integrationsbeauftragte

Mit dem Tanzen groß geworden

Spaß an der Arbeit mit Kindern: Annette Clauß leitet das Kinder- und Jugendtheater Stolperdraht. Selber steht sie heute nicht mehr auf der Bühne, sondern koordiniert die Auftritte, führt Regie und organisiert den gesamten Betrieb.
Spaß an der Arbeit mit Kindern: Annette Clauß leitet das Kinder- und Jugendtheater Stolperdraht. Selber steht sie heute nicht mehr auf der Bühne, sondern koordiniert die Auftritte, führt Regie und organisiert den gesamten Betrieb. © Foto: MOZ
Lina Hatscher / 09.09.2011, 07:17 Uhr
Schwedt (MOZ) Nach Lehre und Studium im Bereich Papiertechnik machte Annette Clauß ihr Hobby, das Tanzen, zum Beruf. 1995 fing sie im Theater Stolperdraht an und organisiert seitdem die Arbeit der verschiedenen Laienensembles. Außerdem ist die 47-Jährige seit 2008 Stadtverordnete und seit Donnerstag Integrationsbeauftragte.

Gerade ist das Bühnenbild im großen Saal des Kosmonaut für das aktuelle Stück des Jugendensembles fertig geworden. Ein schwenkbares Element, mit weißem Stoff bespannt, stellt eine Arztpraxis dar. Der Premiere des Theaterkrimis um den verbrecherischen Arzt Dr. Deiwel am 23. September fiebert Annette Clauß zusammen mit den jungen Schauspielern und vielen Helfern entgegen. Sie ist die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Stolperdraht mit Sitz im Vereinshaus „Kosmonaut“. Seit 16 Jahren ist sie für die Geschicke im Amateurtheater zuständig – und mit ganzem Herzen dabei. „Wir sind ein tolles Team“, betont Annette Clauß. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen bedeutet ihr viel. „Wenn die Kinder zum ersten Mal ein Lied komplett proben, bekomme ich eine Gänsehaut – das sind ganz tolle Momente.“

Es gehört viel dazu, den Theaterbetrieb mit den rund 70 Vereinsmitgliedern aufrechtzuerhalten. Die Laienschauspieler sind in vier verschiedenen Gruppen organisiert: im Kinder- und im Jugendensemble, der Tanzgruppe und dem Karnevalsklub Primania. Als Annette Clauß zu DDR-Zeiten ihre Ausbildung zur Anlagentechnikerin in der alten Papierfabrik begonnen hatte, wies noch nichts auf eine mögliche Karriere im Theater hin. Zwar stand die Schwedterin schon früh auf der Bühne, weil sie mit dem Tanzen groß geworden ist.

Nach der Ausbildung begann Annette Clauß in Dresden Papiertechnik zu studieren. Während des Studiums kam keine Langeweile auf, da ihre Tochter bekam, das älteste ihrer drei Kinder. „In Dresden habe ich im Ensemble der Universität getanzt.“ Mit ihrer Tochter und dem Diplom in der Tasche, ging sie zurück nach Schwedt und begann wieder in der Papierfabrik zu arbeiten. Das war im Frühjahr 1989. Im Herbst ist die Umbruchstimmung greifbar gewesen, erinnert sich die 47-Jährige. Dann fiel die Mauer. Annette Claus arbeitet weiter im gleichen Unternehmen, das privatisiert worden war und seitdem Leipa heißt. Doch die Stellen waren nicht sicher. „Schließlich war ich wieder schwanger, im August 1990 ist mein Sohn geboren.“ Die junge Mutter machte sich Sorgen, wie es weitergehen sollte. Nach ihrem Jahr Babypause, bekam sie die Kündigung.

„Aber weg zu gehen aus Schwedt, war immer die letzte Option“, erinnert sich Annette Clauß. Sie absolvierte eine weitere Ausbildung zur Betriebswirtin. „Wir waren jung und wollten neu anfangen.“ Die Arbeitssuche war schwierig, erinnert sich die 47-Jährige. Schließlich machte sie ihr Arbeitsvermittler 1995 auf die Stelle im Kinder- und Jugendtheater aufmerksam. Die Papiertechnikerin und Betriebswirtin bekam den Job – zunächst begrenzt auf ein Jahr.

„Ich habe einfach losgelegt und es hat mir von Anfang an sehr viel Spaß gemacht“, sagt Annette Clauß. Schließlich konnte der Theaterbetrieb über ein Förderprogramm für Jugendarbeit in Brandenburg gesichert werden. Heute beteiligen sich das Land, der Landkreis, die Stadt Schwedt, die Sparkasse und die Mitglieder mit ihren Beiträgen und ihrem unermüdlichen Engagement an der Aufrechterhaltung des Projekts Jugendtheater Stolperdraht, das feste Wurzeln in Schwedt geschlagen hat. „Wir bekommen sehr viel Unterstützung von den Uckermärkischen Bühnen. Der Regisseur und Stückeschreiber Lothar Falkenberg ist Vorsitzender des Vereins und Uwe Schmiedel hilft bei der Regie“, erklärt Annette Clauß. Außerdem konnten die Jungschauspieler auf der Bühne der Profis auftreten, nachdem das Vereinshaus Kosmonaut 2009 zum zweiten Mal innerhalb von nur acht Jahren durch einen Brand stark beschädigt worden war.

„Es war mir immer wichtig, dass die jungen Leute gern zu den Treffen kommen und mit der Zeit auch Verantwortung innerhalb der Gruppe übernehmen“, sagt Annette Clauß. Aber sie wollte sich weiterentwickeln und mehr über Theatergeschichte und Regieführung lernen. Deshalb begann sie im Jahr 1999 beim Bundesverband der Amateurtheater eine Fortbildung zur Regisseurin. Außerdem ist Annette Clauß seit 2008 Stadtverordnete der SPD. „Ich wollte noch einmal etwas ganz anderes machen“, erklärt die 47-Jährige ihr politisches Engagement. Seit Donnerstag ist sie die neue ehrenamtliche Integrationsbeauftragte der Stadt Schwedt.

Für das Privatleben müsse man sich Freiräume schaffen, ist Annette Clauß überzeugt. „Langeweile hatte ich noch nie.“ Zeit mit ihren drei Kindern zu verbringen, ist der 47-Jährigen sehr wichtig. „Mein jüngster Sohn ist zwölf Jahre alt.“ Entspannung findet sie im Garten. „Bei der Arbeit mit den Pflanzen oder in der Hängematte mit einem spannenden Buch kann ich gut abschalten.“

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Stolperdraht Annette Clauß Papiertechnik Lothar Falkenberg Integrationsbeauftragte

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ehrenamtlicher des 1. AM 12.09.2011 - 16:53:32

@ UDO STRUUTZ

jetzt wissen wir ja alle, warum sich zu ostzeiten planmäßig 99,9 % der arbeitenden bevölkerung des ersten arbeitsplatzplanes ehrenamtlich engagieren konnten.

Udo Struutz 11.09.2011 - 00:37:49

Schmunzel

@ Mustermann Herr Sarrazin hat neulich ihre Frage über die welt.de erklärt! Ehrenamtlich sollten Sie nur arbeiten wenn sie einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt besitzen und trotzdem unausgelastet sein sollten! Sie werden niemand vom ersten Arbeitsmarkt finden der für lau arbeitet! Vermutlich werden es vereinzelte Menschen unterstützen so wie gut finden wenn Sie ehrenamtlich tätig werden! Ab dem mittleren Management wird man sie für "bekloppt" halten! Als bestest Beispiel sind unsere Politiker anzuführen welche ohne Honorar keinen Handschlag oder Eigennutz tun! Ich hoffe ihre Frage beantwortet zu haben!

MUSTERMANN 10.09.2011 - 14:11:44

KOHLE; KOHLE, KOHLE...

kann man in diesem verein auch ehrenamtlich mitarbeiten oder muß man unbedingt geld nehmen. und wo kann man, wenn eine stelle frei ist, sich bewerben( ich habe auch andere hobby´s als das unentgeldliche schreiben mit herzblut ). ich könnte auch aus tagebüchern vorlesen und andere geschichten erzählen. ist der arbeitgeber die stadt, das theater oder der verein? wäre über jede info dankbar. FRIEDE

Leser 10.09.2011 - 09:21:58

@Schwe67

Tya, lieber Herr Schwe67. So ist das heut´zu´tage... Aber wenn doch mal unsere Landes- und Bundestagspolitiker so einen guten Draht und viel Vitamin B hätten... Dann gäb´s schon die ICE-Trasse nach Stettin;-) *grins*

Schwe67 09.09.2011 - 16:11:02

Natürlich schafft man das bis zur Rente wenn

man in der SVV sitzt und die entsprechenden Leute kennt und mit Zustimmung, sprich Ja-Sagen, verwöhnt.

habeaucheinhobby 09.09.2011 - 15:52:52

"STELLE" im Kinder- und Jugendtheater?

Habe drei Fragen. Welcher verein mit 70 Mitgliedern ist denn in dem Artikel gemeint? Wie heißt denn der Arbeitgeber, bei dem man sich um eine "Stelle" bewerben kann? Schafft man es auf solch einem Arbeitsplatz bis zur Rente?

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