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Ackerpreise auf Rekordniveau

Gelbes-grünes Land: Die Uckermark ist ein Landwirtschaftskreis. Um den Boden tobt der Konkurrenzkampf
Gelbes-grünes Land: Die Uckermark ist ein Landwirtschaftskreis. Um den Boden tobt der Konkurrenzkampf © Foto: MOZ/Oliver Schwers
Oliver Schwers / 21.05.2017, 06:36 Uhr
Angermünde/Schwedt (MOZ) Bauern schütteln den Kopf: Wieder sind die Ackerpreise in der Uckermark rapide gestiegen. Rund um Angermünde schnellte im vergangenen Jahr der Preis um 19 Prozent in die Höhe. Spitzenwert: 37700 Euro pro Hektar für eine Fläche bei Wolfshagen.

Der Kampf um Acker, Wald und Grünland ist noch lange nicht zu Ende. In Zeiten niedrigster Zinsen legen nicht nur Bauern ihr Kapital in Grund und Boden an, sondern auch Investoren aus der Industrie. Doch die noch verkäuflichen Flächen werden knapper. Im vergangenen Jahr gingen 438 Verträge über den Tisch der Notare. 2012 waren es noch fast doppelt so viele. Insgesamt wechselten 2268 Hektar an land- und forstwirtschaftlichen Flächen den Eigentümer - die niedrigste Zahl seit Jahren.

Nur beim Preis geht die Kurve weiter steil nach oben. Das sinkende Angebot beflügelt Agrarbetriebe und Kapitalanleger, sich gegenseitig zu überbieten. Allein im Altkreis Angermünde schnellte der Quadratmeterpreis beim Ackerland innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 19 Prozent nach oben. Je nach Bodenqualität zahlen die Käufer hier zwischen 11000 und 29000 Euro pro Hektar. Das hat soeben der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Landkreis ermittelt, der alle Verträge sichtet. Der Durchschnitt liegt aktuell bei 19000 Euro. Bei besseren Böden rund um Prenzlau müssen Käufer mittlerweile durchschnittlich 24100 Euro pro Hektar hinlegen. Einst von den Bauern als exorbitant bezeichnete Erlöse von über 30000 Euro sind heute überhaupt keine Seltenheit mehr.

Es handelt sich dabei auch nicht um Splitterflächen oder um dringend benötigte Stücke zur Ergänzung der eigenen Felder. Vielmehr machen Losgrößen zwischen 5 und 20 Hektar den höchsten Anteil aus. Insgesamt gingen beim Verkauf von Acker, Wald und Wiesen im vergangenen Jahr mehr als 36Millionen Euro über den Tisch.

Niemand wagt eine Prognose, wie hoch die Werte noch schießen. Experten gehen davon aus, dass sich nach dem Wechsel der noch auf dem Markt befindlichen Flächen der Preis wieder normalisiert. Indiz dafür könnte der Grünlandpreis sein. Hier ist das Angebot so zurückgegangen, dass nur noch 125Hektar zum Verkauf standen. Im Raum Angermünde wie auch in der Region um Templin fielen die Erlöse. Nur im Altkreis Prenzlau legten sie noch einmal um 36 Prozent zu

Der Bauernverband Uckermark sowie die seit vielen Jahren ortsansässigen Betriebe beklagen die enorme Preisspirale bei Acker. Ein Kauf zu solchen Konditionen sei kaum noch ökonomisch und selbst langfristig durch die Ernteerträge nicht zu erwirtschaften. Wohl dem, der in den 1990er-Jahren seinen Boden kaufte. Damals musste ein Bauer nur einen Bruchteil heutiger Forderungen bezahlen.

Agrarbetriebe und Bauernhöfe, die vorwiegend Pachtland bewirtschaften, müssen ebenso tiefer in die Tasche greifen. Denn der Konkurrenzkampf um Grund und Boden bewirkt auch hier einen Anstieg der Pachten, weil die Eigentümer von der Entwicklung profitieren wollen. Hinzu kommen Forderungen der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), die nach Ablauf von langfristigen Verträgen höhere Pachten verlangt, an denen sich dann auch Privateigentümer orientieren.

Die hohe Nachfrage nach Acker, Wald und Grünland führt gerade in der Uckermark zu einer skurrilen Situation: Quadratmeterpreise für land- und forstwirtschaftliche Flächen erreichen bereits Baulandniveau. In vielen Dörfern des dünn besiedelten Landkreises beginnen sogar die amtlich ermittelten Bodenrichtwerte für Wohnbauland schon bei drei Euro. Auf dem Lande besteht ein Überangebot, vor allem bei bebauten älteren Grundstücken.

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