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Bürger erzürnt über Pläne zum Streckenausbau Angermünde - Stettin

Auf dem Abstellgleis

Am Bahnhof Tantow: Das Signal steht auf rot. Der seit vielen Jahren erhoffte zweigleisige Ausbau der Strecke Angermünde-Tantow-Stettin soll nicht kommen. Alles hängt an dem 30 Kilometer langen Abschnitt zwischen Passow und Staatsgrenze
Am Bahnhof Tantow: Das Signal steht auf rot. Der seit vielen Jahren erhoffte zweigleisige Ausbau der Strecke Angermünde-Tantow-Stettin soll nicht kommen. Alles hängt an dem 30 Kilometer langen Abschnitt zwischen Passow und Staatsgrenze © Foto: MOZ/Eva-Martina Weyer
Eva-Martina Weyer / 11.08.2017, 06:51 Uhr - Aktualisiert 11.08.2017, 11:19
Tantow (MOZ) Die Deutsche Bahn will ab Herbst 2020 die Strecke Angermünde -Tantow bis zur Staatsgrenze für Tempo 160 ausbauen. Projektverantwortliche haben die Pläne vorgestellt. Von dem in der Uckermark lang ersehnten zweigleisigen Ausbau der Strecke ist keine Rede mehr. Die Zuhörer sind wütend.

Mit so einem Sturm der Empörung hatten die Bahnfachleute nicht gerechnet. Als sie am Mittwochabend in Tantow die Pläne zur Streckenelektrifizierung vorstellten, gab es nicht eine einzige Zustimmung von den Zuhörern. "Wir haben nicht erwartet, dass die Strecke ihren eingleisigen Zustand behalten soll", fasste Gemeindevertreter Tino Kisicki aus Casekow das Entsetzen der Anwesenden zusammen. Nicht nur Gemeindevertreter aus der Region und interessierte Bürger sogar aus Schwedt waren gekommen, sondern auch Einwohner aus Nachbargemeinden in Mecklenburg-Vorpommern.

Für 300 Millionen Euro will die Bahn unter teilweiser Vollsperrung eine durchgehende Elektrifizierung auf der Achse Angermünde - Stettin schaffen. Die Reisezeit soll sich auf rund 90 Minuten (derzeit 135) verkürzen, die Streckengeschwindigkeit von 120 auf 160 km/h angehoben werden. Bahnstationen in Passow, Schönow, Casekow und Petershagen sollen erneuert und barrierefrei gemacht werden.

Doch statt des dringend notwendigen zweigleisigen Ausbaus der Strecke soll eine "Begegnungsmöglichkeit" im eingleisigen Bereich in Casekow geschaffen werden. Die Zuhörer durchschauten diese Formulierung sofort und sprachen von einer Stummellösung.

Frank von Oppenkowski ist Planer für das Projekt und erklärte: "Wenn wissenschaftliche Untersuchungen ermitteln, dass der eingleisige Betrieb ausreichend ist, dann ist es doch sinnlos, ihn zweigleisig zu machen." Das brachte die Leute auf die Palme. Wie alt sind diese Untersuchungen? Von welchen Zahlen gehen Sie aus?, wollten sie wissen und erhielten Antworten, die sie nicht zufrieden stellten. Prognosen zu Zugzahlen wichen in ihrer Darstellung sogar voneinander ab. Heino Schönemann aus Tantow empörte sich: "Ich wohne nahe am Bahnhof und sehe, wie voll die Züge sind. Hier hat sich in den letzten Jahren was entwickelt. Fragen Sie nach diesen Zahlen, damit Sie es einmal nur vernünftig machen. Am Ende sind Sie der Sündenbock für Ihre Auftraggeber."

Lutz Naudsch ist bei der DB Netze verantwortlich für Produktionsplanung. Er sagte: "Wir können mit dem Bund nur auf Grundlage der Fahrgastprognose sprechen. Nur das wird ausfinanziert." Die Zuhörer hielten ihm die aktuelle Situation am Bahnhof Stettin vor Augen. Dort sei mit Schwarztaxis und Bussen ein richtig großes Passagieraufkommen. Hans-Eike Krüger aus Schwedt war 29 Jahre Dispatcher im PCK Schwedt, darunter auch im Betriebsbahnhof Stendell: "Diese Schwarztaxis sind in der Prognose nicht enthalten. Die gehören da rein. Das müssen Sie fordern, sonst ist Ihre Arbeit umsonst." Tantows Bürgermeister Andreas Meincke ist der Meinung, der Großraum Berlin - Stettin habe bei guter Infrastruktur beste Aussichten auf steigende Fahrgastzahlen. "Warum geht man nicht auf den Sachverstand der Region ein?"

Die 300 Millionen von jetzt kosteten bei einem späteren zweigleisigen Ausbau doppelt so viel, warnen Zuhörer. Andere befürchten, dass der Zug zum zweigleisigen Ausbau gänzlich abgefahren sein könnte.

Der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann ist seit Jahren ein glühender Verfechter für den zweigleisigen Ausbau. Gotzmann kritisierte: "Wenn die Zielstellung der Bahn falsch ist, dann ist alles, was darauf aufbaut, auch falsch. Sie schaffen einen Engpass, sodass kein sinnvoller Zugverkehr möglich sein wird. Was Sie hier verkaufen, ist ein Rückbau der 1873 zweigleisig gewidmeten Bahnstrecke. Es ist eine Schande, dass die Bahn als Ziel für 2023 eine Fahrzeit von 90 Minuten anstrebt. Diese Zeit wurde schon 1939 gefahren. Die Elektrifizierung ist eine schön verhüllte Mogelpackung. Das wird von der Region nicht mitgetragen."

Tino Kisicki wandte sich an die Bahnmitarbeiter: "Nehmen Sie das mit an Ihre Auftrageber: Wir in der Region brauchen den zweigleisigen Ausbau."

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Armin Rohde 12.08.2017 - 21:19:06

Menschenverstand ist nicht gefragt

Man kann diskutieren wie man will, die Investitionskosten sind enorm! Alles deutsche Steuergelder für sagen wir mal polnische Fahrgäste. Polen sagt macht nur, wenn ihr es auch bezahlt! Wie kann man es unter diesen Bedingungen irgendjemanden Recht machen? Fakt ist, dass diese beiden Ballungszentren zusammen betrachtet werden sollten, und die Uckermark davon profitieren will und muss! Aber wer die Musik bezahlt kann auch die Bedingungen festlegen!

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