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Verkehrsministerin Kathrin Schneider wirbt in Schwedt um Verständnis für Sperrung der B198

Wirtschaft kritisiert lange Bauzeit

Beratung zur B198: Verkehrsministerin Kathrin Schneider (M.) spricht mit Schwedter Wirtschaftsvertretern.
Beratung zur B198: Verkehrsministerin Kathrin Schneider (M.) spricht mit Schwedter Wirtschaftsvertretern. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 14.09.2017, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider hat in Schwedt um Verständnis für die bevorstehende Sperrung der B 198 gebeten. Ab Oktober wird die Straße zur Autobahn ausgebaut und dafür mehr als ein Jahr voll gesperrt. Das sei nicht anders möglich, sagte sie vor Wirtschaftsvertretern.

An den Fakten werde sich nichts ändern lassen, machte die Ministerin unmissverständlich deutlich. Sie hatte ihren Landesbetrieb Straßenwesen im Vorfeld noch einmal prüfen lassen, ob die Straße auch unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung oder in deutlich kürzerer Zeit gebaut werden kann. Beides sei nicht möglich, sagte Kathrin Schneider.

Vertreter des Landesbetriebes listeten stattdessen auf, welche Umleitungsstrecken und wahrscheinlichen Umleitungszeiten während der Bauzeit auf die Verkehrsteilnehmer zukommen. Für die Strecke von 86 Kilometern zwischen Schwedt und dem Berliner Ring am Autobahnkreuz Barnim setzten die Verkehrsexperten eine Zeit von 54 Minuten Fahrtzeit an. Während der Sperrung der B 198 soll die offizielle Umleitung über die L 200 Richtung Eberswalde und L 23 über Britz führen, das sind 12 Kilometer Umweg. Dafür errechnete der Landesbetrieb eine Verlängerung der Fahrzeit um 19 Minuten und erklärte diese für vertretbar. Lkw empfiehlt er den 24-Kilometer-Umweg über die B 166.

Ministerin Schneider erläuterte, dass rechts und links der Straße Schutzgebiet des Biosphärenreservats sei, weshalb aufwändig vor Kopf gebaut werden und sogar Baustoffe auf der Trasse transportiert werden müssten. Auf den zwei Straßenabschnitten, die um eine Überholspur breiter werden sollen, bleibe die Fahrbahn teilweise stehen, teilweise müsse sie abgefräst und der Boden darunter bis zu 1,50 Meter tief ausgetauscht werden. Außerdem sei der Auftrag für knapp fünf Millionen Euro bereits an die Firma Matthäi erteilt. Alles, was man jetzt ändern würde, als etwa die vertraglich vereinbarte Bauzeit bis Dezember 2018, würde eine deutliche Kostensteigerung bewirken.

"Das ist alles nicht schön für die Betroffenen, wir wissen das. Aber wir haben keine andere Lösung", gestand Katrin Schneider ein. Sie warb unter den Wirtschaftsvertretern und Politikern aus Schwedt dafür, das der Ausbau der B 198, den das Land als notwendig betrachte, jetzt nicht zu zerreden. Hintergrund ist, dass der Bau auch gar nicht teurer werden darf. Der Bund hatte das Projekt bereits abgelehnt, weil es einen zu geringen Nutzen im Vergleich zu den Kosten hat. Nur durch eine radikale Kürzung der eigentlichen Ausbaupläne, unter anderem die Reduzierung von fünf vorgesehenen Überholstrecken auf zwei, war das Straßenbauprojekt überhaupt zu retten gewesen.

Die Geschäftsführer mehrerer Firmen übten dennoch deutliche Kritik an der langen Bauzeit für ein paar Kilometer Neubau und äußerten sich nach dem Treffen unzufrieden über das Ergebnis.Wulf Spitzley, Geschäftsführer der PCK, forderte, dass die Vollsperrung deutlich kürzer ausfallen müsse, seine Raffinerie baue ein Vielfaches an Investvolumen in wenigen Wochen. Leipa-Logistik machte auf den hohen wirtschaftlichen Schaden der Umleitung aufmerksam. Das Asklepios-Klinikum hatte in einem Brief an den Ministerpräsidenten sogar den Abbruch des Projektes gefordert, weil sonst Ärzte kündigen würden, die täglich aus Berlin pendeln.

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Hartmut Konipanzki 18.09.2017 - 12:59:25

"Nicht möglich" oder "nicht fähig"?

Frau Minister*in Schneider sollte nicht nur ihre Verwaltungsfachleute konsultieren. Externe Fachexperten sind innovativer, sie finden Lösungen für eine Optimierung der B 198, die nicht mehrere Jahre für 2 x 1,7 km einspurige Straße dauern - und einen größeren Effekt haben. "Alles ist möglich!" sagt man in Japan, diese Einstellung zu Problemen hat man in Deutschland leider nicht mehr! Dabei ist gerade an der B 198 vor ein paar Jahren entsprechend der RSA, Teil C, 2.3.3 praktiziert worden, dass Arbeiten an dieser Straße "im Wechselbetrieb" möglich sind! Damals wurden auf der gesamten Länge von knapp 12 km alle Fahrbahnen neu asphaltiert. Jetzt, wo insgesamt nur auf 3 1/2 km der Verkehr reguliert werden muss, soll das unmöglich sein? (Die RSA, die das regelt,gilt nach wie vor.) Allerdings scheint das nur den mit diesem Projekt betrauten Planern unmöglich zu sein, an anderen Baustellen (auch in der näheren Umgebung) sieht man dass es geht, wenn man will! Die Wirtschaftsmanager in der Uckermark - sie leiten prosperierende Unternehmen in der Region - kritisieren zu Recht diese ideenlose Arbeit der Behörden und die Ignoranz - auch gegenüber Mitgliedern des Bundestages, die sich für diese Maßnahme engagieren - die Bedürfnisse der Bürger und der Industrie in unserer Region bei der Planung von solchen lebenswichtigen Infrastrukturen zu beachten.

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