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Bauunternehmer Ramon Malchow (50) errichtet die russisch-orthodoxe Klosterkirche in Götschendorf

Ein Herz für Beton

Stolz auf die Arbeit seiner Leute: Ramon Malchow hat recherchiert und festgestellt, dass die Konstruktion der Kuppel mit einer Spannbreite von 17 Metern die größte ihrer Art weit und breit ist.
Stolz auf die Arbeit seiner Leute: Ramon Malchow hat recherchiert und festgestellt, dass die Konstruktion der Kuppel mit einer Spannbreite von 17 Metern die größte ihrer Art weit und breit ist. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 02.08.2013, 04:04 Uhr
Götschendorf (MOZ) Er liebt Beton. In allen Varianten. Jetzt hat Unternehmer Ramon Malchow aus dem grauen Werkstoff sogar die Kuppel einer neuen Klosterkirche gebaut. Die frei tragende Konstruktion ist noch nicht fertig, gehört aber bereits zu den größten ihrer Art. Sie steht im uckermärkischen Götschendorf.

Arme so stark wie Oberschenkel. Das Kreuz so breit wie ein Schrank. Hände, die zupacken. Ramon Malchow ist anzusehen, dass er vom Bau kommt. Der 50-Jährige steht vor seiner Baustelle in Götschendorf. Im weißen Shirt gestikuliert er mit weit ausladenden Armbewegungen vor einer frischen Fassade. Was die Hände in Luftbewegungen immer wieder umgreifen wollen, ist etwa 350 Tonnen schwer, halbrund und grau. Und es ist der Stolz des Bauunternehmers, der zwar in seinem Handwerkerleben schon allerhand Sachen durchgemacht hat, aber nun doch vor einer kräftigen Herausforderung stand - die Kuppel der neuen russisch-orthodoxen Klosterkirche von Götschendorf.

"Aufwändig, einzigartig, technisch machbar." Immer wieder tauchen die Vokabeln auf, wenn er von dem Meisterstück erzählt. Welche Baufirma kommt schon in Versuchung, eine komplette Kirche errichten zu dürfen, und das auch noch nach orthodoxer Architekturtradition? Einer der Generalauftragnehmer des seit langem geplanten und größtenteils von Moskau finanzierten Projekts fand das ausgesprochen bescheidene Firmenschild vor dem kleinen Eigenheim im benachbarten Milmersdorf. "Wir waren beide vom Bau, da passte die Chemie", so die schlichte Antwort von Ramon Malchow, der seine Besucher in einem ebenso schlichten Containerbüro auf dem Hofgrundstück empfängt. Zwar lagen zu dem Zeitpunkt nur Architektenpläne vor, doch der uckermärkische Unternehmer zögerte nicht lange und bot seine Spezialität an: Massivbeton. Die Herausforderung dabei: Es muss am Ende ein frei tragendes Kreuzgewölbe herauskommen, also ohne Kirchenpfeiler oder Stahlseile oder sonstige Träger.

Mit Begeisterung führt Ramon Malchow Interessenten auf die Arbeitsbühne der Baustelle. Längst haben seine Handwerker die Wände der Klosterkirche hochgezogen. Zurzeit entsteht die Dachkonstruktion. Der Turm blickt halb fertig in die Landschaft. Der Chef grüßt die Bauleute, wechselt ein paar Worte mit dem Dachdecker. Keine Spur von dem sonst rauen Ton auf deutschen Baustellen. Dann die Kuppel. Sie misst 17 mal 17 Meter und soll nach bisherigen Recherchen der Betonbauer die größte ihrer Art weit und breit sein. Bis zu 60 Zentimeter stark ist sie an einigen Stellen. "Erst wollten meine Leute nicht so recht an die Sache heran", erzählt Ramon Malchow. "Aber dann sind sie mit der Aufgabe gewachsen. Inzwischen wird jeder Schritt mit dem Fotoapparat vom Gerüst des benachbarten Gutshauses dokumentiert."

Seine Leute, das sind immerhin 31 Angestellte. Und das in einem Unternehmen, von dem die meisten Uckermärker wohl kaum etwas gehört haben. "Wir machen ja nur den Beton und treten deshalb nie in Erscheinung", schmunzelt Ramon Malchow mit norddeutscher Zurückhaltung. Wenn Grundsteine gelegt werden, ist noch nichts zu sehen. Und wenn die Einweihung stattfindet, sind die Rohbauer längst von dannen.

Aber warum musste ausgerechnet Beton in die neue Kirche der orthodoxen Mönche? Der moderne Baustoff kann große Spannweiten überbrücken. Das wissen die Architekten und Bauherren. So entsteht ein freier, großer Raum ohne störende Elemente. Wenn die Kreuzgewölbekuppel später mit Fresken bemalt wird, zeigt die Wirkung auf den Betrachter, ob die Rechnung aufgegangen ist.

Den Handwerksmeister interessiert das weniger. Ihn begeistert viel mehr die Konstruktion. Selbst Architekten und Statiker konnten sich erst nicht vorstellen, wie die Firma die Aufgabe meistern wollte. Aus Holz fertigten die Bauleute riesige Bögen für eine Schalung. Darauf nagelten sie dünne Brettchen. Mit 40 Tonnen Eisenstangen entstand das statische Hilfskorsett. Anschließend mussten hunderte Metallstützen die große hineingekippte Betonmasse abfangen. Jetzt streicht Ramon Malchow beinahe zärtlich über das gelungene Ergebnis.

Eigentlich hatte der gebürtige Milmersdorfer einst Auto-Elektro-Mechaniker gelernt, sich dann aber schnell viel mehr für den Bau interessiert. So ging er als Schweißer ins Betonwerk des Ortes. Nach der Wende wurden Schweißer überall gesucht. Doch Ramon Malchow verspürte wie viele andere die Aufbruchstimmung und machte sich 1994 mit drei Leuten und einem Lkw selbstständig. Doch bald hörte die Nachfrage nach reinen Betonbauten auf. In der Baurezession entschied sich der Firmenchef für Kompletthäuser. Also Stein und Beton. Rund zehn Einfamiliengebäude ziehen seine Leute pro Jahr hoch. Spezialität für Berlin: wasserdichte Keller. Aus Beton. Vorsichtigerweise vermietete er in schlechter Zeit seine eigenen Büroräume in Milmersdorf und zog wenige Meter weiter in den weißen Hofcontainer.

Hier plant er in stiller Bescheidenheit die Baustellen. Parkhäuser in Berlin. Fahrstuhlschächte. Riesige Lagerhallen. Ein Blockheizkraftwerk. Bauten am BND, am Schloss Criewen, die Konstruktion der Gedächtniskirche Rosow. "Früher war Beton schwer und dreckig", erinnert er sich an seine Anfangsjahre. "Heute ist auf dem Bau alles sehr technisiert."

Im Winter soll die Kirche im Großen und Ganzen fertig sein. Ramon Malchow hat schon mit den Mönchen gesprochen. Er will ihnen seinen Weihnachtsbaum vorbeibringen.

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Joerg Schneidereit 16.09.2013 - 07:52:34

Glückwunsch zu dieser Leistung

Und hier sieht man mal wieder, zu welchen Leistungen uckermärkische Unternehmer und Handwerker fähig sind. Keine Bedenkenträger, sondern eher Macher, die zuvor prüfen, was auch machbar ist. Prima, das ist nicht nur Reputation für die Uckermark, sondern auch für die dort ansässigen Unternehmer. Und es zeigt eines: Brandenburg nähert sich wieder seiner Offenheit, Toleranz und Traditionen an, die aus dieser Region das gemacht haben was sie ist, nämlich ein lebenswertes Stück Erde für viele willkommene Menschen mit Kraft und Ideen. Es ist daher kein Platz für rechte Schmalgeister, die ein ewig gestriges Deutschland beschwören, das es nie so gegeben hat. In Götschendorf etabliert sich ein Stück Europa. Und das ist gut so und wird allen nützen. Also herzlich willkommen ...

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