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Festhalten an der Kiefer

Oliver Schwers / 18.01.2017, 06:50 Uhr
Templin (MOZ) Große Sorgen über die künftige Versorgung mit Rohstoffen haben Holzbetriebe der Uckermark. Ursachen sind Waldumbau und Naturschutz. Eberswalder Wissenschaftler und das Umweltministerium halten dagegen.

Jedes Jahr rollen bis zu 300 000 Festmeter Holz ins Robeta-Sägewerk nach Milmersdorf. Hinten heraus kommt gefragtes Schnittholz für die Industrie. Der Bedarf ist hoch. Robeta holt seinen Rohstoff - überwiegend Nadelholz - aus den umliegenden Wäldern. Das hält den Preis niedrig und schont die Umwelt.

"Wir blicken mit Sorge in die Zukunft", sagt Geschäftsführer Rainer Benthin. Zwar reiche das Rundholz derzeit noch aus, um das Sägewerk mit seinen 160 Arbeitsplätzen zu sichern. Doch sei die gefragte Kiefer seit der Wende "aus politisch-ideologischen Gründen kaum noch gepflanzt worden". Damit nimmt irgendwann der Bestand an verfügbarem Holz ab. Die Folge wäre ein Import fragwürdiger Herkunft. Außerdem sieht sich die Holzindustrie durch die Unterschutzstellung von Wäldern bedroht. Gerade in der Uckermark ist die Dichte von Großschutzgebieten überdurchschnittlich. Selbst Wälder, die sich nicht in Kernzonen befinden, unterliegen teils eingeschränkter Nutzung. "Klimaschutz erreicht man aber nur durch Waldnutzung", so Rainer Benthin. Auf sandigen und trockenen Böden gebe es keine Alternative zur Kiefer.

"Wald ist Ökologie", bestätigt sein Kollege Erhard Bohm vom Sägewerk Hardenbeck. "Holz als nachwachsender Rohstoff muss immer im Vordergrund stehen." Man dürfe dem Menschen, der damit Geld verdient, nicht die Basis durch Naturschutz entziehen.

Doch die Landesregierung sieht die Sorgen der uckermärkischen Holzindustrie unbegründet. Die Kiefer bleibt Brandenburgs wichtigster Wirtschaftsbaum, versichert Christian Hohm vom Referat Wald und Forstwirtschaft des Umweltministeriums. Sein Minister beteuere, dass keine zusätzlichen Waldflächen mehr stillgelegt werden. Stattdessen fördert das Land den jährlichen Umbau von 1500 Hektar Wald. Zur Verfügung stünden 20 Millionen Euro. Allein in der Uckermark seien über 9000 Hektar umbauwürdig.

Dahinter verbirgt sich zunächst eine bessere Vermischung von Laub- und Nadelbäumen. Weitere Vorteile sind von Wissenschaftlern bestätigt und längst kein Geheimnis mehr: Waldumbau fördere den Schutz gegen Holzschädlinge, die Verbesserung des Bodens und des Wasserhaushalts.

Auch Martin Guericke von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde räumt Sorgen der Holzindustrie aus dem Weg. Bei gleich bleibendem Einschlag wie in den vergangenen zehn Jahren würde es dennoch einen weiteren steigenden Vorrat im Wald geben. Allerdings eben nicht bei der Kiefer. Dennoch macht sie derzeit 70 Prozent des Gesamtbestandes aus. Damit bleibt sie auch künftig eine Hauptbaumart in Brandenburg. Guericke vermutet allerdings schwierigere Bedingungen des Waldumbaus in den kommenden Jahren. Die Kiefer bleibt anspruchslos und anpassungsfähig bei klimatischen Veränderungen. Ohne den Menschen würden aber im Norden Brandenburgs Buchenwaldgesellschaften gedeihen. Der Wissenschaftler sieht den Waldumbau daher als generationsübergreifendes Projekt zur Stabilisierung der Ökosysteme.

Förster und Holzindustrie stehen jedoch häufig in der Kritik. Wenn die großen Maschinen anrücken, sehe man sich verklärten Vorstellungen von Menschen gegenüber, die zumeist aus den Städten stammen, so Rainer Benthin bei der von der Unternehmervereinigung Uckermark einberufenen ersten Holzkonferenz in Templin. Seine Forderung: Die Diskussion um den Wald müsse entideologisiert werden. Die Forstleute sollten beim Waldumbau das Sagen haben. Den stärkeren Einsatz von Eberswalder Absolventen in freie Forststellen verlangt Martin Guericke. Dies sei im Sinne einer langfristigen Daseinsvorsorge.

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