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Kreuzfeuer der Argumente

Kerstin Unger / 13.02.2017, 06:56 Uhr
Angermünde (MOZ) Das zweite "Junior Science Café" im Angermünder Einstein-Gymnasium drehte sich am Freitagabend um das Thema "Windkraft hautnah - die Frage ist nicht ob, sondern wie". Die vier Organisatorinnen hatten sich dazu Befürworter und Gegner des Baus weiterer Windkraftanlagen eingeladen.

Die Aula des Einstein-Gymnasiums war am Freitagabend gut gefüllt. Vier Schülerinnen der 12. Klasse, Karolin Kalow, Emma Birkenhagen, Nadine Wolf und Lisa Morgenstern, hatten diesmal für den Fachbereich Physik das Junior Science Café zum Thema Windenergie organisiert und alles perfekt vorbereitet, von der Einladung über die Presse bis zur musikalischen Umrahmung durch ein Gesangstrio aus der Schule. Emma und Lisa führten auch durch das Programm. Vor der Debatte und in der Pause schenkten Elf- und Zwölftklässler Kaffee und von den Jugendlichen selbst gebackenen Kuchen aus - gegen eine Spende für den diesjährigen Abiball.

Das Einstein-Gymnasium als "MINT-Schule", die vor allem Wert auf Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik legt, bietet jährlich am Einsteintag naturwissenschaftliche Wettbewerbe für die jüngsten Schüler sowie Fachvorträge für die älteren Jahrgänge an. In der Reihe Junior Science Café, wollen die Schüler mit Experten und weiteren Besuchern über wissenschaftliche Themen ins Gespräch kommen.

Der Abend versprach spannend zu werden, zumal als Experten neben Vertretern von Windkraftfirmen und Kommunalpolitikern auch Mitglieder der Crussower Bürgerinitiative "Keine neuen Windräder für Crussow" eingeladen waren. Zu Beginn der Veranstaltung wurden als Diskussionsgrundlage zwei 15 Minuten lange Kurzvorträge gehalten. Jan-Erik Peters, Projektleiter der Firma Enertrag, sprach über den Umbruch in der Energieerzeugung, beschrieb die Funktion eines Windrades sowie den Datenaustausch und erklärte, weshalb die Windkraftanlagen immer höher werden - weil ober einfach mehr Wind und damit der Ertrag größer ist.

Im Anschluss berichtete Rainer Ebeling von der Bürgerinitiative Crussow über den schon sechs Jahre andauernden Kampf gegen Windräder speziell um den staatlich anerkannten Erholungsort Angermünde sowie Neukünkendorf. Er nannte als negative Auswirkungen die Verspargelung der Naturlandschaft, die dem Tourismus schade, das Sterben von Mäusebussarden, Seeadlern und Fledermäusen durch die Rotorblätter sowie gesundheitliche Schäden für die Menschen durch den Infraschall. Eine Grafik sollte belegen, dass die geplante Leistung der Windkraftanlagen nur in Spitzen wirklich erreicht wird. Damit sei der Anteil von Windkraft am Energieverbrauch lächerlich.

Dem widersprach in der Debatte sogleich Andreas Ehrenhofer, Geschäftsführer der Windfirma Teut. Die Zukunft sei eine Energieversorgung durch viele dezentrale Quellen. Jedoch sei die Umlage der Durchleitungskosten auf die Region eine falsche politische Steuerung. Der Crussower Ortsvorsteher Dieter Grenz kritisierte die hohen Energiekosten in der Region, in der sich Industrie dagegen nicht ansiedeln will. "Wir produzieren die meiste Energie, hinken aber mit der Infrastruktur hinterher. Tourismus ist der Bereich, der uns Geld einbringt", meinte er.

Frank Bretsch, Vorsitzender des Planungsausschusses Barnim Uckermark, belegte durch Grafiken, dass nur 1,2 Prozent der Fläche der Uckermark als Windeignungsgebiete ausgewiesen seien. Es gebe Regeln, die durch Gesetze gemacht werden. Das EEG-Gesetz habe Windkraft privilegiert. "Wenn keine Planung da ist, darf überall nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gebaut werden", stellte er fest. Zum Vorwurf von Windkraftgegnern, dass Kommunen sich durch die Ausgleichszahlung kaufen ließen, meinte er: "Die Akzeptanz für Windkraft wächst dort, wo Gemeinden etwas von dem Geld haben." Es gäbe sogar Gemeinden, die sich benachteiligt fühlen, weil sie keine Windkraftgebiete genehmigt bekämen.

Das Schlusswort bekam der Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer. Er empfahl den Schülern. "Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung auf der Grundlage von Informationen, die Sie sich beschaffen!" Meinungsbildung sei ein Prozess. Es gäbe nicht die eine Lösung - für oder gegen Windkraft. "Wir sind gegen Atomkraft, weil da etwas schief gehen kann. Windkraft hat auch ein Risiko, aber es droht nicht der Super-Gau. DieFrage ist: Wie kriegen wir den Ausgleich hin?"

Karolin Kalow, Emma Birkenhagen, Nadine Wolf und Lisa Morgenstern hätten mit Junior Science Café die Möglichkeit geboten, sich eine Meinung zu bilden. Sie haben das Ruder nie aus der Hand gegeben und bekamen für ihre gelungene Organisation des Abends ein Zertifikat für das Abitur und viel Beifall.

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