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Halbzeit beim Landschaftspleinair im Nationalpark / Ausstellung der Arbeiten wird am Freitag eröffnet

Kunst entdeckt imposante Spuren

Michael Dietrich / 24.07.2017, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Zwölf Künstler sind seit einer Woche auf Spurensuche im Nationalpark. Zum Bergfest des Landschaftspleinairs am Sonnabend war Gelegenheit, auf ihre Blätter und Leinwände zu schauen und einen Vorgeschmack zu erhalten, was in der Ausstellung am Freitag zu sehen sein wird.

Es ist das 26. Pleinair, bei dem Künstler das Untere Odertal erleben und ihre Eindrücke in Kunst verarbeiten. Was ist da an Neuem, Überraschendem, Imposantem zu erwarten, als das in den 25. Pleinairs davor? Welche Spuren finden andere Künstler, erstmals auffällig jüngere Künstler wie der 30-jährige Matvey Slavin aus Russland oder die 32-jährige Lydia Lander aus Leipzig? Welche Bilder, Anregungen entstehen daraus? Um es vorweg zu nehmen: Völlig neue, überraschende, imposante.

Kommenden Freitagabend lädt die Galerie am Kiez zur Ausstellung ein und zeigt wie immer die Arbeiten der Teilnehmer, die bis dahin fertig, wenn auch meist noch etwas feucht sind. Während Patrick Fauck aus Leipzig, Astrid Weichelt aus Berlin und Laura Donkers aus Schottland zusammen mit den anderen im Theaterkeller des Speichers der Musik lauschen und Fisch und Schaschlik genießen, liegen ihre halbfertigen Bilder inmitten von Farbtuben, Vorlagen, Pinseln oder Druckutensilien an den Arbeitsplätzen im großen Speicher herum, als seien die Künstler nur eben kurz aufgestanden.

Bei Matvej Slavin sind es große Bilder mit Strichzeichnungen wie Karikaturen. Man darf sich auf seine Interpretationen einer Kanufahrt, die er offensichtlich als dramatischen Kampf ums Überleben erfuhr, freuen. Ebenso auf eine neue Variante des Schwedter Liebespaares mit einem Punk vor dem alten Rathaus oder eine Szene mit dem Eismann am Bollwerk.

Grafiker Patrick Fauck aus Leipzig hat alte Druckplatten im Keller der Galerie "gefunden". Diese Spuren kombinierte er mit eigenen und kreiert daraus ein witziges Porträt des "Alten Schwedters".

Anastasiya Nesterova suchte offenbar Spuren menschlichen Einflusses und hielt Bojen, ein Stadtpark-Hochhaus, Klettergerüst und Wäscheplatz fest.

Hauchdünne aber eindrucksvolle Großformate hat Astrid Weichelt aus Berlin an ihrem Platz ausgelegt. Zu sehen ist der Abdruck von Ziegelsteinen, auf denen der Name der Ziegelei Kränig zu lesen ist. Offenbar hat sie sich im freigelegten Fundament der zerstörten jüdischen Synagoge von Schwedt auf Spurensuche begeben, denn dort hat der Museumsverein kürzlich einen Fußboden aus solchen Ziegeln freigelegt.

Auf Bildern von Dirk Pokoj schauen große Nasen zwischen Seerosen aus dem Wasser. Andere Arbeitsplätze sind leer, nur Pflanzen- und Tierbücher verraten, womit sich die Künstler beschäftigen. Einer von ihnen offenbar mit einer pfiffigen Reproduktion eines Baumes. Der Baum entsteht dabei auf einem Blatt Papier nur durch den Abdruck der Maserung alter Holzdielen.

Eine der Künstlerinnen lässt ihr Bild, das sie draußen im Nationalpark malt, dort liegen, wenn sie am Abend zurück nach Schwedt fährt. Es sei so groß und schwer, dass es einfacher sei, es dort zu belassen, abgedeckt zwar, aber dennoch jedem zufälligen Besucher zugänglich.

Gisa Hillesheimer aus Frankfurt am Main ist eine der Künstlerinnen, deren Arbeitsplatz leer ist. Sie arbeitet am Computer und vollendet dort ein Video vom Wind. Das allein klingt schon abgefahren. Obendrein drehte sie das Video auf dem verlassenen jüdischen Friedhof in Schwedt.

Kunstfreunde dürfen also auch bei der 26. Auflage des Pleinairs in Schwedt zu recht gespannt sein auf die Ausstellung am Freitag. Die Vernissage mit musikalischer Begleitung und sicher wieder vielen Gesprächen über die Spurensuche und ihre Ergebnisse beginnt um 19 Uhr.

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