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Im Streit um den Ausbau der grenzübergreifenden Bahnlinie ruft die Uckermark den Bundestag um Hilfe

Bahnstrecke
Eingleisig nach Stettin

So trostlos sieht eine deutsch-polnische Eisenbahnverbindung aus: Ab Passow geht es eingleisig bis zur Bundesgrenze weiter. Auch der geplante Umbau sieht gegenwärtig kein zweites Gleis vor.
So trostlos sieht eine deutsch-polnische Eisenbahnverbindung aus: Ab Passow geht es eingleisig bis zur Bundesgrenze weiter. Auch der geplante Umbau sieht gegenwärtig kein zweites Gleis vor. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 11.10.2017, 07:00 Uhr - Aktualisiert 11.10.2017, 10:28
Angermünde/Passow (MOZ) Das seit Jahren anhaltende Hickhack um den Ausbau der Bahnstrecke Angermünde-Stettin erreicht nun einen neuen Höhepunkt: Weil die Pläne zwischen Passow und der Grenze nur ein Gleis vorsehen, wendet sich der Kreistag Uckermark jetzt direkt an den Bundestag.

Nach zwei öffentlichen Vorstellungsterminen des Bauprojekts in Tantow und Passow macht sich jetzt Ernüchterung breit: Die Bahn hat den Auftrag bekommen, die Stettiner Strecke zwar zu elektrifizieren, aber vorerst nur eingleisig auszubauen. Dagegen laufen Politiker aller Ebenen aus der Region Sturm. Jetzt hat sich der Kreistag eingeschaltet. In einem parteiübergreifenden Beschluss fordern alle Fraktionen das zweite Gleis zwischen Passow und der Grenze. "Eine eingleisige Planung und Umsetzung würde die Entwicklung an dieser Stelle für viele Jahre und Jahrzehnte verhindern", heißt es zur Begründung.

Dabei war schon vor dem Abschluss des deutsch-polnischen Regierungsabkommens immer wieder die Rede vom zweiten Gleis. Das hatte bis zum Kriegsende existiert, wurde dann aber als Reparationsleistung abgebaut und Richtung Sowjetuntion transportiert. Seit vielen Jahren setzen sich vor allem die beiden Metropolen Berlin und Stettin für die Wiederertüchtigung der einst strategisch höchst bedeutsamen Bahnstrecke ein.

Doch das im Bundesverkehrswegeplan vorliegende Projekt sieht eine Ertüchtigung der Linie auf Tempo 160 vor sowie den Bau der ab Passow fehlenden Oberleitungen. Auch sollen Brücken, Bahnsteige und Schotterbett erneuert werden. Allerdings kommt nach derzeitigen Aussagen der Planer das zweite Gleis erst in Abhängigkeit von der Entwicklung des Verkehrsaufkommens.

Genau das sieht man in der Uckermark und in Potsdam mit größten Bedenken. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen pocht zwar auf ein stärkeres Engagement der brandenburgischen Landesregierung, doch hatte sich Ministerpräsident Dietmar Woidke schon persönlich für den sofortigen Bau des zweiten Gleises eingesetzt. Und vor Ort herrscht die Meinung: Wenn erst ein Gleis liegt, kommt das zweite nie mehr.

Deshalb nun der politische Vorstoß von Uckermark-Landrat Dietmar Schulze, die Sache in den Bundestag zu bringen. "Man sieht einfach nicht die Wichtigkeit der Strecke für die Zukunft", so Schulze vor dem Kreistag. Er spricht von einem "sturen Nein" aus Berlin und von einer "Negierung" des Raumes entlang der Bahnlinie. Die Planungen seien weit vorangeschritten, ohne dass das zweite Gleis bereits Berücksichtigung fände. Stattdessen liefe der eigentliche Verkehr zwischen Berlin und Stettin über die Autobahn. Wenn man nicht Ruhe gebe, bestünde gar die Gefahr, dass die Gelder anderswo verbaut würden. "Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", so der Landrat. Er verweist auf die frühere Bedeutung der Bahnlinie. "Schon der König hat zweispurig gebaut."

Kommentar

Angesichts der jetzt schon gigantischen Bausummen - in Rede stehen 300 Millionen Euro für die Ertüchtigung auf Tempo 160 samt Elektrifizierung - kann man die Zurückhaltung des Bundes beim Bau des zweiten Gleises fast schon wieder verstehen. Doch bestätigt jede Verkehrsprognose die wachsende Bedeutung der Strecke zwischen Berlin und Stettin. Warum also erst wieder kleckern, statt gleich richtig zu klotzen? Oder war das zweite Gleis nie richtig angedacht? Im Grunde glaubt keiner daran, dass selbst beim wachsenden Verkehrsaufkommen später nochmal eine fertige Bahnlinie angefasst wird. Damit fundamentieren die Planer jetzt die Zukunft einer Verkehrsachse.Für die Uckermark steht mehr auf dem Spiel. Denn am Gleis orientiert sich auch die Wirtschaftsentwicklung. Das war schon zur Kaiserzeit so. Doch der Kaiser ist weg. Also muss eine politische Entscheidung her. Oliver Schwers

Kleckern statt klotzen

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