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Gemeindevertreter wählen Sigrun Kriegbaum ab / Als Ursache vermuten Zuhörer den Wahlkampf um den Posten des Amtsdirektors

Die Zusammenarbeit klappt nicht mehr

Am Beratungstisch: Meist sitzen die Gemeindevertreter mit gesenkten Köpfen da. Burghard Staatz meldet sich zu Wort. Die Gemeindevertreter Mandy Böcker, Sigrun Kriegbaum und Andy Skara (von rechts) hören zu.
Am Beratungstisch: Meist sitzen die Gemeindevertreter mit gesenkten Köpfen da. Burghard Staatz meldet sich zu Wort. Die Gemeindevertreter Mandy Böcker, Sigrun Kriegbaum und Andy Skara (von rechts) hören zu. © Foto: MOZ/Eva-Martina Weyer
Eva-Martina Weyer / 12.01.2018, 06:15 Uhr
Groß Pinnow (MOZ) Sigrun Kriegbaum ist nicht mehr Mitglied im Amtsausschuss Gartz. Das hat die Mehrheit der Gemeindevertreter von Hohenselchow-Groß Pinnow beschlossen. Viele Zuhörer verfolgten die Sitzung. Etliche waren empört über die Verfahrensweise und das Ergebnis.

Eine angespannte Atmosphäre herrschte am Mittwochabend auf der Sitzung der Gemeindevertreter. Zum zweiten Mal lag ein Abwahlantrag gegen Sigrun Kriegbaum vor. Das Thema ihrer Abwahl sorgt seit Wochen in den Orten des Amtes Gartz für Debatten. Entsprechend groß war das Interesse von Gartzer Stadtverordneten, Mitgliedern des Amtsausschusses und Dorfbewohnern an der neuen Sitzung.

Nachdem im November ein Antrag gescheitert war, hatte jetzt Michael Jäger die Abwahl von Sigrun Kriegbaum angeschoben. Sie lasse sich nicht dazu bewegen, die Interessen der Gemeinde zu vertreten, heißt es in seinem Antrag. Jäger verlas eine persönliche Erklärung. "Die Diskussion in den sozialen Netzwerken und Medien hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich bin erschüttert, dass mein Antrag dem Amtsdirektor dienen soll. Das weise ich aufs Schärfste zurück", sagte er.

Einwohner des Amtes Gartz sehen aber einen Zusammenhang zwischen den Anträgen gegen Sigrun Kriegbaum und der im April bevorstehenden Wahl des Amtsdirektors. Dazu soll es eine Vorentscheidung auf der Amtsausschusssitzung am 13. Februar geben. Zwölf Ausschussmitglieder müssen beschließen, ob der Posten ausgeschrieben wird. Und so wollte denn Lutz Timm in der Einwohnerfragestunde wissen, warum die Sitzung der Gemeindevertreter vom 14. Februar auf den 10. Januar vorgezogen worden ist. "Der heutige Sitzungstermin hat mit einer Grundsatzentscheidung zu tun über eine Investition auf dem ehemaligen Oderschrottgelände. Hier steht am 23. Januar ein Termin im Ministerium an", antwortete Bürgermeister Norbert Dittmann. Zuhörer mochten das nicht glauben. Tatsächlich aber kann ein Bürgermeister bei Bedarf Sitzungen einberufen. Auf die weiteren Fragen von Lutz Timm, zum Beispiel ob der Gemeinde durch das Verhalten von Sigrun Kriegbaum ein Schaden entstanden ist, antworteten Dittmann und die Gemeindevertreter für Lutz Timm nicht zufriedenstellend. Andy Skara sagte: "Wir haben das Gefühl, dass unsere Meinung aus Hohenselchow durch Sigrun Kriegbaum im Amtsausschuss nicht ordentlich vertreten wird." Norbert Dittmann ergänzte: "Die Zusammenarbeit klappt nicht mehr." Sigrun Kriegbaum rief: "Bin ich jetzt Staatsfeind Nummer 1? Es wird nicht auf den Punkt gebracht, warum ich abgewählt werden soll."

Da schlug Gemeindevertreter Dirk Helwig vor: "Lasst uns am 14. Februar über den Abwahlantrag entscheiden." Doch die meisten seiner Kollegen gingen da nicht mit und stimmten schließlich für eine Abwahl von Sigrun Kriegbaum.

"Die haben überhaupt keinen Anstand", entfuhr es da Zuhörerin Sylvia Steinhauser. Mit Sachlichkeit mischte sich Sigrun Kriegbaum als Gemeindevertreterin in den weiteren Sitzungsverlauf ein. Von dieser Funktion zurücktreten will sie nicht. Wer an ihrer Stelle im Amtsausschuss wirken soll, ist noch nicht bekannt.

Kommentar: Eine verfahrene Kiste

Dass Gemeindevertreter einem ihrer Mitstreiter das Vertrauen entziehen, ist ihr gutes Recht. Die Abwahl wäre dann nur die logische Konsequenz. So lief das jetzt in Hohenselchow-Groß Pinnow. Und doch lässt die Abwahl von Sigrun Kriegbaum aus ihrer Funktion als Mitglied des Amtsausschusses Gartz den Beobachter ratlos zurück. Zu viele Fragen bleiben ungeklärt - auch für die Abgewählte selbst. Die genauen Hintergründe des Vertrauensentzuges hat Sigrun Kriegbaum bis heute nicht erfahren. Allseits wird gemunkelt, dass die Gemeindevertreterin Opfer der im April anstehenden Wahl des Amtsdirektors geworden ist. Man wolle sich im Amtsausschuss sichere Mehrheiten verschaffen. Die Gegenseite bestreitet dieses Ansinnen. Wem soll man glauben? Die Einwohner sind verwirrt. Viele fragen sich, wo die vernünftige Sacharbeit für ihre Orte bleibt. Denn leider bestimmen personelle Querelen fast von Anfang an die Arbeit im Amtsausschuss. Das Wirken des Amtsdirektors wurde sichtbar boykottiert. Wenig später gab es Abwahlbestrebungen gegen Mitglieder des Ausschusses. Die Märkische Oderzeitung hat darüber berichtet - auch wenn es manchem nicht gefallen hat. Bei den Bürgern schwindet Vertrauen in die von ihnen gewählten Volksvertreter. Eine verfahrene Kiste. Es scheint, als ob nur neue Leute sie herausziehen können. - Oder es wird endlich reiner Tisch gemacht.Eva-Martina Weyer

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