Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Angermünde beteiligt sich zum dritten Mal am weltweiten Tanzprotest One Billion Rising gegen Gewalt an Frauen und Kindern

Tanzprotest
"Erhebt Euch, brecht das Schweigen!"

Tanzen, tanzen, tanzen: Das ist One Billion Rising, eine weltweite Protestaktion gegen Gewalt, an der sich auch Angermünde beteiligt
Tanzen, tanzen, tanzen: Das ist One Billion Rising, eine weltweite Protestaktion gegen Gewalt, an der sich auch Angermünde beteiligt © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 15.02.2018, 20:36 Uhr - Aktualisiert 21.02.2018, 12:27
Angermünde (MOZ) Der Marktplatz wird zur Tanzbühne. Frauen, Kinder und Männer tanzen gemeinsam mitten im kalten Fe-bruar zu mitreißenden Rhythmen. Doch es ist kein Karneval, kein Volksfest, es ist One Billion Rising - eine fröhliche Protestaktion mit einem traurigen Hintergrund.

Angermünde, 14.02.2018:  One Billion Rising auf dem Angermünder Markt
Bilderstrecke

One Billion Rising

Bilderstrecke öffnen

Ein großes Banner an der Rathausfassade, das die Stadt extra anfertigen ließ, springt ins Auge und verkündet, warum sich an diesem nasskalten Februarabend so viele Menschen auf dem Marktplatz versammeln: One Billion Rising 2018, die weltweit größte Protestaktion, die sich seit 2012 über den gesamten Globus verbreitet, ist vor drei Jahren auch in Angermünde angekommen - initiiert von der Tanzlehrerin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule, Christina Gressmann.

Sie hatte eine Gruppe Mitstreiter mobilisiert, die inzwischen auf 40 Aktive angewachsen ist. Hinzu kommen jedes Jahr mehr Unterstützer und Sponsoren, die - wie die Initiatoren - mit Herzblut hinter dieser ehrenamtlichen Aktion stehen.

Siegmund Bäsler, Präsident der Unternehmervereinigung Uckermark, überreicht an diesem Abend überraschend eine Spende des Herrenclubs C1, in dem sich vor allem Schwedter Unternehmer für soziale und Anti-Gewalt-Projekte in der Region engagieren. Er steht stellvertretend für viele Sponsoren und Unterstützer, die von der Initiative begeistert sind und wollen, dass es immer mehr werden.

Die Stadt zeigt im wahrsten Sinne des Wortes öffentlich Flagge und Gesicht für eine Aktion, die sich gegen Gewalt an Frauen und Kindern erhebt: mit Musik, mit Tanz, mit Stimme und Gemeinsamkeit. "Es ist kein schöner Anlass, aber es ist schön, dass so viele Leute gekommen sind, das unterstützen und Zeichen setzen und damit auch das Engagement der Projektgruppe wertschätzen", drückt Bürgermeister Frederik Bewer seine Begeisterung aus.

Im November 2017 wurde die Projektgruppe mit dem Preis für Toleranz und Zivilcourage "Angermünder Elle" ausgezeichnet. 2016 war sie dafür schon einmal nominiert. Christina Gressmann macht keinen Hehl daraus, wie stolz sie und ihr Team darauf sind und vor allem auf alle, die wieder dem Aufruf One Billion Rising - auf deutsch: Eine Milliarde erhebt sich - gefolgt sind.

Mehr als 150 Menschen aus Angermünde und Umgebung, aus Schwedt und sogar aus Prenzlau sind zu diesem Tanz-Flashmob auf den Marktplatz gekommen, um zu tanzen und ihre Solidarität mit Opfern von Gewalt zu demon-strieren.

"Wir haben davon aus den Medien erfahren und sind zum ersten Mal dabei. Es ist eine tolle und wichtige Aktion", erzählt Tina Lange aus Angermünde, die mit der ganzen Familie, Mann, Töchterchen, Mutter, Großeltern und sogar Uroma gekommen ist. Die siebenjährige Luise Zeidler aus Schwedt hat ebenfalls ihre ganze Familie und Freunde mitgebracht. Sie helfen am Stand der IG Frauen und Familie Prenzlau sowie des Vereins Kreativwerkstatt Brandenburg und spielen, basteln und knobeln mit Kindern. Der Verein hatte auch Geld für die Aktion gespendet.

Die Polizeiinspektion Uckermark ist wieder mit einem Infomobil dabei. Renate Utech und Eleonore Nabel klären über Opferschutz und Gewaltprävention auf, halten mehrsprachige Informationsmaterialien bereit und beraten Interessierte. "So eine Veranstaltung ist ganz wichtig, um das Thema häusliche Gewalt und Missbrauch aus der Tabuzone zu holen und Opfern Mut zu machen. Vielleicht kommen so auch manche Betroffene leichter aus der Deckung, denn viele trauen sich nicht, zur Polizei zu gehen. Sie nehmen das hin und finden es normal. Aber Gewalt ist niemals normal!", betont Renate Utech.

Laut Kriminalstatistik nehmen Fälle häuslicher Gewalt seit Jahren zu. Für die Präventionspolizistinnen stehen Aufklärung und vertrauensvolle Beratung deshalb ganz oben. "Viele wissen gar nicht, dass jede Polizeiinspektion einen speziell ausgebildeten Opferschutzbeauftragten hat, der sich um Kriminalitätsopfer kümmert - von der Anzeige bis zum seelischen Beistand", erklärt Eleonore Nabel.

Auf der Bühne heizt das One-Billion-Rising-Team mit heißen Rhythmen und eingängiger Choreografie die Stimmung an und den Besuchern ein. Wenn Frauen, Kinder und Männer alle gemeinsam zur One-Billion-Rising-Hymne "Break the Chain", (Zerbrich die Ketten) tanzen und hunderte Knicklichter wie Glühwürmchen leuchten, ist das Gänsehaut pur. Dafür sorgen aber auch einige weitere Programmeinlagen; zum Beispiel, wenn die 13-jährige Clara Mehnert den aufrüttelnden Song "Das Land, in dem ich leben möchte" von Bodo Wartke singt oder als Überraschungsgast, Piano-Mann Thomas Krüger aus Berlin, bekannt durch die TV-Show Supertalent, berührende Klavierstücke zum Thema Liebe und Frieden spielt.

Der 14. Februar ist nicht nur One-Billion-Rising-Tag, sondern auch Valentinstag, ein Tag der Herzen - und das ist kein Zufall.

Mehr Bilder zum Thema: www.moz.de/fotos

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG