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Ornithologen erfassen Brutvögel im Nationalpark Unteres Odertal / Überraschungen bei vielen Arten

Zählung
Kein einziger Seggenrohrsänger mehr

Seggenrohrsänger: Der seltene Wiesenbrüter konnte 2017 im Nationalpark nicht mehr nachgewiesen werden. Das Untere Odertal galt als das letzte große Brutvogelgebiet der vom Aussterben bedrohten Vogelart.
Seggenrohrsänger: Der seltene Wiesenbrüter konnte 2017 im Nationalpark nicht mehr nachgewiesen werden. Das Untere Odertal galt als das letzte große Brutvogelgebiet der vom Aussterben bedrohten Vogelart. © Foto: Zymantas Morkvenas/Nabu
Michael Dietrich / 13.03.2018, 06:45 Uhr
(MOZ) „Alle Vögel sind schon da“ heißt es alle Jahre wieder. Aber sind sie wirklich alle da? Der Nationalpark hat nach der letzten Zählung 2008 im vorigen Jahr neu durchgezählt und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Einige seltene Arten sind verschwunden, andere haben sich gut entwickelt.

Der Nationalpark hat eine gesetzliche Pflicht, seine Vögel zu zählen. Ausgewählte Brutvögel, die in ihrem Bestand gefährdet und für die geschützte Flussaue typisch sind, müssen regelmäßig erfasst und an die EU gemeldet werden. Von den 61 Arten, die gemäß der Europäischen Vogelschutzrichtlinie im Vogelschutzgebiet Nationalpark zu kartieren sind, haben die Ornithologen immerhin 50 nachweisen können, elf nicht.

Besonders gefreut haben sich die Naturschützer darüber, dass wieder ein Uhu im Nationalpark brütet. Der letzte Nachweis stammt aus dem Jahr 2003 aus Stolpe, anschließend war das Uhu-Weibchen an einem Strommast verendet. Jetzt ruft der Uhu wieder, diesmal im Wald der Densenberge bei Criewen.

Ebenso gute Nachrichten gibt es vom Wiedehopf, der in der Liste der Brutvögel von 2008 gar nicht vorkam und im vorigen Jahr viermal.

Auch der seltene Schwarzstorch ist weiterhin da, wenn auch nur mit einem Brutpaar im Gebiet. Der farbenfreudigste Nationalparkbewohner, der Eisvogel, konnte mit17 Brutpaaren erfasst werden. Der König der Lüfte brütet ebenso mit beständiger Anzahl im Nationalpark. Fünf Seeadlerpaare haben die Kartierer ermittelt.

Unter den Vogelarten, die die Ornithologen 2017 nicht als Brutvögel nachweisen konnten, ist beispielsweise das Rebhuhn, das im Stadtgebiet von Schwedt vorkommt, nicht aber im Nationalpark. Leider fehlte 2017 auch der Seggenrohrsänger, ein seltener Wiesenbrüter. Sein Bestand wie auch der des Wachtelkönigs geht mit dem Verschwinden von Feuchtgebieten landesweit zurück. Während die Ornithologen aber immerhin noch 32 Wachtelkönige zählen konnten (2008 waren es 188), fanden sie keinen einzigen Seggenrohrsänger, vor neun Jahren waren es noch drei. Das ist sehr bedauerlich, denn für den Seggenrohrsänger war der Nationalpark das letzte große deutsche Brutrevier.

Michael Tautenhahn, stellvertretender Leiter des Nationalparks, nannte das Ergebnis dennoch nicht alarmierend. „Vogelbestände unterliegen auch natürlichen Schwankungen und können im nächsten Jahr schon ganz anders ausfallen.“ So wie bei den Trauerseeschwalben. Deren Bestand erreichte 2017 den bisherigen Höchststand von 250, mehr als doppelt so viele wie 2008. Auch die Kraniche, die nicht nur Rast machen im Odertal, sondern dort teilweise auf Schwimminseln im Polder brüten, ist von 27 auf 51 Paare angestiegen. Arten wie die Rohrweihe, die große Reviere beanspruchen, kommen mit neun Brutpaaren schon fast an ihre mögliche Obergrenze. Speziell die wiesenbrütenden Arten werden im Nationalpark durch ein pragmatisches Grünlandmanagement geschützt, das einerseits absichert, dass die Wiesen zur Brutzeit geschützt, also nicht gemäht werden, andererseits genug offene Wiesen vorhanden sind.

Die Zählung in einem so großen Gebiet ist eine sehr umfangreiche Arbeit. „Das waren viele Kilometer Fußmarsch“, erinnert sich Ulf Kraatz, der mit Winfried Dittberner, Simone Müller und fünf anderen Ornithologen die Brutreviere kartiert hat.

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