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Schwedt gedenkt mit einer Erinnerungsaktion ehemaliger jüdischer Mitbürger

Erinnerung
Stolpersteine gegen das Vergessen

Dietmar Rietz / 21.03.2018, 21:17 Uhr
(MOZ) Sechs weitere „Stolpersteine“ sind am Dienstag in Vierraden und Schwedt verlegt worden. Die Oderstadt gedenkt damit ehemaliger, in der NS-Zeit gedemütigter, verschleppter und ermordeter jüdischer Mitbürger.

„Stolpersteine“ sind Betonsteine mit einer aufgesetzten und gravierten Messingplatte, die im Bürgersteig vor der vermutlich letzten selbst gewählten Wohnstätte eines Opfers des NS-Regimes ihren Platz finden. Die Gravur im Stein trägt Name, Lebensdaten und den Zeitpunkt der Deportation und Ermordung. Mehr als 30 davon gibt es bereits in Schwedt. Der Initiator der Stolpersteinbewegung ist Gunter Demnig. Er verlegte sechs weitere am Dienstag.

Im Pflaster der Neuen Straße 5 in Vierraden blinkt jetzt das Messing für das Ehepaar Croner. Erich Croner war mit der Heirat vom jüdischen zum christlichen Glauben übergetreten. Trotzdem wurde seine Apotheke 1937 arisiert. Die Nazis wollten ihn 1938 abholen und trieben ihn so in den Tod. Seine Frau Hertha floh nach Berlin. Ihr weiteres Schicksal ist noch unbekannt, berichtet Gedenkrednerin Brigitte Lembke. Albin Majkowski von der jüdischen Gemeinde in Stettin spricht an diesem Tag von der „Pflicht zum Erinnern“, damit das Böse nie wieder passiert.

Vor dem Haus der Bahnhofstraße 18 in Schwedt findet der Gedenkstein für Maria Margarete Oppenheimer seinen Platz. „Aufgrund der Rassengesetzgebung wurde die evangelische Familie Oppenheimer als nicht arisch eingestuft“, erzählt Ursula Dittberner. Die Tochter arbeitet bis dahin als Diakonissin. Danach darf sie nicht einmal mehr in der Küche oder im Garten ihres Stifts arbeiten. Ende 1941 wurde Maria entlassen und kehrte in das Elternhaus nach Schwedt zurück. Ihre Geschwister flüchten nach Schweden und England. Übrig bleib Maria Margareta  in Schwedt. Sie sammelte Abfälle, um etwas zu Essen zu besorgen. Freunde warnten die Oppenheimers, dass Maria abgeholt werden sollte. Maria weigerte sich zuzuhören. Am 14. April 1942 holt ein SS-Mann Maria Oppenheimer doch. Sie wird ins Warschauer Ghetto gebracht und dort erschlagen. Eigens dem Gedenken aus London angereist sind Jacob und Charlotte Prager, die sich von diesem Akt gegen das Vergessen in Schwedt sehr berührt zeigen. Sie berichten, dass eine Familienangehörige in den USA, Ferolyn Angell, einen Film über das Schicksal der Familie Oppenheimer gemacht hat und diesen wahrscheinlich im November an den Uckermärkischen Bühnen zeigen will.

Vor dem Haus Berliner Straße 43, dem Standort des früheren Kaufhauses Rosner, fanden die Steine für die Schwestern Hertha und Elli Rosner, die 1942 deportiert und in Auschwitz ermordet wurden, ihren Platz. Mit dem Verlegen der beiden neuen Stolpersteine für die Töchter wird die Familie im Gedenken und über den Tod hinaus zusammengeführt, befindet Gedenkredner Detlef Klemer in berührenden Worten. Zwei ältere Stolpersteine erinnern an dieser Stelle bereits an das Schicksal der Eltern der Rosner-Schwestern, Julius und Telma. Beide sind 1942 nach Theresienstadt verschleppt und dort 1944 ermordet worden.

An Gertrud Götzer erinnert fortan ein Stolperstein am Giebel des Hauses Am Kanal 11. Sie wurde deportiert und fand den Tod auf dem Transport nach Raasiku im September 1942.

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