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Windplaner stellen sich Fragen der Einwohner zum Windfeld Neukünkendorf / Protest der Bürgerinitiative

Windanlagen
Zwischen Boykott und Redebedarf

Protest zur Begrüßung: Mitglieder der Bürgerinitiative boykottieren am Dienstagabend vor dem Dorfgemeinschaftshaus Crussow die Informationsveranstaltung der Windparkinvestoren. Sie fordern den Stopp des Windkraftausbaus in ihrer Region.
Protest zur Begrüßung: Mitglieder der Bürgerinitiative boykottieren am Dienstagabend vor dem Dorfgemeinschaftshaus Crussow die Informationsveranstaltung der Windparkinvestoren. Sie fordern den Stopp des Windkraftausbaus in ihrer Region. © Foto: Fotos (2): Daniela Windolff
Daniela Windolff / 25.04.2018, 21:15 Uhr
Crussow (MOZ) Die Projektentwickler des neuen Windfeldes Neukünkendorf-Crussow stellten sich in einer Informationsveranstaltung vor Ort den Fragen der Bürger zum geplanten Vorhaben. Vertreter der Bürgerinitiative Crussow boykottierten die Veranstaltung mit einer Mahnwache vor dem Dorfgemeinschaftshaus.

„Stopp!“ Wer zur Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark Neukünkendorf-Crussow möchte, kommt an ihnen nicht vorbei. Mitglieder der Bürgerinitiative „Keine neuen Windräder in Crussow“ haben sich mit Protestplakaten gegen weiteren Windkraftausbau vor dem Eingang zum Dorfgemeinschaftshaus postiert. Dort drinnen haben die Windkraftinvestoren des neu geplanten Windparks Neukünkendorf-Crussow Infostände zum Vorhaben und zu verschiedenen Aspekten rund um Windenergie aufgebaut. Mitarbeiter der Kooperationspartner Teut Windprojekte GmbH, Plan 8 GmbH und UKA Cottbus Projektentwicklung wollen das Vorhaben Windpark Neukünkendorf vorstellen und und stehen als direkte Ansprechpartner für Fragen der Bürger bereit.

„Wir haben kein Interesse und keinen Gesprächsbedarf mit den Investoren“, stellt Rainer Ebeling, Sprecher der Bürgerinitiative, klar. Ihr Protest ist ein Boykott der Veranstaltung. Mit Häppchen vom gesponserten Buffet wolle man sich nicht ködern lassen. Stattdessen verteilen sie Mahnbriefe an Landbesitzer, die vor Risiken einer Verpachtung ihrer Grundstücke an Windradbetreiber warnen.

Dennoch kommen im Laufe des Abends viele Bürger ins Dorfgemeinschaftshaus, um die Möglichkeit zu nutzen, sich aus erster Hand zu informieren. „Wir haben ganz bewusst eine offene Veranstaltung in Form einer kleinen Messe gewählt, um in lockerer Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen, den Bürgern Zeit zu geben, sich ausführlich zu informieren und die Fachleute als persönliche Ansprechpartner für ihre Fragen zu finden“ sagt Lisa Fritsche vom Unternehmen UKA Umweltgerechte Kraftanlagen, einer der Kooperationspartner. Von der technischen Ausstattung der geplanten neuen Windkraftanlagen, die auf dem Windfeld Neukünkendorf gebaut werden sollen, über Probleme der Nachtbefeuerung, des Infraschalls bis zu allgemeinen Fragen der Energiewende reichen die Themen, die hier angesprochen werden.

Das von 58 auf 256 Hektar erweiterte Windeignungsgebiet Neukünkendorf wurde im Regionalplan Uckermark-Barnim ausgewiesen, der rechtsverbindlich beschlossen wurde. Hier dürfen Windkraftanlagen bevorzugt gebaut werden, wenn die Kriterien der Regionalen Planungsgemeinschaft und die gesetzlichen Bestimmungen des Naturschutzes und Grenzwerte des Emissionsschutzes eingehalten werden. Wie das gelingen soll, erläutern die Planer auf großen Infotafeln, jede Menge Infobroschüren und im persönlichen Gespräch. Und das nutzen viele Besucher sehr intensiv und auch kritisch, ob es um die Überlastung der Netze durch zu viel Windstrom geht, weil auch fossile Brennträger wie Kohlekraftwerke nicht zurückgefahren werden, um unausgereifte Speichertechnologien oder um die ungeklärte bedarfsgerechte Nachtbefeuerung, die in Brandenburg noch nicht Pflicht ist. Letztere wollen die drei Partner freiwillig realisieren, sobald es von der deutschen Flugsicherung genehmigt wurde. Auch diese Lösung wird erläutert.

Mit Kritik und Ablehnung von Windkraft  haben alle drei Investoren Erfahrung. Allerdings gebe es in Schleswig-Holstein, dem Windenergieland Nummer eins, viel weniger Akzeptanzprobleme als in Brandenburg, weil hier die Bürger, Bauern und Kommunen von Anfang an mit ins Boot geholt wurden. Das versuche man in Angermünde auch und habe immer das Gespräch mit der Stadt, den Ortsteilen und Einwohnern gesucht, meint Beate Corbach von der Firma Teut, die für Bürgerbeteiligung verantwortlich ist. Investitionen in Naturschutz und Infrastruktur vor Ort als Ausgleichsmaßnahmen, Sponsoring von Projekten und Vereinen oder ein Strompreisbonus seien Möglichkeiten, der Region etwas zurückzugeben.

Die Stimmung im Dorf bleibt gespalten. „Wir wollen, dass es endlich fertig wird und der ganze Streit aufhört und wieder Ruhe einkehrt. Am Regionalplan kann man nicht rütteln. Kohle wollen wir auch nicht, das ist noch schlimmerer Raubau an der Natur“, sagt Familie Florian. Hin- und hergerissen zwischen den Argumenten für erneuerbare Energie, der Sorge um geschützte Vögel wie Rotmilan und der eigenen Betroffenheit in Crussow fühlt sich Annett Wolff. „Ich finde, hier stehen genug Windräder.“

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