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Bauboom verursacht zahlreiche Ausgrabungen / Personalnot in der Bodendenkmalpflege spitzt sich weiter zu

Archäologie
Immer neue Fundstellen

Grabung an der Eugal-Trasse bei Biesenbrow
Grabung an der Eugal-Trasse bei Biesenbrow © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 07.06.2018, 06:00 Uhr
Prenzlau (MOZ) Der anhaltende Bauboom hält Archäologen auf Trab. Denn die vielen Baustellen bringen die in der Erde verborgenen Reste uckermärkischer Vorfahren ans Licht.  Doch die Bodendenkmalpflege leidet unter zunehmender Personalnot.

Vor allem die geplante neue Eugal-Gastrasse bringt Historiker ins Schwitzen. Sie führt quer durch die Uckermark. Der breite Streifen, den die Bagger später umwühlen, muss an besonderen Stellen zuvor auf archäologische Befunde untersucht werden. Sonst droht während der Verlegearbeiten ein Baustopp. Bei Biesenbrow hatten die Ausgräber sogar knapp unter der Oberfläche ein bestens erhaltenes Grab entdeckt.

Doch gebaut wird auch in Städten und Dörfern sowie an den vielen neuen Windkraftanlagen. Denkmalschützer sind daher im Dauerstress. Allein im vergangenen Jahr gab es 225 Grabungen beziehungsweise Untersuchungen. Klingt zwar viel, die Zahl lag aber Ende der 90er Jahre schon deutlich höher. Doch der Umfang der Grabungen nimmt zu, weil die Bauprojekte größer sind.

190 Fundstellen wurden dabei neu entdeckt, waren also früher nicht bekannt. Schaut man sich die archäologische Karte des Kreises an, entsteht ein mit Punkten komplett übersätes Muster. Insgesamt sind mittlerweile 13453 Fundstellen gelistet – die größte Dichte in Brandenburg. Fast ein Viertel aller Bodendenkmale des Landes entfallen auf die Uckermark. Das beweist immer mehr, dass gerade dieser Landstrich seit Jahrtausenden bevorzugt von Menschen als Siedlungsplatz gewählt wurde. Das lag an den guten Handelswegen, an den Schiffswegen über die Flüsse Ucker, Randow und Oder sowie am guten Boden. Schon damals wussten die Siedler, wo sie ausreichende Nahrungsgrundlage finden konnten.

Zu den besonderen Funden zählen der Ofen eines Metallhandwerkers auf dem Gelände des Museumsneubaus im Angermünder Stadtzentrum, ein mittelalterlicher Holzkastenbrunnen in Nechlin oder ein Einzelhof aus der frühen Völkerwanderungszeit bei Lübbenow.

Jede Untersuchung ergänzt das bisher vorhandene Bild über die Besiedlungsgeschichte. Doch die Denkmalpfleger kommen nicht mehr hinterher. Die früheren regelmäßigen Begehungen bekannter Fundplätze gelingen durch den akuten Personalmangel kaum noch. Die Zahl der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger nimmt weiter ab, informiert Kreisarchäologe Matthias Schulz. „Auf die einstigen Zentren der Bodendenkmalpflege, die Museen, kann man heute nicht mehr zählen. Die Heimat- und Geschichtsvereine sind diejenigen, die flächendeckend eine bedeutendere Rolle übernehmen sollen. Deren Hauptprobleme, Mitgliederzahlen und Altersdurchschnitt, machen diese Forderung allerdings zur Phantasie.“

Personalengpass herrscht nach seiner Aussage auch in der Unteren Denkmalschutzbehörde. Deren konkrete Arbeit „am Denkmal“ verschlechtere sich weiter, wenn kein zusätzliches Personal eingestellt werde. In der Landesbehörde sieht es nicht anders aus: Durch radikale Einschnitte habe sich der für die Uckermark zuständige Mitarbeiterstamm von einst zwei Leuten auf derzeit 0,2 Personalstellen verkürzt.

„Wir brauchen mehr Leute“, so die Forderung von Matthias Schulz. In diesem Jahr nimmt die Bautätigkeit weiter zu.

Archäologische Untersuchungen

■ Im Jahre 2017 lag der Ausgrabungsumfang bei 225 Untersuchungen und damit über dem Niveau des Vorjahres. Fast 40 Prozent der Untersuchungen entfielen auf ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger.

■ 113 Grabungen wurden von Firmen ausgeführt. In 24 Fällen führte das Landesdenkmalamt die Untersuchungen selbst aus. Keine Grabung leitete die Untere Denkmalbehörde der Uckermark.

■ Bei allen Untersuchunen wurden 190 archäologische Fundstellen entdeckt, 93 durch Firmen und 86 durch Denkmalpfleger. Derzeit sind in der Uckermark 13 453 archäologische Fundstellen bekannt, die sich zu über 6500 Bodendenkmalen zusammenfassen lassen.

■ In diesem Jahr soll es weitere wichtige Ausgrabungen geben. Auf der geplanten Erdgastrasse werden rund 60 Großgrabungen stattfinden.

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