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Nach drei gescheiterten Versuchen fürchtet Bürgermeister Polzehl Imageschaden für Schwedt und greift selbst ein

Streitthema
Tourismusfusion wird Chefsache

Tourist Jens Hellwig aus Dresden besucht die Touristeninformation in Schwedt, Juni 2018
Tourist Jens Hellwig aus Dresden besucht die Touristeninformation in Schwedt, Juni 2018 © Foto: Michael Dietrich
Michael Dietrich / 13.06.2018, 20:45 Uhr
Schwedt (MOZ) Bürgermeister Jürgen Polzehl will das Scheitern der Tourismusfusion offenbar nicht hinnehmen. Jetzt macht er die Kräftebündelung von Tourismusverein und AG City nach drei gescheiterten Versuchen zur Chefsache und kündigt einen neuen, vierten Vorstoß an.

Der Antrag des Bürgermeisters in der Stadtverordnetenversammlung klingt unverdächtig: „Auszahlung des Marketingzuschusses an die Aktionsgemeinschaft City Schwedt und an den Tourismusverein Nationalpark Unteres Odertal“. 15 000 Euro soll jeder Verein erhalten, um Werbung und Marketing zu betreiben. Doch der Beschluss hat zwei andere, deutlich brisantere Punkte.

Der Bürgermeister will das Bekenntnis der Stadtverordneten für die Fusion und dafür das Verhandlungsmandat erhalten. Bisher hatte er seine für Wirtschaft und Tourismus zuständige Stellvertreterin und Chefin der AG City, Annekathrin Hoppe, frei agieren lassen. Nach drei gescheiterten Anläufen will Polzehl die Angelegenheit jetzt selbst in die Hand nehmen, um, wie er sagt, keine „Doppelstrukturen zu finanzieren“. Deshalb  zieht er die Sache an sich. Zur Chefsache machen, sagt man dazu. Das heißt auch, den bisher Verantwortlichen  von der Aufgabe zu entbinden. Diesen Schritt hatte Polzehl lange gemieden. Er müsse drohenden Schaden für die Stadt und die Region abwenden, sagt er zur Begründung, warum er es nun doch tut.

Der Imageschaden ist aber schon längst da. Nach dem Scheitern der Fusion hatten sich auf der letzten Bürgerdiskussion Schwedter regelrecht darüber entrüstet, dass der Tourismusverein und die AG City es partout nicht schaffen, ihre Kräfte zu bündeln. Statt gemeinsam mehr für ein gutes Image von Schwedt zu tun, mit den Stadthighlights und dem Nationalpark um Touristen und Gäste zu werben und sich um attraktive touristische Angebote zu kümmern, gingen Nachrichten über Streit, Misstrauen und gegenseitige Vorwürfe beider Vereine und über gescheiterte Einigungen aus Schwedt in die Welt.

Die Situation ist vertrackt. Zweimal hatte der Tourismusverein für die Fusion gestimmt, aber nicht mit der erforderlichen Zweitdrittelmehrheit. Selbst Vorstände hatten gegen die Fusion gestimmt, aus Protest über angeblich gebrochene Absprachen. Danach wollte die AG City nicht mehr und ließ die Mediation scheitern. Stehen blieben viele gegenseitige Vorwürfe und persönliche Verletzungen der Beteiligten. Gerüchte vom baldigen Austritt der Nationalpark-Stadt Schwedt aus dem Nationalpark-Tourismusverein machten die Runde. Die AG City drohte ihrem Untermieter Tourismusverein mit Kündigung und mit der Kampfansage, Tourismus künftig selber zu machen. „Das kann man keinem Bürger mehr erklären, wenn es zum Schluss zwei Tourist-Infos gibt. Ich hätte nie gedacht, dass das so ausartet“, sagt Jürgen Polzehl und fügt hinzu: „Aber ich bin optimistisch, dass wir es noch schaffen, die Kräfte zu bündeln statt zu teilen.“

Mit dem nach langer Krankheit zurückgekehrten Nationalpark-Leiter Dirk Treichel ist sich Jürgen Polzehl einig, dass die Fusion alternativlos ist. „Schwedt ist bundesweit die einzige Nationalparkstadt. So ein Juwel sollten wir schleifen und nicht zerstören. Wir werden noch einmal persönlich für die Fusion werben und haben dafür auch gute, zu 100 Prozent einvernehmliche Lösungen für alle Streitpunkte abgestimmt“, erklärte Dirk Treichel.

Seinen Lösungsvorschlag nennt der Bürgermeister noch nicht. Er will ihn erst mit den Vorständen beider Vereine besprechen. Zu klären ist, ob die Stadt einen oder zwei Vertreter in den Vorstand entsendet, wer Geschäftsführer wird, ob ein Tourismus-Manager eingestellt werden soll und welchen Namen der neue Verein führt. Der Vorschlag „Cito“ war selbst bei Fusions-Befürwortern durchgefallen.

Für den Fall, dass aber auch der vierte Versuch scheitert, kündigt der Bürgermeister schon jetzt an, dass es der letzte Versuch war. Die Stadtverordneten sollen den Bürgermeister in diesem Fall dazu ermächtigen, „entsprechend den Satzungen zu handeln“. Mit der verklausulierten Formulierung ist der Vereins-austritt gemeint. Dass die Stadt aus ihrem Innenstadt-Verein austritt, ist unwahrscheinlich. Eher droht ein Austritt aus dem Tourismusverein. Dieser wäre ohne Gelder der Stadt nicht überlebensfähig. Die Stadtverordneten beschließen über den Bürgermeister-Vorschlag am 20. Juni. Bis 30. Juni will das Stadtober-haupt das Problem geklärt haben. Warum? Wer 2019 aus dem Tourismusverein austreten will, muss bis 30. Juni kündigen.

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