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Oldtimer
Parade der Sahnestücken

Oliver Schwers / 26.06.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 26.06.2018, 07:57
Kunow (MOZ) Es war die Parade der Sahnestücke: Original erhaltene Oldtimer der Brandenburger Feuerwehrgeschichte rollten zum ersten Landestreffen historischer Feuerwehrtechnik nach Kunow.

Aufpolierter Chrom, rundes Blech, spartanische Armaturenbretter, abgewetzte Sitze, der typische Geruch von Öl. Jedes der 56 Fahrzeuge und Geräte atmet Geschichte. Wer sich in einen alten Löschwagen setzt, denkt sofort an Feuer, Sirenen, Blaulicht, Schutzhelme und Masken, an dramatische Einsätze und tragische Minuten. Die betagten Wagen haben ein aufregendes Leben hinter sich. Ohne sie wären Häuser abgebrannt, vielleicht Menschen und Tiere gestorben.

Aus allen Landesteilen sind Veteranen angereist zum ersten Brandenburger Treffen historischer Feuerwehrtechnik. Kunow erlebt die Parade der Sahnestücke. Die geliebten Oldtimer sind nach ihrer Ausmusterung von engagierten Feuerwehrleuten gerettet worden und führen nun ein viel beachtetes Traditionsleben. Spitzentechnik zu DDR-Zeit – ein G5 von 1964 aus Rehfelde. Aus Bralitz rollt einer der legendären Robur an, die noch bis nach der Wende überall auf den Dörfern im Einsatz waren. Lang aufgereiht stehen solche unvergessenen Typen wie Granit, Garant, S 4000, K 30.  

Beim 1. Brandenburger Treffen historischer Feuerwehrtechnik in Kunow gab es nicht nur Feuerwehrfahrzeuge anzuschauen. Auch historische Handdruckspritzen, Motorspritzen und sonstiges Anhängegeräte waren zu sehen. Neben vielen anderen Dingen, zählt auch die Förderung der Traditionspflege in den Feuerwehren zu den Aufgaben des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg.  Dazu wird es ab diesem Jahr im Rhythmus von zwei Jahren ein „Treffen historischer Feuerwehrtechnik“ geben.
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1. Brandenburger Treffen historischer Feuerwehrtechnik

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„Die Traditionspflege ist überall weit verbreitet“, sagt Patrick Richter, Leiter des gleichnamigen Fachausschusses im Landesfeuerwehrverband und Chef des Kunower Museums. „Wir haben in der Vergangenheit viel Archivmaterial über die Chronisten gesammelt und wollten nun auch mal die Schrauber ansprechen.“ Angestrebtes Ziel: Erhalt der Technik in einem möglichst originalen Zustand.

Gleich mit drei W 50 sind die Fürstenwalder angereist, darunter der Prototyp eines umgebauten Schlauchwagens. Die Brandschützer von damals wussten sich zu helfen und fummelten einen alten Müllcontainerwagen um. „Wir können damit 3000 Meter Schlauch bei Tempo 30 vom Fahrzeug herunter verlegen“, berichtet Erhard Nickel. Auf diese Weise kam der Wagen nicht nur bei Bränden mit langer Wasserversorgung zum Einsatz, sondern auch bei Wasserausfall in Hochhäusern.

Als moderne Technik Einzug hält, verschwinden viele der altgedienten Veteranen aus den Garagen. „Doch dann hat einer einen lichten Moment gehabt und die hier gerettet“, erzählt Erhard Nickel. Jetzt stehen die Oldies unter dem Schutz der Alters- und Ehrenabteilung, die damit einst selbst zum Einsatz fuhren.

Das oberste Sahnestück kommt jedoch aus Zeuthen – ein Daimler Benz von 1928 mit einem Aufbau der Firma Koebe aus Luckenwalde. Hier glänzt noch Messing. Die Kameraden sitzen open air. Der restaurierte Löschwagen gehört zur brandenburgischen Verkehrsgeschichte. Mit ihm sind Zeuthener Helfer in den Bombennächten nach Berlin ausgerückt. Er hat das Neue Palais in Potsdam brennen sehen. Und als die sowjetische Besatzungsmacht das Gefährt 1945 konfiszieren will, bauen findige Geister einfach die Räder ab. 1958 endet die Dienstzeit und der ausgemusterte Mercedes soll in den Schrott, weil Metallknappheit herrscht. Doch wieder rettet eine findige Idee den musealen Kameraden: Man schiebt den Behörden einen gefälschten Schrottschein unter. Und dann kommt er zu neuen Ehren, als er 1987 am Umzug zum Berliner Stadtjubiläum teilnehmen darf. Seitdem wagt es niemand mehr, das seltene Prunkstück made in Brandenburg anzutasten.

Die Geschichten der Feuerwehrautos sind lang. Die ihrer Vorgänger noch länger. Gleich sieben Handdruckspritzen finden den Weg nach Kunow, einst von Pferden gezogen. Alle funktionieren. „Wir sind mit der Resonanz auf dieses erste Treffen dieser Art sehr zufrieden“, sagt Patrick Richter. Das nächste soll in zwei Jahren in Eisenhüttenstadt stattfinden. Bis dahin wird weiter geschraubt.

Prämierungen

■ Beim 1. Brandenburger Treffen historischer Feuerwehrtechnik wurden verschiedene Prämierungen vergeben. Der Preis für die älteste Handdruckspritze ging an die Feuerwehr Blumenhagen mit ihrer Handdruckspritze der Marke Gustav Ewald Cüstrin von 1893.

■ Die älteste Motorspritze/Tragkraftspritze stellte Julian Schwechheimer aus Wutzow zur Verfügung. Es handelte sich um eine Kleinmotorspritze Triumpf der Marke Hermann Koebe aus Luckenwalde, Baujahr 1927.

■ Das älteste Feuerwehrfahrzeug kam von der Feuerwehr Zeuthen mit ihrem Löschfahrzeug LF 10 der Marke Hermann Koebe aus Luckenwalde auf Daimler-Benz-Fahrgestell, Baujahr 1928. Es erhielt außerdem auch den Publikumspreis an diesem Tag.

■ Das älteste ausgestellte Anhängegerät – ein Luftschaum-Löschgerät LS II – zeigte das Uckermärkische Feuerwehrmuseum Kunow.

■ Die weiteste Anreise hatten die Teilnehmer der Feuerwehr aus Burg-Kauper mit einer Wegstrecke von rund 250 Kilometern.

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