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Ausbau der deutsch-polnischen Strecke wird 100 Millionen Euro teurer / Arbeiten beginnen in drei Jahren

Verkehr
Zweigleisig ab 2025

Oliver Schwers / 29.06.2018, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Im Jahre 2025 soll die Erneuerung der Bahnstrecke Angermünde-Stettin abgeschlossen sein. Das geht aus einer gemeinsamen Absichtserklärung des Bundesverkehrsministeriums, der Länder Berlin und Brandenburg und der Bahnunternehmen hervor.

Wer auf dem Angermünder Bahnhof in den Zug nach Stettin steigt, glaubt nicht daran, dass es sich hier um eine Bahnverbindung zwischen der deutschen Hauptstadt und der polnischen Hafenmetropole handelt. Die ab Passow eingleisige und nicht elektrifizierte Strecke mutet eher an, als ob sie irgendwann auf einer Wiese in der Sackgasse endet. Doch soll der vergessene Schienenweg in spätestens drei Jahren aus seiner Versenkung gezogen werden: Nach langem Kampf und schwierigen Verhandlungen steht der Ausbau zur zweigleisigen und voll elektrifizierten Verbindung nun wieder im vordringlichen Bedarfsplan des Bundes.

Details legten das Bundesverkehrsministerium, das brandenburgische Infrastrukturministerium, der Verkehrssenat von Berlin sowie die beteiligten Bahnunternehmen in einer gemeinsamen Absichtserklärung fest. Demnach belaufen sich die Gesamtkosten nun auf rund 400 Millionen Euro. Ursprünglich war lediglich eine Elektrifizierung geplant unter Beibehaltung der eingleisigen Verbindung. Doch regten sich daraufhin die Gemüter. Wenn man schon baut, dann auch richtig – so der Tenor aus der Uckermark. Der Kreistag wandte sich in einem Schreiben an die Kanzlerin. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke intervenierte ebenso. Jetzt kommt das zweite Gleis. Es kostet 100 Millionen Euro zusätzlich, um Bahnanlagen und Trassen anzupassen. Die Länder Berlin und Brandenburg teilen sich die Mehrausgaben und versuchen, dafür Fördermittel von der EU zu erhalten Alles andere finanziert der Bund.

Damit ist der Weg frei, um mit den Planungen zu starten. Daraus könnte sogar ein Pilotprojekt zur Beschleunigung des Planfeststellungsverfahrens werden. Nachdem sich viele Jahre in dieser Sache überhaupt nichts bewegte, drängen alle Seiten jetzt auf eine „rasche Verwirklichung dieses Vorhabens zur Verbesserung des nationalen und internationalen Schienenverkehrs zwischen den Metropolregionen Berlin und Stettin“, so heißt es in der Vereinbarung.

Dietmar Woidke bezeichnete die Absichtserklärung als „Meilenstein“. Jetzt müsse zügig geplant und umgesetzt werden. „Damit schaffen wir Voraussetzungen für deutlich verbesserte grenzüberschreitende Zugverbindungen“, so Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn.

Der Uckermark bringt der zweigleisige Ausbau auf der rund 40 Kilometer langen Strecke zwischen Passow und Stettin viele Vorteile. Die Züge in beide Richtungen werden schneller. Der Umstiegszwang in Angermünde entfällt. Pendler finden mehr Anschlussmöglichkeiten von und nach Berlin. Geplant sind derzeit 48 Personenzüge pro Tag in beide Richtungen. Damit würde Angermünde in der Hauptverkehrszeit im 30-Minuten-Takt angebunden sein.

Gebaut werden muss auch auf dem Bahnhof Passow. Bis hierher führen die elektrifizierten Abschnitte. Eine Anpassung der Technik ist notwendig. Ebenso sind die Bahnsteige und Einrichtungen an den Unterwegsbahnhöfen zu verändern.

Nach dem Abbau des zweiten Gleises durch Separationsleistungen an die Sowjetunion in Folge des Zweiten Weltkrieges blieben viele Teile der einst stark befahrenen Strecke liegen. Aufgrund der neu gelegten Grenze ging auch der gesamte Verkehr zurück. Dadurch wurde aus der einstigen Hauptstrecke nur noch eine Nebenbahn.

Am 15. August 1843 wurde der Abschnitt Angermünde-Stettin feierlich in Betrieb genommen und damit die Gesamtverbindung zwischen Berlin und Stettin eröffnet. Damit feiert die Linie in wenigen Wochen ihren 175. Geburtstag. Wegen des schnell wachsenden Verkehrsaufkommens wurde 1873 ein zweites Gleis gelegt. Der Verkehr wuchs daraufhin weiter.

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