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Bauernverband Uckermark macht auf dramatische Situation vieler Agrarbetriebe wegen extremer Ernteverluste aufmerksam

Ernte
Ohne Dürrehilfe droht Zahlungsunfähigkeit

Alles nur die halbe Miete: Landrätin Karina Dörk (r.) macht sich bei einem Feldrandgespräch des Bauernverbands Uckermark mit der Situation der Agrarbetriebe vertraut. 50 Ernteausfälle und mehr schlagen bei mehreren Kulturen zu Buche.
Alles nur die halbe Miete: Landrätin Karina Dörk (r.) macht sich bei einem Feldrandgespräch des Bauernverbands Uckermark mit der Situation der Agrarbetriebe vertraut. 50 Ernteausfälle und mehr schlagen bei mehreren Kulturen zu Buche. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 12.07.2018, 22:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Angesichts der akuten Situation bei vielen Bauern der Uckermark will Landrätin Karina Dörk die Bundeslandwirtschaftsministerin zu einem Vor-Ort-Termin einladen. Es geht um notwendige Dürrehilfen. Die extreme Trockenheit seit April führt zu enormen Verlusten.

Sollte es Hilfsprogramme geben, müssten sie schnell kommen und nicht erst in einem oder zwei Jahren wirksam werden. Das fordert der Bauernverband Uckermark. Bei einem Feldrandgespräch mitten in der Erntezeit schilderten Landwirte des Kreises die fatalen Folgen der wochenlangen Dürre. Die sind tiefgreifender als bisher angenommen. Das Jahr 2018 wird den Agrarbetrieben noch lange in den Knochen stecken. Zum dritten Mal in Folge fahren die Unternehmen eine schlechte Ernte ein, erst wegen der Nässe, nun wegen des ausgetrockneten Bodens.

Schon 2003 hatte es eine ähnlich prekäre Lage gegeben, doch waren da die Vorjahre nicht so dramatisch. Außerdem lagen die Pachtpreise nicht so hoch wie heute. „Bei einigen Betrieben droht die Zahlungsunfähigkeit“, so die Warnung der Bauern. Ihnen macht die gegenwärtige Liquiditätsschwäche die meisten Sorgen. Denn Bankkredite, Löhne und Gehälter sowie Saatgut müssen bezahlt werden. Doch der Erlös aus der Ernte in diesem Jahr liegt im Keller. Teilweise bis zu 60 Prozent Ausfälle hat der ausgebliebene Niederschlag seit Mitte April bei einzelnen Kulturen hinterlassen. „Wir kommen in die roten Zahlen“, so Manfred Mesecke, Vorsitzender des Bauernverbands Uckermark.

Normalerweise können große Betriebe, wie sie in der Uckermark häufig anzutreffen sind, solche Verluste durch andere Standbeine wie Biogas oder Tierproduktion ausgleichen. Doch in diesem Jahr ist es fataler als sonst. Aus den Vorjahren gibt es kaum Rücklagen, die Preise bei Tierprodukten wandern auf und ab, die Erträge aus dem Ackerbau erreichen nicht mal die Minimalhoffnungen. Und dann haben sich auch noch die Pachten immer weiter erhöht. „Es herrscht eine Risiko-Lage“, so Mesecke. „Wir können teilweise nicht einmal mehr die Pachten erwirtschaften.“ Das bedeutet: Der Bauer hat umsonst das Feld bestellt.

Selbst wenn die Aufkaufpreise wider Erwarten in die Höhe schnellen sollten, können viele Unternehmen nicht davon profitieren, weil sie bereits Vorverträge vor der Ernte gemacht haben. Doch die Getreidemenge reicht nicht aus. „Wir brauchen jetzt eine schnelle und unbürokratische Hilfe“, so der Tenor aus dem Bauernverband.

Jetzt will Landrätin Karina Dörk die Politik in Berlin und Potsdam sensibilisieren. Dort lässt man bereits die von Dürre betroffenen Ackerflächen auflisten. Es dürfte sich in der Uckermark um die meisten Felder handeln, denn selbst der spät zu erntende Mais ist stellenweise verkümmert. „Wir werden versuchen, die Bundeslandwirtschaftsministerin einzuladen“, so Karina Dörk. Außerdem werde ein Brief an Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger vorbereitet.

Auch mit dem einsetzenden Regen ist das Drama auf dem Acker nicht beendet. Schon jetzt steigen die Strohpreise, weil einfach weniger davon angefallen ist. Das fehlende Futter wird sich erst in einigen Monaten bei den Tierhaltebetrieben bemerkbar machen. Um die Not zu lindern, dürfen derzeit sogar ökologische Vorrangflächen für Futteranbau genutzt werden. Doch es wirkt die komplizierte europäische Agrar-Bürokratie nach: Geht es um Stilllegung oder Beihilfen, dann könnten sich solche Lösungen im Nachgang bei den schwierigen Berechnungen als Bumerang erweisen. „Es ist eine Katastrophe“, so das Fazit von Jörg Schubert vom Kreislandwirtschaftsamt. „Und keine kleine.“

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