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Fünf Jahre war der Bestand in der Region total zusammengebrochen / Jetzt gibt es wieder sechs Brutpaare

Natur
Die Rückkehr der Schleiereulen

Freude beim Eulen-Vater: Helmut Schmidt, seit vielen Jahren engagierter Erfasser und Experte von Schleiereulen im Altkreis Angermünde, freut sich über den Nachwuchs von fünf jungen Schleiereulen in einem der aufgestellten Nistkästen in Zichow.
Freude beim Eulen-Vater: Helmut Schmidt, seit vielen Jahren engagierter Erfasser und Experte von Schleiereulen im Altkreis Angermünde, freut sich über den Nachwuchs von fünf jungen Schleiereulen in einem der aufgestellten Nistkästen in Zichow. © Foto: Olaf Rochlitz
Oliver Schwers / 09.08.2018, 22:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Fünf Jahre lang hat es keine Schleiereulen mehr zwischen Angermünde und Schwedt gegeben. Jetzt sind sie zurück: Überglückliche Naturschützer haben schon 31 Junge in diesem Jahr gezählt. Sie hocken auf Kirchtürmen und in Scheunen.

Ihr helles Gefieder und ihr herzförmiges Gesicht gehören zu ihren wesentlichsten Erkennungsmarken. Und sie sind empfindlich. Im Gegensatz zum Kollegen Waldkauz oder Uhu können Schleiereulen keine Fettdepots im Körper bilden, um dadurch längere Hungerperioden zu überstehen. Also müssen sie durchweg genügend Mäuse fangen. Doch genau das ist ihr Problem: Wenn längere Zeit Schnee über zehn Zentimeter liegt, dann können die Tiere nicht überleben. Genau das ist vermutlich in den Wintern 2009/10 und 2010/11 geschehen. Da lagen an über 40 sowie an über 20 Tagen mehr als zehn Zentimeter Schnee. Die Schleiereulen flüchteten wahrscheinlich in wärmere Gegenden. Denn tote Schleiereulen sind bisher hier in der Region nicht gefunden worden.

Die Folge: Fünf Jahre lang gab es keine Schleiereulen mehr im Altkreis Angermünde und im Raum Schwedt. Dabei wuchsen 2008 noch 127 Jungeulen auf. So oft Olaf Rochlitz und Eulenvater Helmut Schmidt, der sich schon seit 1984 dem Schleiereulenschutz widmet, auch in die eigens aufgebauten Nistkästen schauten – sie fanden keine Tiere mehr vor. Zwischen 2011 und 2015 stießen sie bei den Kontrollen nicht mal auf Hinweise zur Anwesenheit von Schleiereulen, zum Beispiel auf frische Gewölle oder Federn. „Der Bestand im Altkreis Angermünde war damit total zusammengebrochen“, so Olaf Rochlitz.

Doch die beliebten Eulen sind wieder zurück. Schon 2016 entdeckten die besorgten Vogelwächter auf ihren regelmäßigen Touren 15 Junge in vier Nistkästen. Auch 2017 blieb es bei vier Brutpaaren mit schon 17 Nachwuchstieren. Und aktuell haben Helmut Schmidt und Olaf Rochlitz sechs Brutpaare mit 31 Jungeulen registriert. „Es zeigt sich, dass es doch sehr lange dauert, bis sich eine einmal zusammengebrochene Population wieder aufbaut“, so Olaf Rochlitz. „Da die zurückliegenden Winter doch vergleichsweise mild waren, hatten wir gehofft, schon früher Brut- oder wenigstens Anwesenheitsnachweise zu finden.“

Die sechs Paare nisten derzeit auf den Kirchtürmen von Welsow, Biesenbrow und Fredersdorf, in einem Stallgebäude in Zichow, im alten Pumpenhaus von Alt Galow und beim Wasser- und Bodenverband in Passow. Viele der rund 100 in der Region existierenden Nistkästen sind bereits sehr alt, wurden seit 1984 in Kirchen, Scheunen, Eiswachhäusern, Trafohäusern und anderen geeigneten Gebäuden angebracht. Ein- bis zweimal im Jahr schauen die Naturschützer hinein, denn Schleiereulen brüten auch zweimal.

Die Gefahr ist aber nicht gebannt. Olaf Rochlitz macht sich Sorgen über das nur langsame Anwachsen der Population. „Offensichtlich spielen hier aber noch andere Faktoren eine Rolle wie zum Beispiel Monokulturen in der Landwirtschaft und das zunehmende Fehlen von artenreichem Grünland, der fehlende Zugang zu Scheunen, in denen sich Mäuse aufhalten sowie der Gifteinsatz in der Landwirtschaft, der Vorkommen von Insekten und Mäusen stark reduziert.“

Die Eulen-Wächter hoffen, dass es trotzdem wieder aufwärts geht. Der Rekord lag 1992 bei immerhin 158 Jungen. „Dies wird jedoch nur gelingen, wenn – abgesehen von nicht beeinflussbarer Witterung – Naturschützer und Landwirte an einem Strang ziehen und gemeinsam versuchen, die Lebensbedingungen auch für Schleiereulen wieder zu verbessern“, sagt Olaf Rochlitz. „Zahlreiche Beispiele dafür gibt es bereits.“

Auch bauliche Veränderungen haben zur Reduzierung der Art in vielen Gebieten geführt. Die früher üblichen Eulenlöcher in Scheunen und Ställen werden heute häufig dicht gemacht. Da hat der fliegende Mäusejäger keine Chance.

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