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Theater 89 setzt das einzigartige Dreijahresprojekt „Die Heiden von Kummerow“ mit zweiter Premiere fort

Theater
Die Heiden sind zurück im Bruch hinterm Berge

Daniela Windolff / 30.08.2018, 20:31 Uhr - Aktualisiert 31.08.2018, 08:54
Biesenbrow (MOZ) Das Thetaer 89 setzt das einzigartige Dreijahresprojekt „Die Heiden von Kummerow“ fort und bringt am 8. September die nächsten acht Kapitel auf die Bühne mitten in die Landschaft aus Ehm Welks Kindheit. Zwölf Stunden lang wird hier an Originalschauplätzen Theater gelebt.

Der Kirchturm und die Wiesen am Bach werden zur Bühne, Strohballen zur Publikumstribüne, Dorfbewohner zu Schauspielern und die Landschaft im Bruch hinterm Berge zur atemberaubenden Kulisse. Das sind „Die Heiden von Kummerow“, wenn das Theater 89 sie in Szene setzt. Ein einmaliges Projekt als 12-Stunden-Open-Air-Spektakel, das in drei Jahren alle 24 Kapitel des Romans erzählt. Der erste ausverkaufte Teil sorgte 2017 trotz des Regenwetters für Begeisterungsstürme beim Publikum, das auch von weit her nach Biesenbrow kam, um so ein einzigartiges Schauspiel mitzuerleben. Nun folgt der zweite Teil, der wiederum eine Premiere ist, denn nichts wiederholt sich. Lediglich in der Logistik sind die Biesenbrower nun erfahrener. Für 400 Besucher ist Platz. Der Kartenverkauf läuft auf Hochtouren: „Viele sind Wiederholungstäter und haben schon kurz nach dem ersten Teil Karten reserviert. Rund 350 sind schon verkauft“, so Joachim Frank.

Der Landkulturverein, die Feuerwehr und viele Einwohner des Dorfes unterstützen das Projekt, bauen mit auf, stellen Höfe und Acker zur Verfügung, kümmern sich um die Versorgung und Absicherung, spielen Rollen und Statisten. Sogar eine Kuhherde bekommt eine Statistenrolle und wird extra auf eine Weide getrieben. Die Kapitel 9 bis 16 sind philosophischer und epischer als im ersten Teil, kündigt Frank an. Es geht um Väter und Söhne, um das Ei der schwarzen Henne, um eine verirrte Kartoffel, um Tätowierungen und um Afrika, das die Kummerower Kinder vom Kirchturm aus zu sehen glauben, wo Johannes in der berühmten Szene „Zwischen Himmel und Erde“, dem Pastor vom Kirchturm aus auf den Hut pinkelt.

Die Idee für dieses Projekt hatte der Regisseur vom Thetaer 89,  Joachim Frank. Fasziniert vom Roman um die Kummerower Dorfkinder, die mit naiver, lausbübischer Aufmüpfigkeit gegen kirchliche Doktrinen und gesellschaftliche Ungerechtigkeit aufbegehren, wollte Frank diesen Roman dort spielen, wo er handelt: in der Dorfschule, am Mühlbach im Bruch, auf dem Kirchacker und dem Kirchturm. In Biesenbrow sind diese Schauplätze noch so erhalten, wie sie Ehm Welk einst beschrieb. Und genauso unverfälscht möchte Frank auch dessen poesievolle, reiche Sprache vermitteln und inszenierte den Roman deshalb als szenische Lesung. Der Originaltext wird von einem professionellen Schauspieler gelesen, die Szenen und Dialoge von Profis und vielen Laiendarstellern aus dem Dorf und Umgebung  gespielt. Damit ist dem Theater 89 etwas ganz Neues und Einmaliges gelungen.

Neben schon bekannten Gesichtern in den Hauptrollen, wie Eckhard Kolle als Pastor Breithaupt, Michael Heise als Kantor Kannegießer und Peter Paul als Nachbar Kienbaum, sind auch viele neue Darsteller dabei. Sogar ganze Familien. Janine Dornberg aus Biesenbrow hatte die Premiere im vergangenen Jahr miterlebt und ist nun mit Mann und Sohn Teil der „Heiden“-Familie. Auch Kathrin Schneider schlüpfte von der Rolle als Zuschauer in der „VIP-Lounge“, denn sie wohnt direkt gegenüber vom Schulhaus, in die der Luise Bärensprung. „Ich bin in Biesenbrow  und somit mit Ehm Welk aufgewachsen. Das Theater setzt das Buch ganz toll um.“ Jakob (9) und Elias (8) werden wieder die Hauptrollen Martin und Johannes spielen. Den kessen Jungs sind diese Rollen auf den Leib geschrieben. „Die finde ich geil, weil sie so schön frech sind, aber auch gerecht“, meint Jakob. „Sie wollen das Gute! Und wir auch“, ergänzt Elisas. Ihre Eltern sind Theaterleute. Ob sie später einmal Schauspieler werden wollen? Jakob überlegt kurz: „Nö, ich mach das ja so oft. Lieber Treckerfahrer!“

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