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Ehm Welk-Literaturpreis für Kena Hüsers und ihre Geschichte „Die Christanje“ in Biesenbrow verliehen

Ehm Welk-Literaturpreis
Der Baum, der die Zeit anhält

Ausgezeichnet: Uckermark-Landrätin Karina Dörk (l.) überreicht Kena Hüsers in der Dorfkirche Biesenbrow den mit 2000 Euro dotierten Ehm Welk-Literaturpreis 2018. Es ist der 14. seit 1992.
Ausgezeichnet: Uckermark-Landrätin Karina Dörk (l.) überreicht Kena Hüsers in der Dorfkirche Biesenbrow den mit 2000 Euro dotierten Ehm Welk-Literaturpreis 2018. Es ist der 14. seit 1992. © Foto: Ute & Andreas Ludwig
Daniela Windolff / 24.09.2018, 21:00 Uhr
Biesenbrow (MOZ) Der 14. Ehm Welk-Literaturpreis ist verliehen. Die Preisträgerin 2018 heißt Kena Hüsers und wurde am Sonntag in einer Festveranstaltung in der Dorfkirche Biesenbrow von Uckermark-Landrätin Karina Dörk ausgezeichnet.

Eine alte Kastanie hat die magische Kraft, die Zeit anzuhalten, sobald man sich unter ihr Blätterdach setzt. Was für das kleine Mädchen einem Zauber gleichkam, den nur sie und ihre Oma erlebten, ist für sie als erwachsene Frau im Gehetztsein des Alltags fast vergessen. Erst als sie 25 Jahre später auf dem Weg zum Grab der Großmutter den alten Baum ihrer Kindheit wieder sieht und sich für einen Moment unter sein Blätterdach setzt, spürt sie diese Magie des Augenblicks, als wäre die Zeit stehen geblieben. Die „Christanje“, wie ihre Oma die Kastanie auf Plattdeutsch nannte, ruht noch immer an ihrem Platz, während das Mädchen von früher im durchorganisierten Alltag den Blick für diesen Moment fast verloren hatte.

Von dieser Begegnung mit dem Baum und den Träumen der Kindheit erzählt Kena Hüsers Geschichte „Die Christanje“, vom Innehalten in einer Zeit, die Geld ist, von der Angst, das Unvorhersehbare nicht kalkulieren zu können, von der Liebe zu ihrer Großmutter und deren Plattdeutsch, das so viel wärmer klingt, als Hochdeutsch.

Es ist die Geschichte, die Kena Hüsers zur Preisträgerin des 14. Ehm Welk-Literaturpreises macht.  Die fünfköpfige Jury der Uckermärkischen Literaturgesellschaft hat sie aus insgesamt 21 Einsendungen des diesjährigen Literaturwettbewerbes ausgewählt. Erstmals wurde der Wettbewerb, der seit 1992 alle zwei Jahre durch den Landrat der Uckermark ausgelobt wird, nicht nur auf Brandenburger Autoren beschränkt, sondern bundesweit ausgeschrieben. Für die Jury sind die Autoren zunächst anonym, Namen und Herkunft werden erst nach ihrer Entscheidung bekannt gegeben. Autorin Kena Hüsers stammt eigentlich aus Norddeutschland und lebt seit drei Jahren in Angermünde.

Mit Karina Dörk ist es erstmals eine Landrätin, die in der Dorfkirche Biesenbrow den mit 2000 Euro dotierten Preis übergeben durfte. Biesenbrow als Geburtsort des Schriftstellers Ehm Welk sei der ideale Ort für die Verleihung des nach ihm benannten Literaturpreises, dessen literarisches Erbe bewahrt werden soll, betonte Karina Dörk. Roland Schulz hielt als Preisträger des Wettbewerbs 2016 eine berührende Laudatio und  nutzte diese Gelegenheit, auch dem Landkreis Uckermark zu danken, der dem Literaturpreis nicht nur Autoren, sondern auch die Sprache als Kulturgut fördert. Das sei nicht selbstverständlich. Ihn faszinierte an der Preisträgergeschichte der Kontrast zwischen dem hektischen Zeitgeist und der Magie des Augenblicks, den jeder Zuhörer mit seinen eigenen Assoziationen, Bildern und Gefühlen spüren kann.

„Du musst aufhören zu denken, wenn Du es erleben willst“, lässt Kena Hüsers die Heldin ihrer Geschichte sagen, als deren Ehemann unter dem Kastanienbaum zu drängeln beginnt, um rechtzeitig im teuer bezahlten Wellnesshotel anzukommen.

Ob die Christanje es schafft, auch für ihn die Zeit anzuhalten? Die Gäste der Preisverleihung jedenfalls haben es erfahren. Alle anderen haben dazu Gelegenheit, wenn die Uckermärkische Literaturgesellschaft zu weiteren Lesungen mit Kena Hüsers und anderen Wettbewerbsteilnehmern in den kommenden Wochen einlädt.

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Christanje Kena Hüser Preisträgerin Roland Schulz Dorfkirche

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