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Mit hochmoderner Sonartechnik untersuchen Wissenschaftler die Reste der Slawenbrücke im Oberuckersee.

Archäologie
Teufelsrochen im Oberuckersee

Oliver Schwers / 04.10.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 04.10.2018, 07:51
Warnitz (MOZ) Unterwasserarchäologen haben einen Mantarochen in den Oberuckersee gelassen. Doch der täuschend echt aussehende Fisch ist im Auftrag der Wissenschaft unterwegs. Es handelt sich um ein hochmodernes Vermessungsgerät, das die berühmte Slawenbrücke am Seegrund untersucht.

Er kann sogar die Flossen auf und nieder bewegen. Und selbst ein Seil kann Manta greifen. Was ihn aber besonders auszeichnet, ist ein spezielles Kommunikationssystem: Während er in fünf Meter Tiefe dahinschwimmt, erkundet er akribisch den Boden des Oberuckersees. Er sucht allerdings keine Beute, sondern erfasst haarscharf alle Hindernisse, die er findet. Die Szenerie erinnert an einen Science-Fiction-Film. Ihm folgt ein Sonobot auf der Wasseroberfläche. Das Mini-Boot steht in Kontakt mit BOSS Manta Ray, so die offizielle Bezeichnung des UFO-Rochens. Sonobot wird wiederum über GPS-Daten gesteuert. Gleich dahinter kreuzt ein Schlauchboot auf dem See, vollgepfropft mit Computern und Technik.

Bei der spektakulären Aktion handelt es sich nicht etwa um eine geheime Militäroperation, sondern um einen wissenschaftlichen Vermessungsversuch im Auftrag der Geschichtswelt. Unterwasserarchäologen erforschen gerade die berühmte Holzbohlenbrücke der Slawen, die einst quer über den Oberuckersee verlief und den damaligen Burgwall auf der Insel an zwei Stellen mit dem Festland verband. „Wir wissen natürlich, wo sich die Reste der beiden Brücken befinden“, erklärt Dietgard Kühnholz vom Verein für Unterwasserarchäologie Berlin-Brandenburg. „Doch das neue Gerät arbeitet hochfrequent. Wir erhoffen uns nun saubere Daten über den genauen Verlauf der Pfeiler.“

Schon Ende der 1990er-Jahre haben Taucher mühsam versucht, die gesamte rund zwei Kilometer lange Strecke zwischen dem Seehausener Ufer und der Insel zu vermessen. Unter Wasser ist das aber ein schwieriges Unterfangen, zumal die Slawen eben schon vor 1000 Jahren eine logistische Meisterleistung zuwege brachten und sogar Höhenunterschiede im Seeboden von bis zu 18 Metern überwanden. Der einst betriebene Riesenaufwand stellt die Fachwelt immer noch vor Rätsel. Südlich eines Brückenkopfes befindet sich ein merkwürdiges 100 mal 100 Meter großes Plateau. Steht die ganze Anlage möglicherweise im Zusammenhang mit einem größeren Handelsplatz im Mittelalter? Die Rochen-Drohne soll zur Klärung beitragen, weil sich die Forscher mit den akribischen Messdaten ein besseres Bild machen können. Ob es gelingt, wird die Auswertung zeigen. Denn das Unternehmen ist ein Test.

Der Verein arbeitet eng mit der Hersteller-Firma EvoLogics aus Berlin zusammen, die hochmoderne Unterwasser-Positionierungs- und Kommunikationstechnik herstellt. Das Unternehmen ist eine frühere Ausgründung der Technischen Universität. „Wir liefern Systeme für Forschung und Entwicklung“, sagt Thomas Tietz von EvoLogics und praktischerweise gleich selbst Mitglied im Verein. Seinen Manta gibt es bisher nur viermal weltweit.

Einen Auftraggeber für die Mission Oberuckersee gibt es aber nicht. Die fast einwöchige High-Tech-Expedition geschieht aus rein ehrenamtlichem Geschichtsinteresse. Der Verein für Unterwasserarchäologie ist überall unterwegs, wo Taucher und Spezialisten bei der Aufklärung von Rätseln in Seen oder Flüssen helfen können. Die Denkmalbehörden sind informiert, bekommen hinterher die Auswertung. „Das Ganze macht viel Spaß“, erzählt Dietgard Kühnholz. „Bei uns sind alle Berufsgruppen vertreten, wir holen auch Sporttaucher hinzu. Als Archäologen sind wir gehalten, das Wissen mit vielen Menschen zu teilen.“ Und so vermitteln sie anschaulich, dass eine pure Suche nach Funden der Wissenschaft nichts bringt. Nur im Zusammenhang mit dem Fundort geben sie ihre Geschichte preis. Unter Wasser halten sich organische Reste länger.

Die meisten Projekte dieser Art ziehen sich über Jahre hin. Und so kann EvoLogics dabei ganz bequem seine Technik erweitern und verbessern. Vielleicht löst der intelligente Drohnen-Rochen noch manches andere Geheimnis der alten Uckermark-Slawen, welches mit bloßem menschlichen Auge sonst nie zu klären wäre.

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