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Angehörige starten nächste Unterschriftenaktion gegen das neue Pflegestärkungsgesetz

Senioren
Heimbewohner weiter geschröpft

Machen wieder mobil: Siegmar Engelmann (r.) und Klaus-Dieter Puhr sammeln mit anderen Mitstreitern wieder Unterschriften gegen die geplante Erhöhung des Eigenanteils der Pflegekosten in Seniorenheimen.
Machen wieder mobil: Siegmar Engelmann (r.) und Klaus-Dieter Puhr sammeln mit anderen Mitstreitern wieder Unterschriften gegen die geplante Erhöhung des Eigenanteils der Pflegekosten in Seniorenheimen. © Foto: Kerstin Unger
Kerstin Unger / 05.10.2018, 21:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Die Pflegereform und die Bemühungen zur Behebung des Pflegenotstandes in den Heimen gehen an den Pflegebedürftigen vorbei. Das stellen die Heimbewohner und ihre Angehörigen fest und starten jetzt die nächste Unterschriftenaktion.

Die alten Menschen fühlen sich in den Senioren- und Pflegeheimen der Region gut betreut. Die Einrichtungen sind in Ordnung, das Personal freundlich. Für die Bewohner wird viel an Freizeitbeschäftigungen und Veranstaltungen geboten. Und doch haben viele Heimbewohner Angst, dass ihre Ersparnisse bald nicht mehr reichen. Nach den erheblich erhöhten Eigenanteilen an den Pflegekosten in diesem Jahr sollen diese im nächsten Jahr weiter steigen. „Viele Bewohner überlegen, wie lange sie noch hier bleiben können und denken, sie müssen raus, wenn ihr Geld alle ist. Manche Leute kennen noch das Armenhaus aus eigenem Erleben“, sagt Klaus-Dieter Puhr, dessen Mutter im AWO-Heim wohnt.

In Siegmar Engelmanns Familie gibt es gleich zwei Angehörige, die der Heimbetreuung bedürfen. Die bisherige Anhebung des Eigenanteils an den Pflegekosten übersteigt bereits die Möglichkeit vieler Betroffener. Siegmar Engelmann und Klaus Dieter Puhr aus Angermünde sowie weitere Angehörige von Heimbewohnern haben sich dagegen gewehrt. Die geforderten 700 Euro mehr im Monat konnten auf 500 Euro gedrückt werden. Doch nach dem neuen Pflegestärkungsgesetz, das Gesundheitsminister Spahn präsentiert hat und am 1. Januar 2019 in Kraft tritt, werden die Belastungen der Betroffenen weiter erhöht. „Der Eigenanteil soll von derzeit 1804 auf 2056 Euro steigen. Es soll lediglich mehr Pflegekräfte geben, die wir mitbezahlen“, erklärt Engelmann.

„Na klar, das Pflegepersonal muss ordentlich bezahlt werden. Aber das Geld kommt nicht bei ihnen an. Wenn man fragt, wo es bleibt, bekommt man keine Auskunft“, beklagt Klaus-Dieter Puhr.“

Weder von der Pflegeverantwortlichen bekomme man Antworten, noch hätten sich Landtagsvertreter der Region oder Parteien dazu geäußert, als man im Vorfeld der letzten Teuerung an sie herantrat. „Es wird Zeit, dass sich die Kommunalpolitik einschaltet. Schließlich würde auch der Landkreis Uckermark in nicht geringen Dimensionen belastet, wenn die Eigenanteile für die Pflegekosten steigen“, erklärt der Angermünder. Wenn die eigene Rente und die Ersparnisse nicht reichen, müssen Besitz und Grundstücke verkauft werden. Bis auf 3000 Euro für die Sterbevorsorge und insgesamt 5000 Euro auf dem Konto gehe alles für die Pflegekosten weg. 110 Euro stehen dem Heimbewohner lauf Gesetz als Taschengeld im Monat zu. „Das reicht für Frauen gerade mal, um zum Friseur zu gehen“, verdeutlicht Siegmar Engelmann.

Wenn das eigene Geld aufgebraucht ist und auch Angehörige nicht zur Kasse gebeten werden können, müssen die Betroffenen Unterstützung beim Sozialamt beantragen. „Das ist für viele ganz schlimm. Meine Mutter würde zusammenbrechen, wenn sie das noch mitbekäme“, sagt Klaus-Dieter Puhr.

Den Betroffenen, die sich nicht wehren können, soll Gehör verschafft werden. Die Angermünder schließen sich den bundesweiten Protesten an und starten in der nächsten Woche die nächste Unterschriftenaktion für eine Petition, denn das Problem kann jeden treffen.

Gefordert wird eine umfassende Pflegereform sowie eine Senkung des Eigenanteils der Pflegekosten in Seniorenheimen. Die Unterschriftenlisten liegen dann im Anger-Zentrum und im Uckermark-Center aus, anschließend auch in Schwedt im Oder-Center und im Centrum Kaufhaus (CKS). Auch in Apotheken und Seniorenheimen kann man seine Unterschrift leisten.

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