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Das Trauma DDR-Gefängnis

Kritische Texte: Karl-Heinz Bomberg war auf Einladung von Chefarzt Dr. Martin Sandner (stehend) zu Gast im Angermünder Krankenhaus.
Kritische Texte: Karl-Heinz Bomberg war auf Einladung von Chefarzt Dr. Martin Sandner (stehend) zu Gast im Angermünder Krankenhaus. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 23.10.2018, 19:20 Uhr
Angermünde (MOZ) Was macht politische Drangsal und Haft mit der Psyche von Menschen? Zum wiederholten Mal sprach der Berliner Psychotherapeut Dr. Karl-Heinz Bomberg vor Ärzten und Fachkräften der GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit sowie interessierten Gästen über eigene Hafterfahrungen in der DDR und Wege der Bewältigung. Der 1955 in Thüringen geborene Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie arbeitet heute als Psychoanalytiker mit eigener Praxis und behandelt viele durch Hafterfahrungen in der DDR traumatisierte Patienten. Darüber hinaus ist er als Buchautor und Liedermacher tätig.

Auf Einladung des Angermünder Chefarztes Dr. Martin Sandner war er kürzlich erneut im Angermünder Krankenhaus zu Gast. Er bot Leseproben aus seinem neuen Buch „Heilende Wunden – Die Aufarbeitung politischer Traumatisierung in der DDR“ und trug eigene Lieder vor, begleitet durch Erika Kunz am Keyboard.

Eindringlich beschreibt er perfide Unterdrückungsmethoden der Berufsspitzel und Zuträger des DDR-Staatssicherheitsdienstes und von Justizvollzugsbeamten. Den Widerstand von Menschen zu brechen und dabei deren Leben zu zerstören – was das wirklich bedeutet, können vielleicht nur Betroffene einschätzen, die in die Mühlen der DDR-Staatsmacht gerieten und oft lebenslang unter den psychischen Folgen leiden. Karl-Heinz Bamberg geriet 1981 bei einem Gitarrenfest in Leipzig ins Visier der Stasi wegen seiner kritischen Lieder, 1984 wurde er verhaftet und in eine Untersuchungshaftanstalt gebracht. Bamberg kritisiert, dass das Thema der Traumatisierung politisch Verfolgter auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall zu wenig Anerkennung findet. „Auch wenn sie Opfer wurden, haben sie doch mehr Charakterstärke als die Täter bewiesen, die auf ihre Weise selber Opfer sind – Opfer ihrer eigenen Erbärmlichkeit, ihrer armseligen Lebensbilanz, unzählige Menschen verhört, verfolgt, verraten zu haben“, so Bamberg. Viele Anstöße, Fragen und Gefühle löste diese Lesung aus und bot darüber hinaus fachlich interessante Einblicke in ein psychotherapeutisches Arbeitsgebiet, das wegen nur langsam „heilender Wunden“ aus DDR-Zeiten und neuer seelischer Erschütterungen durch Krieg und politische Verfolgung weiter aktuell bleibt.(dw)

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