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Untersuchung ermittelt 51 Arten im Landgrabenhain / Nabu ruft Kleingärtner zum Nachahmen auf

Untersuchung
Wildbienen mitten in der Stadt

Michael Dietrich / 14.11.2018, 06:45 Uhr
Schwedt (MOZ) In kürzester Zeit haben mehr als 50 unterschiedliche Wildbienenarten in Schwedt eine Heimat auf einer Wildblumenwiese des Naturschutzbundes gefunden. Eine wissenschaftliche Untersuchung hat 51 Arten von Wildbienen nachgewiesen, mehr als in vielen Biotopen in der freien Natur.

Rotraut Gille ist schlichtweg begeistert. Die Sprecherin des Nabu-Regionalverbandes und Initiatorin der Wildblumenwiese am Landgrabenhain hat seit Kurzem die Auswertung einer wissenschaftlichen Untersuchung vorzuliegen. Von Mai bis August hatte ein Student der Uni Potsdam die etwa Fußballfeld-große Fläche auf das Vorkommen von Wildbienen untersucht.

Das Ergebnis übertraf ihre kühnsten Erwartungen: Auf der Wildblumenwiese konnten 51 Bienenarten nachgewiesen werden, von denen 14 auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten in Brandenburg und 20 auf der Roten Liste von Deutschland stehen. 13 der Wildbienenarten wie zum Beispiel die Flockenblumen-Langhornbiene sammeln nur von ganz bestimmten Pflanzenarten den Pollen zur Ernährung ihrer Larven.

„Diese Vielfalt ist enorm, Wildbienen haben auf dieser Wiese offensichtlich bessere Lebensbedingungen vorgefunden als in mancher freien Landschaft, die vom Pestizideinsatz der industriellen Landwirtschaft beeinflusst ist“, sagt Rotraut Gille.

Sie und ihr Mann hatten die Stadt 2015 animiert, dem Bündnis Kommunen für Biologische Vielfalt beizutreten und mit gezielten Aktionen gegen den Verlust des Artenreichtums vorzugehen. Die Wiese im Landgrabenhain sollte als erstes Projekt zu einer Wildblumenwiese werden. Sie wird seither nur wenig gemäht. Ihre Pflanzenvielfalt wurde bestimmt und Wildsamen wurden zusätzlich ausgesät. Mit Kindern und unterstützt von der Stadt, baute der Nabu eine Wildbienenwand.

Mithilfe von Spenden konnte nun die Untersuchung durch das Tierökologische Institut von Christoph Saure, dem Wildbienenspezialisten Deutschlands, bezahlt werden. Nico Streese, Student des Masterstudiengangs Evolution, Ökologie und Naturschutz an der Universität Potsdam, hat die Wildbienen auf der Wiese mit einem Kescher gefangen. „Ich habe Blüten, Nisthöhlen im Boden und die Wildbienenwand abgesucht oder mit Farbschalen die Bienen gefangen. Für mich war es wirklich erstaunlich, wie schnell sich die Populationen der Wildbienen nach dem Anlegen der Wildblumenwiese entwickelt haben. Und ich rechne mit noch mehr Arten, wenn wir im Frühjahr die Untersuchung fortsetzen“, sagt der 35-Jährige.

Für den Nabu Schwedt ist das Ergebnis der Untersuchung ein Beweis für den Erfolg des Projektes. In kürzester Zeit konnte eine Fläche mit guten Blüten- und Nistplatzangeboten gestaltet werden, die zum Lebensraum für eine artenreiche Wildbienen-Gemeinschaft wurde. Mit dem Projekt will der Nabu auch Werbung bei Kleingärtnern und Gartenbesitzern machen.

„Mit so einfachen Dingen, die nichts kosten, kann jeder aktiv die Artenvielfalt in unserer Stadt unterstützen. Das kann die Wildblumenecke im Kleingarten sein oder eine Wiese, auf der das Gras und die Blumen länger stehen bleiben und blühen können“, sagt Rotraut Gille.

Vielfalt auf der Wildblumenwiese

Wildblumen-Vorkommen auf der Schwedter Wildblumenwiese (Beispiele):

Gemeine Scharfgarbe

Nickende Diestel

Skabiosen-Flockenblume

Sand-Strohblume

Rainfarn

Kleiner Odermennig

Silber-Fingerkraut

Hasen-Klee

Gewöhnliches Leinkraut

Schwarze Königskerze

Gamander-Ehrenpreis

Krauser Ampfer

Echtes Labkraut

Wiesen-Salbei

Tüpfel-Hartheu

Spitzblatt-Malve

nachgewiesene Wildbienenarten auf der Schwedter Wildblumenwiese (Bsp.):

Andrenidae (Sandbiene)

Colletidae (Seidenbiene)

Halictidae (Furchenbiene)

Melittidae (Sägehornbiene)

Megachilidae (Blattschneiderbienen)

Apidae (Echte Biene)

Eucera dentata (Flockenblumenlanghornbiene)

Andrena nasuta (Ochsenzungen-Sandhornbiene)

Dasypoda hirtipes (Hosenbiene)

Megachile ericetorum (Heide-Blattschneiderbiene)

Osmia brevicornis (Schöterich-mauerbiene)

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