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Segen für die Schmargendorfer Hemme-Molkerei beim ökumenischen Kreisjugendgottesdienst / 800 Euro bringt Spendenaktion Milky-Pay

Religion
Eine Couch als Kirchenkanzel

Oliver Schwers / 19.11.2018, 06:15 Uhr - Aktualisiert 19.11.2018, 09:35
Schmargendorf (MOZ) Mit Milch haben 160 junge Leute der evangelischen und katholischen Kirche einen ökumenischen Kreisjugendgottesdienst gefeiert. Bei dem lange vorbereiteten Großereignis wurde die Hemme-Molkerei in Schmargendorf gesegnet. Und der Firmenchef gleich mit.

Alles ist anders als bei einem normalen Gottesdienst. Die Orgel wird durch die Kreiskirchenband ersetzt. Anstelle von Altarbildern werfen Beamer Videos an die Leinwand. Eine Kamera begleitet alle Teile des Gottesdienstes mit Live-Übertragung. Eine Couch stellt die Kanzel dar. In der Predigt geht es um Milch. Und das Ganze findet im neuen Erlebnisbereich der Hemme-Molkerei statt. Firmenchef Gunnar Hemme könnte künftig mit Fug und Recht „gesegnete Milch“ auf seine Verpackungstüten drucken lassen. Er hat die Jugendlichen eingeladen, weil seine älteren beiden Kinder konfirmiert wurden und sich als Teamer in der Jugendkirche der Uckermark engagieren. Als er sie zu einem früheren Kreisjugendgottesdienst mit dem Auto brachte, war er begeistert von der Atmosphäre. Und genau die wiederholt sich an diesem Tag in seinem Hofladen.

Junge Leute aus allen Teilen des Kreises zeigen, dass sie ihren Glauben anders als ihre Eltern- oder Großelterngeneration leben können. Hat der vertraute Gottesdienst etwa ausgedient? Ist das der Grund, warum manche Pfarrer nur noch vor einer Handvoll Menschen predigen? „Nein“, sagt Jugendpfarrer Falko Becker. „Das Vertraute ist gut. Und die Elemente des Gottesdienstes haben die Jugendlichen auch übernommen. Sie bringen aber einige moderne Elemente mit hinein, präsentieren sich selbst und machen Gottesdienst von, mit und für Jugendliche.“ 

Bei Hemme-Milch in Schmargendorf wurde der Hofladen mit einem ökumenischen Kreisjugendgottesdienst feierlich gesegnet. 160 Menschen aus allen Teilen der Uckermark beteiligten sich daran.
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Oekumenischer Kreisjugendgottesdienst

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Becker ist Tontechniker, Beamer-Bediener und Mit-Moderator. Er springt quer durch die Molkerei-Kirche, als der Strom ausfällt, muss ans Mikro, um Begriffe wie Segen oder Fürbitte kindgerecht zu erklären und wirbt für die Spendenaktion Milky-Pay. Ziel: Eine Familie, die es sich sonst nicht leisten würde, bekommt so lange jede Woche Milch und Joghurt von Hemme geliefert, wie das Geld reicht. Dafür haben alle Mitmacher Fotos bei Instagram hochgeladen und dafür Sponsoren gesucht. Zusammen mit Kollekte und anderen Spenden kommen 800 Euro zusammen.

Milch zieht sich durch den gesamten Gottesdienst. Schon in der Bibel ist davon die Rede. Und so mahnen die Jugendlichen in der Predigt, regionale Produkte zu kaufen, die Natur zu schonen, eben nicht jedes Jahr das Handy zu wechseln, Gottes Schöpfung zu bewahren, Plastik-Müll zu vermeiden und mit dafür zu sorgen, dass jeder Mensch Zugang zu Lebensmitteln hat.

Durch den Gottesdienst führen Leoni Großgebauer (15) und Raphaela Krupsky (16). „Man ist total aufgeregt und hat Angst, irgendetwas zu vergessen“, sagt Leonie, die selbst gar nicht konfirmiert wurde. Aber das stört niemanden. „Erst habe ich gedacht, dass ich in meinem Umfeld die einzige wäre, die an Gott glaubt“, sagt Raphaela. „Aber dann habe ich gemerkt, dass es viele sind.“

40 aktive Teamer der Jugendkirche denken sich allerhand neue Sachen aus, arbeiten mit Video und Handy, spielen in der Band und organisieren „Wunderfinder-Gottesdienste“. Dabei erzählen sie eine biblische Wundergeschichte auf moderne Art. „Statistisch gesehen haben wir heute in der Kirche zwar weniger Jugendliche als früher, aber die Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen steigen“, sagt Falko Becker.

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