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Bernd Wagner aus Angermünde erhielt mit 50 weiteren Feuerwehrleuten der Uckermark die Treue-Medaille im Brandschutz

Brandschutz
Im Schlafanzug über die Straße gespurtet

Oliver Schwers / 30.11.2018, 20:45 Uhr - Aktualisiert 11.12.2018, 16:48
Prenzlau (MOZ) Sie haben so viel Zeit ihres Lebens für den Brandschutz geopfert – altgediente Feuerwehrleute aus der Uckermark. Dafür hat ihnen der Innenminister die Treuemedaille verliehen. Zum Tag des Ehrenamts lud sie der Landkreis zu einer Auszeichnungsveranstaltung ein.

Durch Mark und Bein dröhnte die Sirene über den Dächern der Angermünder Altstadt. Dann warf Bernd Wagner die Bettdecke von sich, sprang aus den Federn und raste barfuß im Schlafanzug quer über das Kopfsteinpflaster der Straße vor seinem Haus. Genau gegenüber befand sich damals die Angermünder Feuerwache. Wagner riss die alten Holztore auf, stülpte sich die Uniform über und startete die Wagen, um sie warmlaufen zu lassen. Vier Autos mussten sich damals drei Garagen teilen. Mehr Platz war in den Hallen am Hohen Steinweg nicht. 20 Leute hatte die Freiwillige Feuerwehr der Stadt. Doch es gab in den 50er-Jahren sogar noch eine Pflichtfeuerwehr, die später wieder abgeschafft wurde.

Zum Tag des Ehrenamts haben Feuerwehrleute der Uckermark die Ehrennadel für treue Dienste aus den Händen von Landrätin Karina Dörk erhalten.
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Ehrung der Feuerwehrleute

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Der erste Einsatz führte Bernd Wagner in die Fischerstraße. Dort brannte ein Dachstuhl, weil eine Räucherkammer Feuer gefangen hatte. Größte Gefahr also für die Fachwerkstadt. Die Feuerwehrleute brachten die Sache schnell unter Kontrolle.

Wie viele Einsätze der heute 80-Jährige miterlebte, weiß er nicht mehr. Er war immer einer der ersten, wurde aus dem Schlaf gerissen von Sirenen, Telefonalarm oder dem Pieper-Ton. An die gefährlichste Sache erinnert er sich noch haargenau: Da brannte der riesige Heizungsschornstein des Angermünder Krankenhauses von innen lichterloh. „Wir haben die Leute mit Tragen aus den Zimmern auf den Hof gebracht und dann die Türklinken mit rot-weißen Bändern abgesperrt“, erzählt Bernd Wagner. „So wussten wir, welche Bereiche schon evakuiert waren.“ Für die Aktion erhielten die Brandschützer zu DDR-Zeit eine Medaille. Jetzt nimmt der altgediente Brandschützer noch einen Orden aus den Händen von Landrätin Karina Dörk in Empfang. Er ist zwar längst raus aus dem aktiven Dienst, hat inzwischen drei Herzinfarkte hinter sich, mischt aber noch in der Alters- und Ehrenabteilung mit, die an der Chronik feilt. Die Uniform hängt sorgsam gehütet stets griffbereit im Schrank. Er zieht sie an, um die Treuemedaille für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr zum Tag des Ehrenamtes anzuheften. Mit ihm werden 50 weitere Männer und Frauen aus allen Teilen der Uckermark für jahrzehntelange Aufopferung im Brandschutz ausgezeichnet. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Bernd Wagner.

Medaille für Treue Dienste

■ In Anerkennung und Würdigung der Leistungen und der 70-jährigen Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr vergab das Innenministerium die Medaille für Treue Dienste in Gold: Otto Wolf (Lindenhagen), Heinz Hahn (Kunow), Hans Redlich (Milmersdorf), Alfred Busse (Groß Fredenwalde).

■ 60-jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr: Karl-Heinz Regolinski (Zichow), Klaus-Peter Gruse (Stegelitz), Arno Schwalm (Ringenwalde), Lothar Pazio (Gerswalde), Kurt Zittlau (Krohnhorst), Hans-Dieter Malek (Krohnhorst), Günter Murke (Prenzlau), Günter Hartwich (Boitzenburg), Hans-Jürgen Hartwich (Boitzenburg), Bernd Wagner (Angermünde), Martin Guttsei (Schwedt), Adolf Schmidt (Gatow), Kurt Engel (Criewen/Zützen), Johannes-Friedrich Schützler (Vierraden), Leopold Wahl (Fürstenwerder), Gerhard Heidemann (Schönermark/Wilhelmshof), Herbert Kiss (Schönermark/Wilhelmshof), Walter Münn (Wittstock/Schapow), Karlheinz Tegge (Wittstock/Schapow), Bernd Wagner (Gandenitz), Wilfried Schneider (Grunewald), Eberhard von Kalben (Hammelspring), Werner Kuckuk (Grunewald), Willi Ach (Milow), Wolfgang Eichel (Bandelow), Otto Großmann (Bandelow), Hermann Päge (Bandelow), Horst Pehl (Friedrichsthal)

■ 50-jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr: Ursula Backofen (Milmersdorf), Annemarie Sarow (Schmölln), Artur Ain (Hohengüstow), Klaus Galle (Potzlow), Herbert Biederstedt (Hohengüstow), Dietrich Bluhm (Damme), Roland Krejci (Bagemühl), Karl Müllenhagen (Brüssow), Klaus Bartzick (Wollschow), Artur Lemke (Welsow), Klaus-Dieter Welzin (Herzsprung), Gerhard Stüber (Wittstock/Schapow), Lothar Nickel (Zernikow), Siegfried Nickel (Zernikow), Wolfgang Grösch (Landin), Horst Emeling (Gartz), Gustav Venske (Hohenselchow), Udo Döring (Tantow), Dietrich Glasenapp (Friedrichsthal), Dieter Piepenburg (Friedrichsthal)

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