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Bundespolizei klärt über Gefahren und Tricks von Taschendieben im Zugverkehr und im Weihnachtstrubel auf

Taschendiebstahl
„Achten Sie auf Ihr Handgepäck“

Kriminalitätsprävention in der Bahn: Die Bundespolizisten der Angermünder Inspektion Karin Schenk und Uwe Küchler klären Reisende über Gefahren durch Taschendiebe im Zugverkehr und ganz besonders auch im Weihnachtstrubel auf.
Kriminalitätsprävention in der Bahn: Die Bundespolizisten der Angermünder Inspektion Karin Schenk und Uwe Küchler klären Reisende über Gefahren durch Taschendiebe im Zugverkehr und ganz besonders auch im Weihnachtstrubel auf. © Foto: Daniela Windolff/MOZ
Daniela Windolff / 05.12.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 05.12.2018, 09:08
Angermünde (MOZ) Die Bundespolizei führt derzeit verstärkt Aufklärungsaktionen in Regionalzügen und auf Bahnhöfen durch, um Reisende über Tricks von Taschendieben aufzuklären. In der Vorweihnachtszeit steigt die Gefahr, Opfer zu werden.

Mit vollen Einkaufstaschen steigt eine Frau in den vollbesetzten Zug, schiebt sich durch die engen Gänge und ist froh, als ein junger Mann ihr Hilfe anbietet, das Gepäck zu verstauen. Gemeinsam heben sie die Taschen auf die Ablage. Als die Frau einige Zeit später die Fahrkarte aus der Umhängetasche über ihrer Schulter holen will, ist die Geldbörse verschwunden.

Während sie mit ihrem Gepäck abgelenkt war, hatte ein Dieb die Gunst und Enge im Waggon genutzt und in ihre Tasche gegriffen. So flink und geschickt, dass niemand etwas bemerkte. Nun sind nicht nur Geld und Fahrkarte weg, sondern auch EC-Karte, Personalausweis, Krankenkassenkarte und Führerschein. Die Geste der Hilfsbereitschaft war ein fieser Trick skrupelloser Taschendiebe, den Karin Schenk immer wieder erlebt. Sie ist Polizistin der Bundespolizeiinspektion Angermünde und kennt die Maschen der Taschendiebe. „Die Täter gehen sehr professionell und meist zu dritt vor. Sie suchen gezielt potenzielle Opfer aus und beobachten sie. Dann lenkt einer ab, der nächste stiehlt und reicht die Beute blitzschnell an einen dritten Komplizen weiter, sodass man beim Dieb nichts findet, sollte man ihn doch stellen“, erzählt Karin Schenk.

Die Beamtin für Kriminalitätsprävention hat gerade in der Adventszeit viel zu tun. „Die Zeit der Weihnachtsmärkte und voller Kaufhäuser, auch der Reiseverkehr mit der Bahn nimmt deutlich zu – ideale Gelegenheiten für Taschendiebe.“ In der Vorweihnachtszeit steigen Diebstahlsanzeigen sprunghaft an.

Um die Bevölkerung über diese Gefahren und Tricks der Langfinger aufzuklären, starten die Bundespolizisten, die auch die Aufgaben der Bahnpolizei übernehmen, jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit gemeinsam mit der Deutschen Bahn Präventionsaktionen und sind auf Bahnhöfen und in Reisezügen präsent, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Mit unserer Präventionsaktion wollen wir die Bürger stärker sensibilisieren, aufmerksamer auf ihre Wertsachen zu achten und das Gespür für Gefahrensituationen zu schärfen“, erklärt Polizeihauptkommissar Kai Rudis, der in der Angermünder Inspektion für Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist.

Schwerpunkt für die Angermünder Inspektion sind vor allem die Züge in Richtung Berlin, weil hier viele Pendler, aber auch viele Reisende zum Einkaufen und Weihnachtsmarktbummel unterwegs sind. Am Dienstagvormittag fuhren Karin Schenk und Kollege Uwe Küchler in der Regionalbahn von Schwedt bis Bernau mit, um Fahrgäste gezielt anzusprechen und aufzuklären. Der Zugbegleiter hatte die Aktion per Lautsprecher angekündigt, sodass eventuelle Scheu vor den uniformierten Polizisten verflog. Mareen Hessler aus Passow, die mit ihrer Tochter Joanna nach Berlin unterwegs war, fand die Aktion sogar sehr gut und wichtig. „Meine Tochter lernt in Berlin und wir sind oft dort unterwegs. Da ist es gut, auf solche Gefahren hingewiesen zu werden. Man ist ja manchmal doch etwas leichtsinnig.“

Karin Schenk zeigt auf Rucksäcke und offene Handtaschen der Fahrgäste und auf Handys auf den Abteiltischen. Ein kurzer Moment der Ablenkung oder ein Nickerchen genüge geschulten oder Gelegenheitsdieben, um Wertsachen zu stehlen. „Profis beobachten vorher, wo man Portmonee oder Handy verstaut. Auch die Jacken- oder Hosentasche sind nicht sicher, selbst wenn man glaubt, zu spüren, wenn da jemand zugreift. Im Gedränge oder wenn man abgelenkt wird, merken Sie nichts.“

Im Zug von Schwedt nach Bernau kommen Karin Schenk und Uwe Küchler mit vielen Reisenden ins Gespräch und verteilen Flyer „Schlauer gegen Klauer“, die Tipps gegen Tricks von Taschendieben geben und auch wichtige Rufnummern im Notfall enthalten. Denn auf ihre Frage an die Reisenden, wer den Sperr-Notruf bei gestohlenen Kreditkarten kennt, bekommen sie häufig ein Kopfschütteln.

Tipps gegen Taschendiebe

■ Taschendiebe suchen die Enge, treten besonders bei Menschenansammlungen auf, zum Beispiel Weihnachtsmärkten, Kaufhäusern, beim Ein- und Aussteigen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Rolltreppen. Sie beobachten potenzielle Opfer lange und genau, suchen körperliche Nähe, rempeln ihre Opfer an, beschmutzen „versehentlich“ Kleidung und wollen sie reinigen oder verwickeln Opfer mit fadenscheinigen Fragen ins Gespräch.

■ Sie arbeiten meist in Gruppen: Der Erste lenkt das Opfer ab, der Zweite stiehlt die Beute und gibt sie an den Dritten weiter, der damit verschwindet.

■ So schützen Sie sich: Führen Sie nur das Notwendigste an Bargeld oder Zahlungskarten mit. Bewahren Sie Papiere und Geld nicht zusammen in einer Börse.

■Führen Sie Wertsachen dicht am Körper und verteilt mit sich, möglichst in Gürtel- oder Brustbeuteln.

■ Tragen Sie Hand- und Umhängetaschen immer verschlossen mit der Verschlussseite zum Körper.

■ Tragen Sie Rucksäcke im Gedränge auf der Brust.

■ Zeigen Sie Wertsachen, wie Handys nicht offen. Legen Sie in unübersichtlichen Situationen die Hände auf Ihre Taschen.

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